Hermetschwil
Im Kinderheim herrscht eine Woche lang Zirkus-Stimmung

35 Knaben des Sonderschulheims St. Benedikt in Hermetschwil inszenieren mit dem Wunderplunder eine Show.

Timea Hunkeler
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Die Knaben aus dem Kinderheim St. Benedikt bringen die Clown-Nummer bei der Hauptprobe fehlerfrei über die Bühne.

Die Knaben aus dem Kinderheim St. Benedikt bringen die Clown-Nummer bei der Hauptprobe fehlerfrei über die Bühne.

Timea Hunkeler

Vier Clowns versuchen nacheinander, übermütig eine Hantel zu stemmen. Bei jedem Versuch ertönt spannungsvolle Hintergrundmusik. Ein Raunen geht durch die Menge. Einzig der kleine, alte Clown scheitert nicht beim Versuch, das Gewicht zu stemmen. Das Publikum bricht in lautes Gelächter aus. Es ist die Hauptprobe der Aufführung des Theaterzirkus Wunderplunder, der gerade beim Kinderheim St. Benedikt in Hermetschwil gastiert.

Die Clown-Nummer sitzt und die Zuschauer sind begeistert. «Die Kinder sind zwar ein wenig nervös, aber sie schlagen sich bis jetzt sehr gut», freut sich Rena Hauser, die unter anderem für die Tourneeplanung und die Übersichtsgruppe des Zirkus zuständig ist. Die Artisten setzen sich aus den 35 Knaben des Kinderheims, die sich in einer kritischen persönlichen und sozialen Lebenssituation befinden, sowie einigen Betreuern und Lehrpersonen zusammen.

Eigene Choreografie entwickelt

Kinderheim erzielt Gewinn

Trotz Umstellung auf einen 365-Tage-Betrieb, der nicht nur zeitlich aufwendiger ist, verzeichnete das Kinderheim St. Benedikt in Hermetschwil 2016 einen Gewinn von 451 298 Franken, wie aus dem aktuellen Jahresbericht hervorgeht. Damit konnte das Heim nicht ganz an den Erfolg vom letzten Jahr – 526 352 Franken Gewinn – anknüpfen. «Die Intensität der Betreuung der 36 Kinder und Jugendlichen im Schulalter hat deutlich zugenommen», erklärt Präsident Heinz Blatter. «Eine Arbeitsgruppe befasst sich mit der Erneuerung der Heimregeln.» Zudem sei bewusst entschieden worden, die Medienkompetenz der Bewohner des St. Benedikt zu fördern. (TiH)

Die Kinder und Jugendlichen im Alter von 10 bis 16 Jahren haben eine intensive Woche hinter sich. Viermal einen halben Tag lang wurde jeweils für die Aufführung, die gestern Freitag stattfand, geprobt. Um beim Zirkus Wunderplunder mitmachen zu können, seien keine Voraussetzungen nötig. «Jeder kann selbst entscheiden, was er machen will. Wir passen die Nummern den Kindern an», erklärt Hauser. Zuvor haben die Teilnehmer in einem Parcours Zirkusluft schnuppern und die verschiedenen Nummern kennen lernen können. Zudem seien die Choreografien nicht vorgeschrieben, sondern von den Kindern ausgedacht und unter Anleitung eines Wunderplunder-Teammitglieds einstudiert. «Das gehört zu unserem Konzept.

Aus diesem Grund gibt es auch eine grössere Gruppe, die eine Nummer mit Feuer aufführt. Diese war bei den Jungs sehr beliebt.» Bei den Proben habe es zudem oft unerwartete Wendungen gegeben. «Einige Jungs waren anfangs nicht begeistert von der Idee, in einem Zirkus mitzumachen. Nach den ersten Proben hat sich das aber geändert. Diese Entwicklung ist immer schön mit anzusehen», findet Gemma Hauser, die Leiterin der Feuer-Gruppe. Dass die Kinder und Jugendlichen aus dem Kinderheim bei der Zirkuswoche aus ihrer Komfortzone treten und teilweise über sich hinauswachsen, hat auch Michael Kunze beobachtet.

Der Schulteamleiter des Kinderheims ist vom Konzept des Zirkus überzeugt: «Es ist bereits das zweite Mal, dass das Heim diese Zirkuswoche durchführt. Wir haben immer sehr gute Erfahrungen damit gemacht.» Er sei vor allem von der Professionalität des Teams vom Mitmachzirkus beeindruckt. Auch den Lehrpersonen und Betreuern zollt er seinen Respekt. «Sie leisteten viele Sondereinsätze. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.»

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