Wohlen
Hauptsache nachhaltig und wasserdicht: Diese Kantischüler werden zu Miniunternehmern

Seit 13 Jahren bieten zwei Wirtschaftslehrer an der Kantonsschule Wohlen den Projektunterricht «YES Miniunternehmen» an. Darin sollen die Schüler ein eigenes Unternehmen gründen und es in den Schweizer Wirtschaftsmarkt integrieren.

Ladina Buess
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Miniunternehmen präsentieren sich: «Infinity» hat ein Armband aus Nylonseil kreiert und stösst damit auf grosses Interesse bei den Kunden. Ladina Buess

Miniunternehmen präsentieren sich: «Infinity» hat ein Armband aus Nylonseil kreiert und stösst damit auf grosses Interesse bei den Kunden. Ladina Buess

Ladina Buess

«Unser Produkt ist garantiert wasserdicht und dampfdicht» oder «Das Produkt eignet sich vor allem für die Wintermonate, die uns nun bevorstehen» – mit solchen Versprechen warben die frisch gegründeten YES-Miniunternehmen an der Kantonsschule Wohlen für ihre Produkte. Die Gründungsversammlung soll den Unternehmern die Möglichkeit bieten, sich und ihre Produkte vorzustellen sowie Investoren von ihrer Idee zu überzeugen.

Wirtschaft realitätsnah

In diesem Fall sind die Unternehmer jedoch keine erfahrenen Geschäftsleute, sondern Schüler an der Kantonsschule in Wohlen. Seit 13 Jahren bieten die Wirtschaftslehrer Christian Nohl und Martin Weiss den Drittklässlern den Projektunterricht «YES Miniunternehmen» an. Darin sollen die Schüler ein eigenes Unternehmen gründen und es in den Schweizer Wirtschaftsmarkt integrieren. Die Non-Profit-Organisation YES, deren Name für «Young Enterprise Switzerland» steht, unterstützt die Unternehmen zusätzlich.

Wirtschaftslehrer Nohl eröffnete die Gründungsversammlung und lobte den bewährten Projektunterricht. Nicht nur müssten die Schüler sich vor externem Publikum beweisen und überzeugen, sondern sich auch mit realen Problemen der Wirtschaft beschäftigen. «Viele ehemalige Kantischüler schätzen diese Zeit der Miniunternehmen, es ist für sie eine Erfahrung, von der sie wirklich etwas mitnehmen können», so Nohl.

An der Gründungsversammlung stellten vier Unternehmen ihre Ideen vor. «Wataproof» stellt ein Unikat einer wetter- und wasserresistenten Tasche her. «ReSwitch», das einzige Unternehmen der vier mit einem weiblichen CEO, versucht, mit ihren multifunktionalen Taschen eine Marktlücke zu treffen. Ihr Produkt soll vor allem eins sein: nachhaltig, so CEO Nina Bomatter. Das Unternehmen «Infinity» setzt auf Mode und hat ein Armband
aus Nylonseil entworfen, das später in der Integra in Wohlen produziert werden soll. Das vierte, sechsköpfige Unternehmen, «La Crémelle», stellt zwei verschiedene Handcremes her, die man beim späteren Apéro gleich selbst testen konnte.

Professionelle Präsentationen

Die Präsentationen über ihre Unternehmen meisterten die Schüler professionell und überzeugend. Die Zielgruppe sah bei allen etwas anders aus. So hatte es «Wataproof» zum Beispiel auf naturliebende und aktive Menschen abgesehen und
«Infinity» auf modebewusste, junge Leute, aus denen das Unternehmen selbst auch bestehe, so der CEO. Nach den Präsentationen in der Aula der Kantonsschule Wohlen konnten die Besucher bei den Ständen der Miniunternehmen für fünfzehn Franken einen Partizipationsschein ausfüllen und dem jeweiligen Unternehmen das Startkapital finanzieren. Die Stände warben mit ihren Logos, Informationsblättern oder Visitenkarten, die auf Bartischen zum Mitnehmen verlockten. Viel Zeit haben die Schüler nicht, sich zu bewähren.

Nächstes Jahr werden sie den Projektunterricht abschliessen und somit aus dem YES-Miniunternehmen aussteigen. In diesem Jahr sind Stände an Weihnachtsmärkten und Werbung durch Mundpropaganda in der Schule sowie durch soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram geplant. Jedes Jahr veranstaltet die Organisation YES einen Wettbewerb unter allen Schweizer Miniunternehmern. Die vier Unternehmer der Kantonsschule Wohlen haben sich einen Eintritt in die besten fünfzig oder fünfundzwanzig als Ziel gesetzt. «Dort ausgewählt zu werden, ist nicht mehr so einfach wie früher», warnt Christian Nohl, «im ersten Jahr, vor dreizehn Jahren, waren es schweizweit gerade mal 15 Unternehmen, heute sind es bereits 210.»

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