Wohlen
In diese Werkstatt brachte der Schlossherr seine Pferde zum Beschlag

Rolf Schmid hat vor zehn Jahren die Schlosserei Küng und vormalige Schmitte Dubler übernommen – noch heute kommen Leute aus dem Dorf bei kleinen Reparaturen direkt zu ihm in die geschichtsträchtige Werkstatt.

Christian Breitschmid
Drucken
Zwischen Sägemehl und Eisenspänen
3 Bilder
Die Brüder Heinrich (links) und Walter Dubler waren die letzten Schmiede in Wohlen.
Der Charme ihrer Werkstatt hat sich bis heute gehalten.

Zwischen Sägemehl und Eisenspänen

Christian Breitschmid

Ältere Wohler erinnern sich noch gut an die Schmitte der Gebrüder Dubler an der Zentralstrasse 5. Das hintere Tor stand meist weit offen, und man konnte den zwei tüchtigen Handwerkern bei der Arbeit zuschauen. Vor allem auf Kinder wirkte dieser Ort wie ein Magnet. Was gab es Spannenderes, als Walter Dubler beim Beschlagen eines Pferdes zuzuschauen?

Bruder Heinrich hielt den Huf, während Walter das Eisen glühend erhitzte und dem Pferd mit ruhiger und fester Hand seine neuen «Schuhe» anpasste. Vielleicht hatte man Glück und einer der beiden fragte nach getaner Arbeit: «So Bueb, wotscht no es Hufiise?» Wer weiss, über wie vielen Wohler Türen infolge solcher Werkstattbesuche ein Dubler-Hufeisen als Glücksbringer hing?

«Mein Vater hatte den Ruf als bester Hufschmied des Freiamts», erzählt Walter Dubler junior, als einziges Kind seiner Eltern 1955 geboren, heute voller Stolz. «Er gehörte als Militärhufschmied natürlich schon zu einer Selektion der besten Berufsleute. Ausserdem hatte er ein Flair für Pferdeorthopädie. Er schaute bei jedem Pferd zuerst auf den Gang. Er hatte auch immer seine Hausmittelchen parat, mit denen er den Tieren helfen konnte.»

Doch die Dubler-Brüder beschlugen nicht nur sämtliche Pferde aus den Ställen der Wohler Hautevolee, etwa der Familien Pfister, Isler, Dreifuss, Bruggisser, Dubler oder Walser, auch der Schlossherr von Hilfikon brachte seine Tiere nach Wohlen zum Beschlag. Daneben waren Heinrich (Jhg. 1913), der gelernte Mechaniker, und Walter (Jhg. 1914), der vom Vater das Handwerk des Huf- und Wagenschmieds erlernt hatte, sehr gefragte Kutschenbauer. Ihre Leichenwagen verkauften sie in die ganze Schweiz. Auch ihre Brücken-, Jauche-, Vieh- und Leiterwagen fanden reissenden Absatz.

Solide, belastbare Arbeit

Als das Geschäft mit den Kutschen und Wagen immer mehr zurückging, verlegten die Brüder ihre Tätigkeit zunehmend in Richtung Bauschlosserei. So zeichneten sie für die gesamte Eisenkonstruktion des Wohler City-Hauses verantwortlich. Sie konstruierten die Geländer des Bünzmattschulhauses und machten die Metallarbeiten in den Garderoben der Badi. «Ihre Arbeit war von solider, belastbarer Qualität», sagt Walter Dubler junior, «und so haben ihre Werke die Besteller überlebt.»

Mit dem Wunsch, ihre Werkstatt in ebenso geschickte wie verlässliche Hände weiterzugeben, suchten die Dubler-Brüder 1990 nach einem Nachfolger. Ihre eigenen Kinder, Walter junior, der spätere Gemeindeammann von Wohlen, sowie Lisebeth und Peter, die Kinder von Heinrich Dubler, hatten andere Berufe gewählt. «Ich kann mich noch gut erinnern», sinniert Walter junior, «wie meinem Vater am Amboss einmal der Hammer wegflog, als er dabei war, ein Pferd zu beschlagen. Da hat er gesagt: ‹Jetzt höre ich auf›, und hat nie wieder ein Pferd beschlagen. Er war damals 741⁄2.»

Im Villmerger Schlosser und Metallbauer Rolf Küng fanden Dublers den geeigneten Mieter für ihre Werkstatt. So prangte denn ab 1990 das Schild der Küng AG auf dem hinteren Tor der altehrwürdigen Schmitte mit dem darüberliegenden Wohnhaus, die 1912 vom Vater der Dubler-Brüder, Heinrich Dubler, erbaut worden war.

Von Industrieauftrag bis Pfanne

Zuerst war der Betrieb in Wohlen einfach eine Filiale der Küng AG Villmergen. Doch als 2001 der junge Metallbauer Rolf Schmid in die Firma eintrat, begann auch für die Schmitte in Wohlen eine neue Zeitrechnung.

Schnell erkannte Schmid die Standortvorteile der Wohler Dependance: «Die Lage ist hier einfach glücklicher als in Villmergen. Sehr zentral und mit gutem Anschluss an Hauptverkehrswege und Bahn.» Während seiner Zeit als Angestellter von Josy und Rolf Küng machte Schmid seine Meisterprüfung im Fachbereich Metallbau.

So war er bestens gewappnet, als er sich, nach dem Tod der Vorbesitzer, um die Übernahme der Firma bemühte. Um seinen Vorgängern ein ehrendes Andenken zu bewahren, führte Schmid die Küng AG ab 2008 unter diesem Namen weiter. Allerdings verlegte er den Geschäftssitz nun ganz nach Wohlen.

Im Einmannbetrieb führt Schmid seit nunmehr zehn Jahren einerseits klassische Metallbauarbeiten aus, wie Handläufe, Geländer oder Fenstergitter, andererseits produziert er für Gemeinden, Industrie und Gewerbe auch Spezialanfertigungen, Blecharbeiten und Konstruktionen aller Art in Richtung Anlagenbau.

Daneben erfüllt er nach wie vor private Kundenwünsche, von grösseren Bauaufträgen bis hin zu Kleinstreparaturen: «Es kommt immer wieder mal vor, dass Leute aus dem Dorf direkt zu mir in die Werkstatt kommen. Die sind sich das halt so gewohnt von früher her. Vor kurzem war eine ältere Dame hier mit ihrer kaputten Pfanne. Da habe ich einfach schnell den Stiel wieder angeschraubt.»

Der kräftige Metallbauer steht nicht nur im Betrieb seinen Mann. Als ehemaliger Schwinger und OK-Präsident des Guggibad-Schwinget weiss er, wie er seine Energie verteilen muss: «Die Verletzungsgefahr beim Schwingen ist grösser, als hier in der Schlosserei. Ausserdem fehlt mir heute die Zeit zum Trainieren. Aber 2020 richtet der Schwingklub Freiamt zusammen mit dem Turnverein das Kantonale in Beinwil aus. Bis dahin will ich meine Arbeit als OK-Präsi noch machen. Das wird ein schöner Abschluss dann.»

Aktuelle Nachrichten