Zufikon

Im Bann von Kugeln und Schweinchen

Schwungvoll und in hohem Bogen – so sollte die Metallkugel geworfen werden. Lyne Schuppisser

Schwungvoll und in hohem Bogen – so sollte die Metallkugel geworfen werden. Lyne Schuppisser

Die Schweizer Meisterschaften im Pétanque in Zufikon stehen vor der Tür – ein Highlight in der Vereinsgeschichte.

Es ist definitiv ein Highlight in der dreizehnjährigen Vereinsgeschichte des Zufiker Pétanque-Clubs: die Schweizer Meisterschaften, die am 4. und 5. Juli ausgetragen werden. Eigens dafür wird ein zusätzlicher Platz auf dem Schulhaus aufbereitet, um für die 128 Spieler genügend Wettkampffläche zu bieten.

Wer schon einmal Ferien in der Provence gemacht hat, dem ist diese Szene wohlbekannt: ein Dorfplatz inmitten eines verschlafenen Dörfchens und ältere Herren, die ein nachmittägliches «Jeu de Boules», ein Pétanquespiel, veranstalten. Ein ähnliches Schauspiel, wenn auch nicht mit demselben Ambiente, bietet sich in den Sommermonaten jeden Dienstag um 19 Uhr, wenn die Mitglieder des Zufiker Pétanque-Clubs trainieren. Dank des neuen Pétanqueplatzes sind sie in der Lage, mit zusätzlichen Bahnen auf dem Schulplatz, die Schweizer Meisterschaften auszutragen.

Jeder spielt mit jedem

Trotz des kommenden Grossanlasses wird wie gehabt trainiert. Vor jedem Training werden die Teams und Spielrunden ausgelost. Es soll jeder mit jedem spielen. «Die Profis spielen natürlich mit ihrem eingespielten Partner. Wir versuchen aber, dass jeder mit jedem klarkommt», erklärt Roland Gretener, stellvertretender Präsident des Clubs.

Gespielt wird mit der «Boule», einer 700 Gramm schweren Metallkugel. Eine Zielkugel aus Holz, das «Cochonnet», wird zwischen sechs und zehn Meter auf dem Kiesplatz nach vorne geworfen.

Anschliessend versuchen die Teams abwechselnd, ihre Kugeln möglichst nahe an das «Cochonnet», das «Säuli», zu platzieren – durch eine schwungvolle Bewegung mit dem Arm.

«Jeder entwickelt mit der Zeit seine eigene Technik. Hauptsache ist, dass die Kugel dort landet, wo man sie haben will», weiss Roland Gretener. Denn nicht nur die Technik, auch der Boden, Glück und Pech beeinflussen die Laufbahn der Kugel.

«Das macht es umso spannender und auch ein Anfänger kann mit etwas Glück eine Partie für sich entscheiden», so Gretener. In diesem Sport haben Alte, Junge, Schwache, Starke die gleichen Chancen.

Deshalb kommt dem Pétanque ein hoher sozialer Wert zu. Gesetzt ist aber, dass man von einem markierten Kreis aus wirft. Idealerweise fliegt die Kugel in hohem Bogen, damit sie an der Zielkugel zu liegen kommt, oder eine gegnerische Kugel wegbefördert.

Im besten Fall mit dem «Carreau», Volltreffer, wenn die eigene Kugel den Platz der gegnerischen einnimmt. Wer nach Verbrauch aller Kugeln dem «Cochonnet» am nächsten ist, erhält einen Punkt – eine Partie geht auf 13. Welche Kugel das ist, ist allerdings keine offensichtliche Angelegenheit. Auf dem Platz wird fleissig diskutiert und argumentiert.

Wer während des ganzen Spiels keinen Punkt holt, muss das «Fanny», einen Frauenhintern, küssen. In diesen Genuss kam sogar der ehemalige Präsident Franz Höltschi.

Küssen musste er aber nur eine hölzerne Attrappe. Vor und nach einer Partie schütteln sich die Gegner die Hand. In Frankreich ist es Gebrauch, dem Verlierer ein Getränk zu spendieren. Es sind die kleinen Gesten, die dieses gesellschaftliche Spiel ausmachen und welche Gretener schätzt. «Auf dem Platz kommen alle Gesinnungen und Berufe zusammen», sagt er, «wir sind auch Ausländern gegenüber tolerant», und tätschelt dabei seinem Kollegen aus Deutschland auf die Schulter.

Das doppelte Gemischte

Mit dem neuen Platz (zuvor spielten die Mitglieder im Zufiker Wald) kam die Anfrage des Deutschschweizer Pétanque-Verbands (SAP), ob sie die Schweizer Meisterschaft ausführen möchten. Nach einer Platzbesichtigung mit dem Vorstand nahmen sich die Zufiker dieser Herausforderung an. Nun ist für die kommenden Wettkämpfe am 4. und 5. Juli ein 46er-Feld parat. Für die Felderweiterung auf dem Schulhausplatz erhielten sie das Einverständnis sowie die Schulküche zum Betreiben der Festwirtschaft. Jedes Vereinsmitglied kann ein wenig dazu beitragen. «Einige haben bereits Erfahrung im Organisieren von solchen Events, zum Beispiel in der Festwirtschaft», so Gretener. An der Schweizer Meisterschaft wird in der Disziplin Dublette Mixte gespielt. Das bedeutet, die Teams bestehen jeweils aus einem Mann und einer Frau, welche gegen ein gegnerisches Team, ebenfalls Mann und Frau antreten.

Bis dahin trainiert der Zufiker Pétanque-Club fleissig weiter, bei jeder Witterung. Es habe Schönwetter-Spieler, das sei in Ordnung. Es besteht für keinen der Zwang, in jedes Training zu gehen. Für Gretener ist klar: «Jeden Dienstagabend ab 19 Uhr scheint die Sonne.»

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