Niederwil

«Kafi Ford» mit Schnaps und «Schmitte»-Wurst: Bis zu sechstausend Gäste in fünf Tagen

Beatrice Kaufmann und Rolf Mäder im Keller der Mäder Landmaschinen AG: Über die Festtage lagern hier Bier und Mineralwasser statt Ersatzteile und Geräte.

Beatrice Kaufmann und Rolf Mäder im Keller der Mäder Landmaschinen AG: Über die Festtage lagern hier Bier und Mineralwasser statt Ersatzteile und Geräte.

Die «Schmitte» in Niederwil ist die grösste Freiämter Beiz – aber sie hat nur zwischen Weihnachten und Neujahr offen.

Es gibt sie seit einem halben Jahrhundert, die Schmitte-Beiz in Niederwil. Und sie hat sich in all den Jahren kaum verändert. Nach wie vor sitzen die Gäste auf einfachen Festbänken, seit Jahrzehnten gibt’s die legendäre, vom Dorfmetzger Peterhans hergestellte «Schmitte»-Wurst, den «Kafi Ford» mit Schnaps und Schlagrahm, die Cervelats gebraten oder kalt als Waldfest.

Grilliert wird nicht mit Gas, sondern mit Holzkohle in jener Ecke, in der früher die Esse stand. Der Rauchabzug von einst ist bis heute in Betrieb. Aber nur zwischen Weihnachten und Neujahr, wenn der Grillmeister an der Arbeit ist.

Die Schmitte ist die Beiz der Freiämter Olma

Fünf Tage im Jahr, immer vom 26. bis 30. Dezember ist die Schmitte-Beiz offen. In der übrigen Zeit werden in dieser grossen Halle Traktoren und andere Landmaschinen repariert. In dieser kurzen Zeit werden jeweils gegen 6000 Gäste bewirtet. So viele Leute besuchen alljährlich die Freiämter Olma, die grosse Landmaschinen-Ausstellung der Mäder Landmaschinen AG.

Und die «Schmitte» wird zur grössten Freiämter Beiz. Entsprechend hoch ist der Personalbedarf: «Ich bin praktisch das ganze Jahr über stets ein bisschen mit unserer Wirtschaft beschäftigt, damit auch genügend Helferinnen und Helfer bereitstehen, wenn es losgeht», sagt Beizerin Beatrice Kaufmann-Mäder. Zum Teil könne sie dabei auf eine seit Jahren bewährte Crew zählen, zum Teil brauche es aber auch immer wieder neue Leute.

«Ich finde es einfach grossartig, dass es jedes Jahr wieder klappt und ich aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis genügend Personal rekrutieren kann. Das ist keineswegs selbstverständlich und dafür bin ich sehr dankbar.»

«Das Internet schadet uns nicht, im Gegenteil»

Viel Arbeit gibt es vor, während und nach der Ausstellung auch für die 20-köpfige Belegschaft der Mäder AG: «Wir bauen zwei Wochen auf, betreiben eine Woche lang die Ausstellung und räumen eine Woche wieder auf. In dieser Zeit steht unser Betrieb hier in Niederwil still, eilige Reparaturen können jedoch in der Filiale im Birrhard erledigt werden», sagt Rolf Mäder, der das soeben 100 Jahre alt gewordene Unternehmen in der dritten Generation führt.

Die Niederwiler Olma ist exakt halb so alt. Lohnt sich im Zeitalter von Internet und Onlineshops eine solche Ausstellung überhaupt noch? «Ja», sagt Rolf Mäder, «klar läuft auch in unserem Bereich heute vieles über das Internet, wo auch wir mit einem Shop gut vertreten sind. Doch das Internet hat uns nicht geschadet. Im Gegenteil, ich bin der Überzeugung, es hat uns geholfen.»

Mäder, sagt der Chef weiter, gehöre schweizweit zu den führenden Anbietern von Occasions-Landmaschinen: «Bauern aus allen Landesteilen sehen unser Angebot online und kommen dann zwischen Weihnachten vorbei, um sich die Maschinen anzuschauen.

Der Bauer will sehen und fühlen, bevor er kauft.» Die Ausstellung sei zudem ein guter Werbeträger: «Wir sind auch dank ihr bekannt geworden und haben unseren guten Ruf als seriöser Anbieter und Servicedienstleister festigen können.» Mäder ist überzeugt, dass es die Ausstellung und damit die Schmitte-Beiz noch lange geben wird.

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Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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