«Es ist so herausgekommen, wie ich mir das vorgestellt habe», sagt Simon Heusser. Seit anderthalb Jahren baut der 31-jährige Schreiner die über 200 Jahre alte Liegenschaft an der Steingasse 47 in Wohlen um. 20 Jahre ist es leer gestanden, das Seckelmeisterhaus, in dem Reisende früher auf dem Weg nach Zürich sich und ihren Pferden eine stärkende Pause vor dem steilen Anstieg in Richtung Bremgarten gegönnt haben. 

«Ja, ich bin zufrieden damit, wie sich das Haus jetzt von aussen präsentiert. Und ich bin auch ein bisschen stolz», ergänzt Simon Heusser.» Zufrieden und stolz darf er auch sein, denn er und seine Helfer arbeiten zwar auch mit modernen Maschinen, aber grundsätzlich so, wie Handwerker vor 200 Jahren gebaut haben. So wurde der neue Verputz auf dem historischen Mauerwerk nach historischem Vorbild neu aufgebaut. Mit Sand aus dem Kieswerk Hufschmid in Nesselnbach und Kalk als Bindemittel. Gestrichen worden ist das Haus mit Kalkfarbe, die Heusser selber gemischt hat. 

Viel getüftelt und ausprobiert

«Solche Verputze haben früher Jahrhunderte überdauert, wenn sie richtig gemacht worden sind», sagt der Bauherr und Besitzer der Liegenschaft. Doch die Umweltbedingungen haben sich geändert: «Ich hoffe, mein Verputz hält auch über mehrere Generationen, doch der saure Regen und die Luftverschmutzung könnten ihm zusetzen. Eine Prognose stelle ich nicht.»

Simon Heusser hat während des Neuaufbaus der Fassade immer wieder getüftelt und ausprobiert, war sich aber nie ganz sicher, ob das Endresultat dann letztlich auch mit seinen Vorstellungen übereinstimmte: «Wir haben hinter den schützenden Jutetüchern im Schatten gearbeitet und keine Gelegenheit gehabt, einmal von weitem zu betrachten, wie sich das oder jenes Detail auf das Gesamtbild auswirkt. Damit mussten wir warten, bis das Baugerüst abgebaut war.»

Nicht nur der Verputz ist neu am Seckelmeisterhaus. Auch die blauen Fensterläden sind es. Sie hat Heusser aus einheimischem Lärchenholz hergestellt und mit Ölfarbe gestrichen. Die Fenster sind nur teilweise neu. Ein grosser Teil davon ist weit über 100 Jahre alt und lediglich restauriert sowie dem heutigen Standard angepasst worden. «Ich musste nur die Scheiben auf der Wetterseite ersetzen, weil diese in einem schlechten Zustand gewesen sind. Die anderen habe ich verdoppelt und eine Dichtung reingemacht», hat der Bauherr bei einem Besuch der AZ vor einem halben Jahr erklärt. Auf dem Dach liegen 7600 historische, handgemachte Biberschwanzziegel. Simon Heusser und seine Helfer haben sie im heissen Sommer 2018 selber hinaufgetragen.

Damit der historische Charakter der 200 Jahre alten Liegenschaft erhalten bleibt, arbeitet Simon Heusser eng mit der kantonalen Denkmalpflege zusammen. Die Gemeinde Wohlen hatte ursprünglich offenbar kein grosses Interesse am Seckelmeisterhaus und hat es im Rahmen der Nutzungsplanung sogar aus dem Inventar der schützenswerten Bauten entlassen. Heusser hingegen nahm nach dem Kauf mit der Denkmalpflege Kontakt auf, und jetzt steht die Liegenschaft wieder unter Denkmalschutz. Für den Besitzer und Bauherrn ist das wichtig. Denn damit ist gesichert, dass das, was er jetzt an Engagement und Liebe zur alten Bausubstanz investiert, später nicht einfach so wieder zerstört werden kann.

Halbzeit bei der Sanierung

Aussen ist die Sanierung des Gebäudes jetzt weitgehend abgeschlossen. Im Innern wartet aber noch viel Arbeit. Simon Heusser will drei Wohnungen einrichten und später eine davon allenfalls selber bewohnen. Auch hier legt er grossen Wert auf den Erhalt der alten Bausubstanz, sagt aber: «Es muss und wird einen Kompromiss geben. Zum Beispiel werden die Wohnungen Badezimmer und Küchen erhalten, die dem heutigen Standard entsprechen.»

Bereits abgeschlossen sind die erforderlichen Brandschutzmassnahmen zwischen den einzelnen Stockwerken, und auch das alte Täfer ist weitgehend fertig saniert. Als Nächstes folgen jetzt die Installationen für Heizung und Sanitär. Auch die Dämmverputze müssen noch gemacht werden. «Wir bauen jetzt seit anderthalb Jahren», sagt Simon Heusser. Ebenso lange werde es noch dauern, bis die Liegenschaft auch im Innern fertig saniert und wieder bewohnbar ist.