Während sich viele Kinder im Freiamt darauf freuen, in den nächsten beiden Wochen auszuschlafen, sind einige schon etwas nervös und können es kaum erwarten, am Montagmorgen aufzustehen. Denn dann beginnt mit den Sportferien auch das Skilager.

Bis es jedoch so weit ist, dass sie ihre Ski, Snowboards und Koffer in den Reisecar einladen können, muss viel Vorarbeit geleistet werden. Das weiss kaum einer besser als Raphael Lohri, der seit 19 Jahren als Hauptorganisator das Skilager der Primarschule Sins auf die Beine stellt. Mit 24 Schülerinnen und Schülern fahren er und sein Leiterteam am Montag auf die Lenzerheide – drei der Kinder bringen ihr Snowboard mit, die restlichen die Ski. «Früher waren wir in einem Skigebiet, das vier Stunden von Sins entfernt liegt. Seit 16 Jahren gehen wir nun nach Lenzerheide, dorthin ist es nur der halbe Weg.»

Ein Buch voller Kleinepisoden

Auch die Dauer der Sportwoche habe sich verkürzt. So bleiben die Freiämter nur vier Nächte in den Bergen. «Gerade für Kinder, die vom Heimweh gepackt werden, ist das ein Vorteil», erzählt Lohri. Er sei immer besonders stolz, wenn seine Schützlinge auf die Zähne beissen und trotz Heimweh das Lager bis zum Ende der Woche durchziehen.

Es sind kleine Episoden wie diese, die den Lehrer bis heute so erfreuen. «Ich könnte ein ganzes Buch darüber schreiben», lacht er. Einmal habe sogar Roger Federer mit seiner Familie im Pistenrestaurant ihres Lagerhauses zu Mittag gegessen und anschliessend für alle Schüler eine Karte signiert. Neben solchen Geschichten freut sich Lohri aber auch im Voraus auf die unterschiedlichen Konstellationen der Gruppe, die sich in jedem Jahr neu ergeben – von harmonisch bis sehr wild.

Beim Planen der Woche steht er aber auch immer wieder vor kleineren Problemen. Die Schüler fahren jeweils in ihrem Niveau entsprechenden Gruppen. Diese Einteilung sei einer der aufwendigsten organisatorischen Schritte: «Auf dem Anmeldetalon müssen die Kinder zwar ungefähr angeben, wie gut sie bereits fahren können. Doch gerade wenn man die Schüler nicht kennt, ist diese Einteilung schwierig.» Zusätzlich organisiert Raphael Lohri auch ein Programm, das neben der Piste stattfindet. An einem Nachmittag machen die Teilnehmer gemeinsam eine Schneeschuhwanderung, und am Mittwoch stehen ein Besuch im Hallenbad und das Bauen von Iglus auf dem Plan.

Viele freiwillige Leiter

Damit Lohri das alles organisieren kann, müssen gewisse Rahmenbedingungen eingehalten werden. Dazu gehöre viel Administratives: «Ich muss unser Lager zum Beispiel bei der Rega anmelden, der Car muss am Montag um 7 Uhr parat stehen und die Billetts müssen bis dahin auch organisiert sein», zählt er auf. Das Wichtigste aber sei, dass er schon früh den Vertrag für das Lagerhaus unterschreibe. «Hier haben wir den Luzernern und Zugern gegenüber den Vorteil, dass unsere Sportferien immer in den gleichen Januarwochen liegen.» Das mache das Organisieren der Unterkunft einfacher. «Dann brauche ich natürlich noch ein Leiterteam. Da habe ich aber eher ein Luxusproblem», freut sich Lohri. «Es melden sich in jedem Jahr so viele Freiwillige, dass ich noch nie Aussenstehende um Hilfe bitten musste.»

Kein Nachfolger für Lohri

Seine Aufgaben als Hauptorganisator macht Raphael Lohri auch nach so langer Zeit immer noch gerne, fühlt sich aber auch ein Stück weit dazu verpflichtet. Denn obwohl er immer genügend Leiter findet, gäbe es niemanden, der die Hauptorganisation übernehmen würde: «Ich habe Angst, dass meine Nachfolge nicht gesichert wäre.» Dazu komme, dass er von den Skilehrern der Einzige sei, der eine Leiterausbildung vom Verein für Jugend und Sport (J+S) für Ski absolviert habe. Das sei vor allem für das Budget wichtig, denn: «Das Geld vom Bundesamt für Sport fliesst nur, wenn Lehrer mit einer solchen J+S-Ausbildung dabei sind. In diesem Jahr begleiten uns zusätzlich zwei Junglehrerinnen mit einer J+S-Ausbildung für Snowboards», ist er froh.

Er ist jedes Jahr glücklich, wenn eine abenteuerliche Woche unfallfrei zu Ende geht. Doch während die Schüler von Sins sich von den Anstrengungen auf und neben der Piste erholen, legt Lohri noch lange nicht die Füsse hoch. «Nach dem Lager zeigen wir allen Schülern einen Lagerfilm. Und zwar nicht nur für diejenigen, die dabei waren: Der Film soll andere Kinder für eine Teilnahme am nächsten Lager begeistern.»