Investition in die Zukunft
Ein 56-Millionen-Projekt soll das Wohler Schulraumproblem lösen – bald entscheidet der Einwohnerrat darüber

Im März berät der Wohler Einwohnerrat über die Vorlage zum neuen Schulzentrum Halde. Der Kreditrahmen beträgt rund 56 Millionen Fr. Es wäre das grösste Infrastrukturprojekt in der Wohler Geschichte. Sagt der Rat Ja, stimmt das Volk am 13. Juni darüber ab.

Marc Ribolla
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So würde der Bezirksschulanbau Halde aussehen.

So würde der Bezirksschulanbau Halde aussehen.

Visualisierung: zvg

Im Umgang mit Superlativen sollte man gemeinhin vorsichtig sein. Im Falle des geplanten neuen Schulzentrums Halde in Wohlen ist dies aber angebracht. «Das Bauprojekt ist das grösste Infrastrukturprojekt in einem finanziellen Rahmen, den die Gemeinde Wohlen noch nie gesehen hat», sagt Ammann Arsène Perroud bei der Zoom-Präsentation am Donnerstag.

Am 22. März wird dieses vom Gemeinderat dem Einwohnerrat mit einem Kreditbegehren in der Höhe von 55,95 Millionen Franken vorgelegt. Darin enthalten sind prinzipiell fünf Projekte. Die Sanierung des Altbaus Primarschule, der Neubau Primarschule, die Sanierung und Aufstockung des Altbaus Bezirksschule, der Anbau Bezirksschule und die Sanierung des Wietlisbachschulhauses.

Bezirksschule wäre wieder an einem Standort vereint

Das Projekt soll das Problem des dringend benötigten Schulraums auf verschiedenen Stufen lösen und beispielsweise das bisherige Provisorium der Bezirksschule am Oberdorfweg überflüssig machen. Sie könnte wieder an einem Standort in der Halde vereint werden. Ebenso könnten die abbruchreifen Pavillons der Primarschule rückgebaut werden. Ammann Perroud erklärt:

«Es waren herausfordernde Bedingungen. Aber wir freuen uns, dass wir nun in die politische Genehmigungsphase gehen können.»

Dieser Phase ging ein langer politischer Weg voraus. Das vorliegende Projekt ist bereits Plan B. Schon vor sieben Jahren wollte der Gemeinderat das Schulareal Halde auf einer Fläche an der Pilatusstrasse erweitern. Den nötigen Landkauf über 5,2 Millionen schmetterte damals der Einwohnerrat ab und versenkte das Projekt. 2017 entschied sich der Rat dann, den ausgewiesenen Bedarf an zusätzlichem Schulraum auf dem Areal des Schulzentrums Halde zu realisieren. Dies kann nun verdichtet ohne zusätzlichen Landerwerb geschehen.

Der Lageplan des neuen Schulzentrums Halde.

Der Lageplan des neuen Schulzentrums Halde.

Bild: zvg

Aufteilung des Kostenvoranschlags (total 55,95 Mio.)

  • Primarschule Altbau, Rückbau Pavillon – 4'198'200 Fr.
  • Primarschule Neubau – 12'929'400 Fr.
  • Bezirksschule Altbau mit Aufstockung – 13'654'800 Fr.
  • Bezirksschule Ersatzanbau, Rückbau Turnhallentrakt – 9'946'800 Fr.
  • Wietlisbachschulhaus – 2'619'900 Fr.
  • Umgebung – 3'350'400 Fr.
  • Gemeinsames – 3'425'500 Fr.
  • Mobile Raumprovisorien – 3'825'000
  • Reserven – 2'000'000 Fr.

Der Altbau des Primarschulhauses aus den Jahren 1851/1854 wird äusserlich nicht verändert und bleibt «als sehr prägnantes Gebäude mit seiner klassizistischen Fassade erhalten», erklärt Gesamtprojektleiter Andreas Jauch. Im Innern wird unter anderem ein Lift eingebaut.

Die Ansicht des neuen Primarschulhauses Halde.

Die Ansicht des neuen Primarschulhauses Halde.

Visualisierung: zvg

Das Neubaugebäude der Primarschule ist wegen der leichten Hanglage mit versetzten Geschossebenen und einem einladenden Vordach geplant. Zentral ist ein Lichthof im Treppenhaus. Jauch sagt zur Architektur:

«Der Neubau sollte nicht so klobig und massig wirken in der Gesamtbetrachtung.»

Zurückgebaut wird die alte Bez-Turnhalle aus den 1940er-Jahren, an derer Stelle ein Teil des Bez-Neubaus kommt. Dieser passt sich mit klassischem Sichtbackstein dem historischen Ensemble an und beinhaltet Inputzimmer und Lernlandschaften. Der Bez-Hauptbau aus dem Jahr 1897/98 erhält ein neues Dachgeschoss, das für den Unterricht genutzt werden kann.

Das Wietlisbachschulhaus auf der anderen Strassenseite wird gesamtsaniert und wird zwei Geschosse für die schulergänzende Betreuung beinhalten. Andreas Jauch würdigt das Gesamtprojekt, das sehr auf nachhaltiges ökologisches Bauen ausgerichtet ist und sagt: «Wir haben versucht, jeden Quadratmeter auszunutzen. Es ist eine sehr gute Lösung. Der Landverbrauch ist gering und es ist absolut kein Luxus.»

«Überzeugung der Stimmbürger wird nicht einfach»

Dieser Meinung ist auch Gemeinderat Thomas Burkard als Ressortvorsteher Liegenschaften und Mitglied im Projektausschuss. Er sagt:

«Wir haben hier einen Wurf, hinter dem alle stehen können, auch die Denkmalpflege. Wir rechnen nicht mit Einsprachen.»

Nimmt die Kreditvorlage die Hürde im Einwohnerrat, wird am 13. Juni an der Urne das Volk darüber abstimmen. Angesichts der generell angespannten finanziellen Lage Wohlens ist dessen Zustimmung nicht zwingend garantiert. Burkard weiss darum auch: «Wir sind uns absolut bewusst, dass die Überzeugung der Stimmbürger nicht einfach wird.» Auch weil Infoveranstaltungen im Vorfeld wohl nicht durchführbar sind wegen der Pandemie. Ammann Perroud ist dennoch zuversichtlich: «Ich habe Vertrauen in den Stimmbürger. Denn die Bildung ist das wichtigste Gut.»

Genehmigen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger das Halde-Projekt, würde das Baugesuch im 3. Quartal 2021 aufgelegt und der Baubeginn wäre im 2. Quartal 2022 geplant. Die Bauarbeiten erfolgen in verschiedenen Phasen. Die neuen Primarschulgebäude könnten dann 2024 und die Bezirksschulgebäude 2026 bezogen werden.

So würde es im Innern des neuen Primarschulhauses aussehen mit dem Lichthof im Treppenhaus.

So würde es im Innern des neuen Primarschulhauses aussehen mit dem Lichthof im Treppenhaus.

Visualisierung: zvg

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