Bezirksgericht Muri

Rentner sprayte am Bahnhof «Coronavirus, fuck you China»

Er soll unter anderem  zwei Wände und einen Abfallkübel mit dem Schriftzug «Coronavirus, Fuck you China» verunstaltet haben.

Er soll unter anderem zwei Wände und einen Abfallkübel mit dem Schriftzug «Coronavirus, Fuck you China» verunstaltet haben.

Ein 65-jähriger Chinese war vor dem Bezirksgericht Muri nicht geständig. Doch an den Aussagen eines Zeugen gab es keine Zweifel. Der Beschuldigte wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

«Ich war das nicht. Aber wenn sie zum Schluss kommen, ich sei für diese Taten verantwortlich, werde ich eine Strafe akzeptieren», erklärte der 65-jährige Chinese vor dem Bezirksgericht Muri. Gerichtspräsidentin Simone Baumgartner hakte nach: «Jetzt wird es kompliziert. Sie haben gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Einsprache erhoben. Deshalb war diese Verhandlung nötig. Nun erklären sie, sie würden eine Strafe akzeptieren. Möchten Sie nun die Tat gestehen? Sie können den Strafbefehl auch nachträglich akzeptieren, dann brechen wir die Verhandlung ab.»

Das wollte der Mann nicht. «Er möchte, dass Sie ein Urteil sprechen und dieses wird er anerkennen», übersetzte die Dolmetscherin. Vorgeworfen wurde dem Angeklagten mehrfache Sachbeschädigung. Er soll im April 2020 auf einem Bahnhof im Oberfreiamt einen Selecta-Automaten, zwei Wände, eine Glasscheibe und einen Abfallkübel mit dem Schriftzug «Coronavirus, Fuck you China» verunstaltet haben. Dabei war er von einem Mann, der beruflich dort tätig ist, beobachtet. Der Zeuge hatte ein Foto geschossen, als der Chinese mit seinem Rad wegfuhr. Eine Woche später sah er den mutmasslichen Täter erneut. Er rief die Polizei, die den 65-Jährigen anhielt und befragte.

Gericht schenkte den Aussagen des Zeugen Glaube

«Die Mütze, die der Mann auf dem Bild trägt, sieht gleich aus, wie die, die sie heute tragen. Und auch die Jacke scheint dieselbe zu sein», erklärte die Gerichtspräsidentin, als sie dem Angeklagten das Foto des Zeugen zeigte. «Ich bestreite nicht, auf dem Bahnhof gewesen zu sein. Ich bin oft dort, manchmal sogar jeden Tag.» Er beobachte die Leute oder lese Zeitung, aber er sei nicht der Täter. Der Zeuge müsse sich getäuscht und ihn verwechselt haben.

Schuld des Mannes erwiesen

Hartnäckig blieb auch die Gerichtspräsidentin. Sie versuchte, zum kauzig wirkenden Angeklagten vorzudringen. Doch trotz Einfühlungsvermögens und taktischen Geschicks gelang ihr das kaum. Der Mann antwortete zwar stets in Wortschwallen. Doch nach der Übersetzung blieb nicht viel Substanzielles übrig. Weder bei den Fragen zu seiner Person, noch bei solchen zum Coronavirus, seinem Verhältnis zu China oder zu den Vorgängen auf dem Bahnhof.

Die Einzelrichterin sah die Schuld des Mannes erwiesen. «Das Gericht schenkt dem Zeugen Glauben und ist überzeugt, dass keine Verwechslung vorliegt», so Baumgartner. Es sei kein Motiv für eine Falschbeschuldigung auszumachen, da sich Zeuge und Angeklagter nicht kennen. Verurteilt worden ist er zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen à 30 Franken, bedingt auf zwei Jahre sowie einer Busse von 200 Franken und der Übernahme der Verfahrenskosten.

Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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