Ringen

«Harziger Abend» und geisterhaft trostlose Stimmung: Ringerstaffel Freiamt feiert einen Pflichtsieg

Randy Vock (oben) führte nach diesem Wurf, verlor aber dennoch.

Randy Vock (oben) führte nach diesem Wurf, verlor aber dennoch.

Die Ringerstaffel Freiamt feiert – erstmals ohne Zuschauer – einen lockeren Sieg gegen Einsiedeln. An den kommenden beiden Samstagen wird die Bedeutung in den Finalduellen gegen Willisau eine komplett andere sein.

Schlimmer hätten die Rahmenbedingungen in der Bachmattenhalle Muri nicht sein können: zwei Rumpfteams im Halbfinalrückkampf gegen Rivale Einsiedeln ohne Zuschauer und Spannung. Der sportliche Wert des 24:16-Erfolges für die Ringerstaffel Freiamt liegt nahe null. Trainer Marcel Leutert sprach von einem «harzigen Abend», den er jedoch als «brutal wichtige Erfahrung» einstufte.

Freiamts Fokus ist auf das Finalduell gegen Willisau an den nächsten zwei Samstagen ausgerichtet. So war der zweite Halbfinal gegen Einsiedeln nach vierwöchigem Unterbruch nur ein Testlauf. Bei den Schwyzern ging’s um nichts, weil sie die Bronzemedaille nach Kriesserns Rückzug schon im Sack hatten. «19 Punkte Rückstand waren nicht aufzuholen, und heute verloren wir deutlich knapper», bemühte sich Sven Neyer um ein versöhnliches Fazit. Er vertrat bei Einsiedeln den ferienabwesenden Urs Bürgler als Coach. Seine schonungslose Einschätzung zu den zehn Mattenduellen: «Das war nichts, höchstens ein Probelauf ohne Wert.»

Neun vorzeitige Entscheidungen

Einsiedeln trat mit einem Alibiteam an. Auch bei Freiamt fehlten entgegen der Ankündigung viele Titulare. Nebst Nino Leutert schonte die Aargauer Ringerhochburg auch die angeschlagenen Michael Bucher und Magomed Aischkanow. Mann des Abends war Greco-Spezialist und Schwinger Roman Zurfluh. Bis 130 kg Freistil deklassierte er den Kranzschwinger Martin Grab. Zurfluhs mehrfach erfolgreich angesetzter Oberarm-Oberschenkel-Griff begeisterte wohl das Publikum an den Computerbildschirmen.

Für das Einsiedler Erfolgserlebnis sorgte der unberechenbare Lars Neyer. Bis 70 kg lief er schnell Gefahr, von Randy Vock ausgepunktet zu werden. Doch nach einem Wurf passte der Freiämter Spitzenringer nicht auf und lag beim Stand von 14:2 plötzlich selber auf dem Rücken. «Das kann, aber sollte nicht passieren: Künstlerpech», taxierte Leutert.

Titelkampf gegen Meister Willisau

Weil Nils Leutert, Pascal Strebel, Joel Meier, Marc Weber und Christian Zemp nebst Zurfluh ebenfalls vorzeitig gewannen, geriet Freiamts Erfolg auch im Rückkampf nicht in Gefahr. Neun vorzeitige Siege lassen erkennen, dass das Niveau zur Stimmung in der Halle passte.

«Schlüsse kann man keine ziehen», so Marcel Leutert, aber dieser Match sei der erste Schritt zum Aufbau der nötigen Spannung für den Final. «Es wird auch für Willisau nicht einfach, ohne Zuschauer die richtige Einstellung zu finden. Wir haben jetzt diese Erfahrung gemacht.»

Ab sofort gilt die Konzentration dem Titelkampf gegen Meister Willisau. «Jetzt müssen wir die optimale Aufstellung finden», nennt Trainer Leutert den Knackpunkt zum erfolgreichen Abschluss der seltsamen Saison. Dabei stellt sich die Frage, ob auch die Luzerner nicht einsatzfähige Ringer beklagen. Als schlimmstes Szenario dräut Corona über beiden Lagern.

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