Dottikon

Hier werden aus Steinblöcken Denkmäler: Steinbruch der Emil Fischer AG öffnet seine Tore

Am Samstag öffnet die Emil Fischer AG Dottikon im Rahmen des ersten nationalen Steinbruchtags ihre Tore für alle Wissensdurstigen.

Steine sind kein totes Material. Ganz im Gegenteil: «Steine atmen», sagt Roger Leuenberger, Mitinhaber der Emil Fischer AG Dottikon. Er weiss genau, wovon er spricht, denn er ist kein abgehobener CEO ohne Bezug zur Basis.

Leuenberger hat schon seine Lehre als Steinmetz bei Emil Fischer gemacht und hat sich da seine Sporen als Berufsmann abverdient. Nachher studierte er Hochbautechnik und kehrte 1997 in den Steinbruch zurück, wo seine Karriere begonnen hatte. Nach dem viel zu frühen Tod seines Lehrmeisters übernahm Leuenberger, zusammen mit Leander Tillmann Egger und Rolf Wirz, die Leitung des Traditionsunternehmens, das seit 150 Jahren den begehrten Mägenwiler Muschelkalk industriell abbaut.

Unglaublich vielseitig verwendbarer Baustoff

Die Begeisterung für seinen Beruf ist Leuenberger anzusehen, wenn er mit leuchtenden Augen erklärt, dass man hier, am Steinhof 181 in Hendschiken, eigentlich auf einem Sandstrand stehe. «Vor 20 Millionen Jahren war hier alles ein Meer», erklärt der 51-Jährige mit weit ausholender Geste. «Das hat sich langsam zurückgezogen. Dabei hinterliess es jede Menge Sand und Reste von Muschelschalen. Daraus entstand der Muschelsandstein oder eben Muschelkalk, den wir hier abbauen.»

Jeder Steinblock, den die 28 Mitarbeiter der Firma aus der Masse brechen und anschliessend zu Boden- und Wandplatten, Brunnen, Waschtrögen, Fenstersimsen, Fassadenabdeckungen, Grabsteinen oder Zierwerk an privaten und öffentlichen Bauten weiterverarbeiten, atmet die Geschichte seiner Entstehung und wird als widerstandsfähiges Naturprodukt seine Bearbeiter um Generationen überleben. «Schon vor dem industriellen Abbau haben hier die Bauern der Umgebung Bruchsteine als Baumaterial geholt», weiss Leuenberger. «Der Mägenwiler Muschelkalk ist für die Verarbeitung dankbar, weil er weniger hart ist als etwa Jurakalk. Dennoch ist er dauerhaft und vor allem frostbeständig.»

All dies und noch viel mehr können die Besucher des Steinbruchs morgen, am Tag der offenen Tür, auf einer Führung mit Roger Leuenberger oder einem seiner Kollegen direkt vor Ort erfahren. Alle Arbeiten im Steinbruch werden vorgeführt, und wer will, darf sich auch selber als Steinmetz versuchen.

Mägenwiler Muschelkalk steckt in vielen Bauten

Passend zu den Europäischen Tagen des Denkmals (siehe Text rechts), hat der Naturstein-Verband Schweiz am 14. September den ersten nationalen Steinbruchtag ausgerufen (www. steinbruchtag.ch). Ziel dieser Aktion ist es, die Bevölkerung für das Thema Naturstein zu sensibilisieren und das Verständnis für die Branche zu fördern. Die Besucher der insgesamt 16 beteiligten Betriebe sollen dabei die Gelegenheit erhalten, diesen wertvollen Bodenschatz und Baustoff zahlreicher historischer Schweizer Sehenswürdigkeiten sowie modernster Architektur besser kennen und schätzen zu lernen. «Viele Leute bewundern historische Bauten in der ganzen Schweiz und wissen gar nicht, dass das Mägenwiler Muschelkalk ist», betont Roger Leuenberger mit Stolz.

Christian Breitschmid

Autor

Christian Breitschmid

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