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Jungpianistin komponiert Klaviermusik mit Schlegeln und Stricknadeln

Musik ist die Leidenschaft von Jeannine Läuffer. Mit dem eigenen Flügel ging für sie ein grosser Traum in Erfüllung.

Musik ist die Leidenschaft von Jeannine Läuffer. Mit dem eigenen Flügel ging für sie ein grosser Traum in Erfüllung.

Jeannine Läuffer geht in ihren Kompositionen neue Wege und begeistert das Publikum. Mit Schlegeln und Stricknadeln kreiert die Jungpianistin Effekte, welche ihre Klänge am Klavier ergänzen. «Klaviermusik begeistert mich», sagt die Kantischülerin.

Fremd und ungewohnt klingt die neuste Komposition der erst siebzehnjährigen Jeannine Läuffer – für den ungeübten Zuhörer vielleicht sogar falsch. Mit Schlegeln und Stricknadeln kreiert die Jungpianistin Effekte, welche klanglich mit klassischen Kompositionen nicht verglichen werden können. «Klaviermusik begeistert mich – vor allem dann, wenn ich mit dem Gerät experimentieren und es für mich neu entdecken kann», sagt Jeannine zu ihrem speziellen Umgang mit dem Instrument.

Frühe Leidenschaft

Bereits seit neun Jahren spielt Jeannine Klavier, aber so richtig zur Leidenschaft entwickelte sich die Musik für sie erst vor gut zwei Jahren. Während sie vorher ihre Prioritäten auf den Sport setzte, beschäftigt sie sich seither in ihrer Freizeit fast ausschliesslich mit ihrem Instrument. «Obwohl ich in einer eigentlich sehr unmusikalischen Familie aufgewachsen bin, haben mich Melodien und Rhythmen schon immer fasziniert», sagt Jeannine zu den Anfängen ihrer Karriere.

Neben Klavier spielt sie auch Harfe und beschäftigt sich mit Gesang. Musikalische Vielfältigkeit ist Jeannine sehr wichtig: «Ich finde es toll, wenn man sich mit verschiedenen Mitteln klanglich ausdrücken kann, aber das Klavier ist trotzdem mein Favorit. Damit kann ich mich einfach am besten identifizieren.» Um ihrer Leidenschaft noch professioneller nachgehen zu können, hat die Kantonsschülerin auf ihren siebzehnten Geburtstag einen eigenen Flügel bekommen. Dieser steht jetzt in ihrem Zimmer und wird von allen Besuchern bewundert.

«Sermo Memoria Musarum»

Früher beschäftigte sich Jeannine ausschliesslich mit klassischer Musik – Chopin und Brahms sind ihre Lieblingskomponisten. Als sie im letzten Jahr jedoch damit begann, selbst Stücke zu schreiben, hat sich dies radikal geändert.

Durch ihre Teilnahme am «Young Composers Project» im Künstlerhaus Boswil hat sie Erfahrungen mit moderner und atonaler Musik gemacht. «Für mich war es ein völlig neues Erlebnis», sagt Jeannine. Schnell entwickelten sich die so fremd anmutenden Klänge zur Faszination und die Pianistin begann damit, vermehrt eigene Musik in diesem Stil zu komponieren.

Mit lateinischem Titel, aber zeitgemäss

Vor drei Wochen wurde ihr neustes Werk mit dem lateinischen Titel «Sermo Memoria Musarum» – auf Deutsch «Ein Zwiegespräch der Musen» – in Boswil uraufgeführt. Rund sechs Minuten dauert das für Oboe und Klavier komponierte Stück, welches trotz lateinischem Titel modern und zeitgemäss klingt.

Für ihre Komposition erhielt Jeannine fast ausschliesslich positive Rückmeldungen, was sie selbst jedoch sehr überraschte: «Die nicht vorhandene Harmonik und oftmals fast sphärischen Klänge werden vom Publikum häufig nicht geschätzt. Deshalb war das tolle Feedback natürlich eine grosse Erleichterung.» Dies ist das Erste von insgesamt fünf Stücken, welche Jeannine im Rahmen ihrer Maturarbeit komponiert.

Feste Zukunftspläne

Für Jeannine ist es klar, dass sie ihre Leidenschaft irgendwann zum Beruf machen will. In zwei Jahren wird sie die Kantonsschule abschliessen. Dann will sie auf jeden Fall ein Musikstudium beginnen, weiss allerdings noch nicht genau in welchem Bereich. Jeannine sagt zu ihrer beruflichen Zukunft: «Ich will unbedingt weiterhin selbst Klavier spielen, daneben aber auch komponieren. Ausserdem würde ich sehr gerne Schulmusik unterrichten – natürlich auch aus finanziellen Gründen.»

Schon jetzt gibt sie der fünfjährigen Nina regelmässig Klavierunterricht. «Das Unterrichten macht mir unglaublich viel Spass und Nina hat sehr viel Talent», sagt Jeannine über ihre Schülerin. Von ihrer Familie wird Jeannine bei ihrem Vorhaben, mit Musik Geld zu verdienen, voll unterstützt. Nur manchmal fordert ihre Mutter, sie solle doch neben ihrer eigenen modernen Musik, auch wieder einmal etwas Schönes spielen.

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