Früher waren es weggeworfene Nylonstrümpfe. Sie bereiteten bei der Entwässerung grössere Probleme. Heute sind es vor allem Hygienetücher, Feuchttüchlein, weitere Produkte aus festem Papier sowie Waschlappen, Mikrofasertücher und allerlei Textilien, die Ärger verursachen. Sie können sowohl Kanalisationsleitungen und Abwasserschächte verstopfen als auch Pumpen lahmlegen.

«Solche Artikel gehören nach Gebrauch doch nicht in die Toilette», ärgert sich der erfahrene Klärmeister Max Eberhard, «man entsorgt sie im normalen Hauskehricht.» Eigentlich, so Eberhard, müssten das inzwischen alle Leute begriffen haben. Leider seien Bequemlichkeit und Unachtsamkeit manchmal viel grösser als der gesunde Menschenverstand.

Unappetitliche Reparaturen

Klärfachmann Eberhard und seine Kollegen der ARA (Abwasser-Reinigungsanlage) Reuss-Schachen in Merenschwand müssen des öftern eine funktionsuntüchtig gewordene Pumpe auf dem Areal ihrer Kläranlage von Hygienetüchern und anderem Haushaltmüll befreien. Die ziemlich unappetitlichen Reparaturaktionen sind keineswegs im Handumdrehen erledigt. Sie dauern jeweils eine halbe Stunde.

Vermehrt gefordert sind auch Kurt Käslin vom Bauamt der Gemeinde Aristau und seine Berufskollegen vom Bauamt Merenschwand. Oft müssen sie ausrücken wegen lahmgelegter Pumpen und verstopfter Schächte in den örtlichen Kanalisationsnetzen. Die Ursachen sind auch hier ausgemusterte Hygienetücher, Feuchttücher und allerlei Müll mehr aus Haushaltungen. Dass der Abfall in die Hauskehricht-Säcke gestopft oder der Sperrgutabfuhr mitgegeben werden müsste, steht klipp und klar in den Entsorgungsreglementen der Gemeinden.

In diesen Regelwerken kann man auch nachlesen, dass der Gemeinderat Aristau gegen Fehlbare Bussen bis zu 500 Franken und der Gemeinderat Merenschwand Bussen bis zu 2000 Franken aussprechen könnte. Ständige Sünder zu erwischen, die mit Hauskehricht Entwässerungsprobleme und so Zusatzkosten verursachen, ist freilich sehr schwierig.

Kunterbuntes Sammelsurium

Klärmeister Max Eberhard – er tritt demnächst in den Ruhestand – entdeckte in seiner gut 30-jährigen Tätigkeit in Merenschwand zahlreiche Gegenstände, die der Kläranlage via Toilettenspülungen und Leitungen zugeschwemmt wurden, wobei einige Fundgegenstände auch aus Abwässerschächten stammen. Ein kunterbuntes Sammelsurium kam zusammen: Rasierklingen, Metallschrauben, Handys, Pullover, Unterwäsche, Federbälle, eine Velopumpe, ein Gartenzwerg, zerquetschte Aludosen, Nuggis, Turnschuhe, Kinderspielzeug, eine Mausefalle und anderes mehr.

«Nur die Kleinkinder sind entschuldigt», sagt Eberhard beim Betrachten des gesammelten kleinen Warenbergs. Für alle anderen illegalen Entsorger, insbesondere die Erwachsenen, bringe er keinerlei Verständnis auf. Sein «Littering-Museum» zeigt Max Eberhard jeweils Schulklassen, die auf Besuch in der Kläranlage weilen. Dies selbstredend in der Hoffnung, dass es «beim einen oder anderen Schüler klick macht».