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Kälteeinbruch: Diese Woche sind etliche Baustellen im Winterschlaf

Manche Bauarbeiter dürfen diese Tage wegen der Kälte zu Hause bleiben, aber nicht alle. Bauunternehmer Kurt Notter erklärt wieso, und Polier Stefan Wendel verrät, wie es sich diejenigen, welche dennoch schuften müssen, etwas bequemer einrichten.

Dominic Kobelt (Text und Bilder)
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Das Wasser im Schlauch ist gefroren: Kein Problem für die Bauarbeiter, nach ein paar kräftigen Tritten auf den Schlauch fliesst das Wasser wieder.
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Baustellen im Winterschlaf
Polier Stefan Wendel vor der Baustelle in Buttwil.

Das Wasser im Schlauch ist gefroren: Kein Problem für die Bauarbeiter, nach ein paar kräftigen Tritten auf den Schlauch fliesst das Wasser wieder.

Dominic Kobelt

Die Krane in Oberwil-Lieli stehen still. Eine weisse Decke liegt über den Backsteinmauern. Auch am Radweg zwischen Bremgarten und Wohlen wurde gestern nicht gearbeitet. Anders sieht es auf einer Baustelle in Buttwil aus: Hier entsteht eine neue Erschliessungsstrasse, das Team ist mit dem Aushub und dem sogenannten «einkoffern» – die Unterlage für den Strassenbelag erstellen – beschäftigt.

Kälte kann zu Bauschäden führen

Warum müssen manche Bauarbeiter in der Kälte arbeiten, während andere zu Hause an der Wärme bleiben dürfen? Kurt Notter vom Bauunternehmen Notter in Wohlen erklärt: «Im Tiefbau, wo an der Erdoberfläche oder darunter gearbeitet wird, sind die kalten Temperaturen nicht so ein Problem – es wird eher schwierig, wenn der Boden zu feucht und weich ist. Im Hochbau dagegen, also zum Beispiel wenn ein Gebäude erstellt wird, kann es zu Bauschäden kommen.»

So beim Betonieren: Obwohl dank chemischen Mitteln der Beton auch bei minus 3 Grad noch hart wird, würden Vereisungen an den Eisenarmierungen später zu Hohlräumen führen, wenn das Eis schmilzt. «Ausserdem fallen zusätzliche Arbeiten an, der Schnee muss aus den Schalungen geputzt werden. Nicht jeder Bauherr ist bereit, diesen Zusatzaufwand zu bezahlen», so Notter.

Aus all diesen Gründen habe man ab letztem Montag bis Ende der Woche auf verschiedenen Baustellen «schlecht Wetter» eingeführt. Will heissen: Die Bauarbeiter bleiben vorläufig zu Hause, wenn der Wetterbericht Besserung meldet, werden sie wieder aufgeboten. «Nur für die Lehrlinge ist das nicht erlaubt, deshalb füllen sie in dieser Zeit Arbeitsbücher aus oder arbeiten an Lehrobjekten.»

Aber auch im Tiefbau müssen manche Arbeiten verschoben werden, so am Radweg Bremgarten–Wohlen. Hier kommt auch ein Sicherheitsaspekt ins Spiel, denn wenn an einer befahrenen Strasse gearbeitet wird und es glatt werden könnte, sind die Arbeiter besonders gefährdet, dass es zu einem Unfall kommt.

Zudem nimmt man auch Rücksicht auf die Bauarbeiter: «Ab einer gewissen Kälte kann man es den Leuten nicht mehr zumuten, dabei ist auch entscheidend, ob eine Bise geht, denn dann wird es mühsam», erklärt Notter.

Kälte kann auch gut sein

Für eine Bauunternehmung sind die Schlechtwettertage eine unangenehme Situation, denn die verlorene Zeit muss wieder aufgeholt werden. «Im letzten Jahr mussten wir nie aussetzen», sagt Notter.

Auf der Baustelle in Buttwil ist man froh, dass die Bagger nicht still stehen: «Wir sind zwar gut im Zeitplan, aber ich möchte trotzdem nicht zu Hause hocken», sagt Stefan Wendel, eidgenössisch diplomierter Polier. «Wir trinken halt öfter einen Kaffee zwischendurch. Wenn man einen guten Gruppenzusammenhalt hat wie wir, dann spielt die Kälte nicht so eine Rolle», sagt er. Im Magazin neben der Baustelle können sich die Arbeiter aufwärmen, und dank einer Mikrowelle kommen sie einfach zu einer warmen Mahlzeit.

Die Minustemperaturen haben sogar gewisse Vorteile. Im hinteren Teil der Baustelle werden Rohre für eine Kanalisation verlegt. «Wenn die Erde hart ist, hat man nicht so schmutzige Schuhe», erklärt Wendel. «Und da, wo die Rohre sind, in drei bis vier Meter Tiefe, ist es etwas wärmer.»

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