«Hoppla!» ruft der Clown, als der Jonglierball vor ihm auf den Boden ploppt. Eine Zuschauerin kichert, ein anderer ruft ebenfalls «Hoppla!», und die Frau, die neben ihm sitzt, bückt sich ganz langsam, streckt ihre Hand aus, greift sich den Ball und wirft ihn dem Clown zu. «Dankeschööön», sagt der Clown und verbeugt sich artig vor der betagten Dame.

Dann beginnt er noch einmal mit seiner Jonglage, bis zum nächsten «Hoppla!». Diesmal rollt der Ball einem anderen Bewohner der geschützten Demenzabteilung vor die Füsse. Auch er bückt sich danach, wirft ihn dem Clown zurück und lacht dabei: «Da muesch no üebe!»

Genau so soll es sein, wenn Clown Freddy alias Carlo Werdler mit seinem dreiviertelstündigen Programm in den Wohnbereichen des Reussparks auftritt. Seine Show soll die Bewohner des Zentrums für Pflege und Betreuung im Niederwiler Gnadenthal dazu animieren, ihre Sinne zu nutzen und in Bewegung zu kommen.

Der professionelle Spitalclown sieht seine Aufgabe auch ganz klar darin, zu aktivieren, nicht zu therapieren: «Es geht darum, Freude zu haben», sagt Werdler, der vor acht Jahren seine zweite Karriere als Clown Freddy gestartet hat. «Meine Auftritte sollen für Abwechslung und für Unterhaltung sorgen. Dabei versuche ich, meine Zuschauer auf einer emotionalen Ebene abzuholen.» Das gelingt ihm in seiner feinen, unaufdringlichen Art scheinbar mühelos.

Rico, das flauschige Handpuppchenäffchen

Zweimal pro Monat besucht er, immer am Mittwochnachmittag, je drei Wohnbereiche des Reussparks. Immer mit dabei: sein grosser, oranger Luftballon, an dem ein Engelchen hängt, dann Rico, sein flauschiges Handpuppenäffchen, und die Musik, entweder vom transportablen Plattenspieler oder aus der schön verzierten, alten Musikdose.

Wie wichtig die Musik ist, merkt man auch beim heutigen Auftritt, hier im geschützten Demenzwohnbereich. Freddy legt eine LP mit Hits aus den Jahren 1950/51 auf. Bing Crosby schnulzt «Play A Simple Melody» und siehe da: Auf einer Stuhllehne bewegen sich ganz zaghaft ein paar Finger im Takt.

Zwei Stühle weiter nimmt ein Fuss, mitsamt Gesundheitssandale, den Rhythmus auf. Etwas abseits hat es sich ein Bewohner in der Sitzgruppe bequem gemacht. Er wippt, beschwingt von Crosbys Swing, mit Kopf und Oberkörper unablässig vor und zurück.

«Der Clown und die Musik wecken Erinnerungen», sagt Werdler, der immer wieder staunt, wenn eine Melodie oder eines seiner Spiele zu überraschenden Reaktionen aus dem Publikum führen. Diesmal sind es vor allem Lys Assia mit «O Mein Papa» und Friedel Henschs «Übers Jahr, wenn die Kornblumen blühen», die in viele Gesichter ein seliges Lächeln zaubern und bei denen auch aktiv mitgesungen wird.

19 Jahre im Reusspark

Eigentlich ist Carlo Werdler Physiotherapeut. Als solcher wurde der gebürtige Niederländer vor 19 Jahren im Reusspark angestellt, und diese Funktion übt er auch nach wie vor und hauptberuflich aus. «Aber schon damals kamen jeweils zwei Clowns in den Reusspark, um unsere Bewohner zu unterhalten. Das hat mich fasziniert, und ich wollte das unbedingt auch können.» So machte er berufsbegleitend die zweijährige Ausbildung an der Tamala Clown Akademie in Konstanz.

«Was ich damit anfangen würde, war noch ganz offen. Aber dann kam die Anfrage unserer Leiterin Pflege und Betreuung, Monica Heinzer, ob ich nicht als Clown im Reusspark auftreten wolle.» So schlug im September 2011 die Geburtsstunde des Spitalclowns Freddy.

Sein Repertoire hat Freddy in den vergangenen Jahren kontinuierlich erweitert. Als Mitglied des Vereins HumorCare sucht er den Austausch mit anderen Spitalclowns und ist auch ständig dabei, sich weiterzubilden. Eben ist er von einem Sommerkurs in der Accademia Teatro Dimitri in Verscio (TI) zurückgekehrt.

«Solche Kurse sind für mich eine grossartige Inspirationsquelle und verschaffen mir auch immer wieder neue Kontakte», schwärmt der 50-Jährige, der keinen Hehl daraus macht, in welchem seiner beiden Berufe das Herz höher schlägt: «Ich bin Clown, mit Leib und Seele.»