Wassermangel
Im Freiamt muss man Wasser sparen – darum hofft man auf viel Schnee

Der Ertrag der Quellen ist wegen der anhaltenden Trockenheit stark zurückgegangen und hat sich trotz einiger Niederschläge im Herbst nicht erholt. Nun mussten bereits erste Wassersparappelle abgegeben werden – mitten im Dezember.

Toni Widmer
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Aus dem Pumpwerk Lenzhard in Niederlenz bezieht Wohlen Wasser.

Aus dem Pumpwerk Lenzhard in Niederlenz bezieht Wohlen Wasser.

Toni Widmer

«Der Gemeinderat bittet die Bevölkerung, nachhaltig Wasser zu sparen. Insbesondere sollen keine Autos gewaschen und allgemein nicht unnötig Wasser verbraucht werden», schreibt der Gemeinderat Tägerig in seinem aktuellen Mitteilungsblatt.

Ein Wassersparappell im Dezember, das hat es noch selten gegeben. Doch die Situation scheint wegen der lange anhaltenden Trockenheit in der Region tatsächlich da und dort ungemütlich zu werden.

«Der Ertrag unserer Quellfassungen ist total zusammengebrochen. Sie haben sich seit dem Frühling nie mehr erholt. Auch die wenigen Regenfälle im Herbst haben bisher nichts gebracht», sagt der Tägliger Brunnenmeister Wendelin Blattmer.

Der Ertrag der Quellen liege im Normalfall etwa bei 250 Minutenlitern (ml), mittlerweile sei er auf 130 ml gesunken. Um die Versorgung der Gemeinde Tägerig gewährleisten zu können, müsse er seit dem Sommer jede Nacht 80 bis 100 m3 Wasser, also 80 000 bis 100 000 Liter, von der Nachbargemeinde Mellingen ins Tägliger Reservoir pumpen.

Das gehe wohl auf die Dauer kaum, sagt Blattmer, denn auch Mellingen habe nicht Wasser in Hülle und Fülle zur Verfügung: «Mellingen bezieht von Wohlenschwil und Fislisbach, der Vorrat dürfte dort ja auch nicht unerschöpflich sein.»

Für den Tägliger Brunnenmeister ist Wasser ein aktuelles und wichtiges Thema: «Die sinkenden Erträge unserer Quellen und die tiefen Grundwasserspiegel machen mir Sorgen.

So knapp war das Wasser nicht einmal im sehr heissen und trockenen Sommer 2003.» Die grösste Gefahr sieht Blattmer bei den Quellen: «Wenn dort kein Wasser mehr fliesst, können die Quellgänge verstopfen. Gibt es dann wieder Wasser, sucht es sich allenfalls neue Wege und damit kann unter Umständen unser ganzes Quellsystem zusammenfallen.»

IBWohlen hat visionäres Projekt

Wendelin Blattmer ist nicht der einzige, der sich Überlegungen zu Zukunft macht. Auf Initiative der IBWohlen haben die Waldenburger Ingenieure eine Studie unter dem Titel «Wasser 2035» in Arbeit.

Sie soll aufzeigen, wie der Wasserbedarf im Bünz- und Reusstal langfristig gesichert werden kann. Im Vordergrund steht dabei eine Ringleitung durch das Bünz- und das Reusstal.

An der Studie beteiligen sich über 20 Wasserversorgungen aus der Region, die Regionale Wasserversorgung Birrfeld (Rewa) sowie der Kanton Aargau. Auslöser für die Initiative der IBWohlen AG ist die Entwicklung der letzten Jahre.

Mehr und mehr wird während längeren Trockenperioden das Wasser im Bünz- und Reusstal knapp. Wohlen ist dabei in einer komfortablen Lage. Es bezieht seit über 50 Jahren einen grossen Teil seines Trinkwassers aus der ergiebigen Grundwasserfassung Lenzhard in Niederlenz.

Von der Transportleitung, die von Lenzburg nach Wohlen führt, profitieren inzwischen mehrere Gemeinden. Wohlen kann ihnen bei Wasserknappheit punktuell aushelfen. Auf die Dauer, so finden die IBWohlen, sei jedoch ein umfassenderer Ansatz gefragt, um die Wasserversorgung in den beiden Tälern langfristig zu sichern.

Von der Transportleitung nach Wohlen profitiert zurzeit auch Hägglingen. Laut Brunnenmeister Paul Huser sind die Erträge der Quellen auch am Maiengrün stark zurückgegangen. Zurzeit würden via Dottikon rund 100 m3 Wasser täglich von der IBWohlen bezogen.

In Wohlen selber gibt es keine Versorgungsprobleme, das riesige Grundwasservorkommen im Aaretal hat noch genügend Reserven. Urs Münger, Geschäftsleiter der IBW Technik AG, berichtet aber auch von einem drastischen Rückgang der Quellen am Lindenberg: «Die Erträge sind gegenüber der normalen Leistung um zwei Drittel gesunken», erklärt er.

Auch Münger mag sich nicht erinnern, dass die Trockenheit in der Region schon je so lange angehalten hat und die Erträge der Quellen wie jetzt über Monate kontinuierlich zurückgegangen sind.