Wohlen

Keano: Der Hund, der Kinder und Trüffel liebt

Der Lagotto-Romagnolo-Rüde Keano an seinem Arbeitsort in der Schulanlage Junkholz in Wohlen.

Schulsozialarbeiterin Irene Estermann kann bei ihrer Tätigkeit im Wohler Schulhaus Junkholz auch auf ihren vierbeinigen Begleiter zählen.

Sein Name ist Keano. Das ist hawaiianisch und heisst «der Coole». Und genau so wirkt der zweieinhalbjährige Rüde, wenn er mit Frauchen Irene Estermann durch die Gänge der Wohler Schulanlage Junkholz spaziert.

Keano ist ein Lagotto Romagnolo, ein italienischer Wasserhund, und trägt den Nachnamen: «dello Spirito del Bosco», was aus dem Italienischen übersetzt «Waldgeist» bedeutet. Wasser und Wald sind denn auch das, was der kleine Hund noch mehr liebt als das Schulhaus Junkholz und die Menschen, die dort ein und aus gehen:

«Keano ist eine richtige Wasserratte und schwimmt wie ein Fisch. Das ist Veranlagung. Lagotto Romagnolo wurden einst gezüchtet, um die von den Jägern geschossenen Enten aus dem Wasser zu holen», erklärt Irene Estermann. Heute wird die Rasse vor allem zur Trüffelsuche eingesetzt, und da wären wir wieder beim Waldgeist.

Am Wochenende bei einem Wettbewerb im Einsatz

Auch Keano liebt Trüffel. Er findet so viele, dass Irene Estermann sie nicht alle essen kann, sondern viele davon verschenkt. Am Wochenende kann der Hund sein Talent an einem sogenannten Raduno des Lagotto Clubs wieder unter Beweis stellen.

Die Veranstaltung besteht aus zwei Teilen: In Baden werden die Hunde an einer Ausstellung bezüglich ihrem Aussehen bewertet, in Wohlen müssen sie an einer Trüffel-Arbeitsprüfung zeigen, was sie können. Keano hat am Raduno in Krattingen vor einem Jahr die Kombination aus beiden Wettbewerben gewonnen und in der Arbeitsprüfung den zweiten Platz belegt.

Im Einsatz sehen kann man die Hunde heute Samstag, 21. September ab 16 Uhr bei der Wohler Waldhütte Chüestellihau im Rahmen eines Plausch-Trüffelwettkampfs. Bei diesem Speedtrüffeln treten jeweils zwei Hunde mit Führerin oder Führer im K.-o.-System gegeneinander an.

Ziel ist es dabei, in einer vorgegebenen Zeit in einem abgesteckten Waldstück so schnell wie möglich Trüffel auszugraben. Das schnellere Team kommt eine Runde weiter.

Am Montag hat Keano dann wieder einen ganz anderen Job. Er unterstützt Irene Estermann im Junkholz bei ihrer Arbeit als Schulsozialarbeiterin. Dass er das darf, ist nicht ganz selbstverständlich. Doch Schulleitung und Schulpflege hätten sich von Anfang an sehr aufgeschlossen gezeigt, erklärt Irene Estermann.

Gute Erfahrungen mit dem Schulprojekt «Beisst er?»

Zumal dort seit Jahren das Projekt «Beisst er?» läuft. Dabei erlernen alle 2.-Klässler ein Semester lang den korrekten Umgang mit einem Hund. Das Projekt hat einen starken präventiven Charakter, weil die Kinder lernen, sich zu kümmern, und dadurch der Klassengeist gestärkt wird. Hier kommt neben Keano für zwei Lektionen pro Woche mit Rusty auch ein zweiter Hund zum Einsatz.

Als Schulsozialarbeiterin ist Irene Estermann vorwiegend für Kinder, aber auch für Eltern und Lehrpersonen Ansprechperson bei verschiedensten sozialen Problem. Sie analysiert die jeweilige Situation im Gespräch und sucht mit den Betroffenen nach Lösungen.

«In der Schule Wohlen», sagt Estermann, «haben wir uns vor allem die Prävention auf die Fahne geschrieben. Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt darin, zu erreichen, dass es möglichst wenig zu Problemen kommt.

Als Beispiel nennt sie die Mobbing-Prävention: «Hier geht es darum, den Schülerinnen und Schülern aufzuzeigen, worauf sie achten und wie sie sich verhalten müssen, insbesondere auch im Netz.»

Keano ist für Irene Estermann ein Türöffner: «Er spiegelt mir die Kinder, wenn sie zu mir kommen. Weil er sehr sensibel ist, merkt er sofort, in welcher Gemütsverfassung eine Schülerin oder ein Schüler gerade ist, und entsprechend reagiert er. Ich wiederum kann dann diese Stimmung aufnehmen und finde so oft leichter den Zugang zu den jeweiligen Personen.»

Ihren Hund habe sie auch schon dazu eingesetzt, um bei verunsicherten Kindern das Selbstbewusstsein zu stärken: «Keano ist sehr lernfähig und beherrscht viele Kunststücke. Wenn ich ein Kind mit ihm Tricks einüben lasse und es diese dann mit Keano vor der Klasse vorführen darf, bringt das meistens die erwünschte positive Wirkung.»

Überhaupt, sagt Irene Estermann, trage ihr Hund allein durch seine Anwesenheit viel zum guten Klima im Schulhaus bei. Das würde ihr von Schülerinnen und Schülern, aber auch von Lehrpersonen und Schulleitung immer wieder bestätigt. «Keano», sagt sie, «bringt Ruhe und Fröhlichkeit hinein und zaubert mit seinem Hundecharme vielen ein Lächeln ins Gesicht.»

Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

Meistgesehen

Artboard 1