Besenbüren
Kein Dreck und Diebstahl: Fahrende hinterlassen guten Eindruck im Dorf

«Man sollte es doch auch sagen, wenn man positive Erfahrungen gemacht hat», sagt die Besenbürer Bäuerin Marie Huber. Deshalb hat sie im Besenbürer Lokalblatt niedergeschrieben, wie sie den Besuch von Fahrenden im Dorf erlebt hat.

Eddy Schambron
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Marie Huber hat gute Erfahrungen mit Fahrenden gemacht. es

Marie Huber hat gute Erfahrungen mit Fahrenden gemacht. es

Es habe viel zu reden gegeben, als sich die Fahrenden mit ihrer Wohnmobilkarawane einquartierten - «und das, nachdem kurz zuvor von genau solchen Leuten im Wallis ein Chaos angerichtet worden ist.» Ende Juli 2012 hatten Fahrende aus Deutschland und Frankreich auf einer Wiese in Collombey-Muraz illegal campiert und Exkremente und Abfallhaufen hinterlassen.

Das war in Besenbüren ganz anders. Zwar meldeten Einwohner ihr Unbehagen bei der Gemeindekanzlei, wo ihnen versichert wurde, dass alles recht zu und her gehen werde. «Wir Anwohner schauen gelassen zu, wie anderntags weitere Fahrzeuge platziert, wie Kinderspielzeug aufgestellt wird und nicht zuletzt, wie eine Kehrichtmulde angeliefert wird», schreibt Huber. Im Dorf habe man ihnen geraten, ja jeden Abend alles abzuschliessen und am Morgen die Hühner und Katzen zu zählen. Und im Dieselöltank jeden Morgen den Inhalt zu messen. «Bereits am zweiten Tag kommen zwei Männer zu uns und stellen sich vor. Wir trinken zusammen Kaffee und erzählen vom Dorfleben.» Die beiden waren aus Ravensburg in Deutschland, Vater und Sohn, zusammen mit weiteren Söhnen und ihren Familien. Und sie fragten, ob grössere Sachen zum Malen vorhanden seien.

Besuch im Haus

«Ein paar Tage später kommen die ersten Frauen zu uns an die Haustür und kaufen Gemüse, Eier und Suppenhühner», erinnert sich Marie Huber. Ob sie auch eine feine Wähe backen, Wäsche waschen und bügeln könne, natürlich alles gegen Bezahlung? «So haben wir täglich regen Besuch im Haus. Die Frauen erzählen auch von ihrem nicht leichten Alltag.» Das Herumziehen sei beschwerlicher, wenn man älter werde, und man mache es ihnen nicht überall leicht. Durch die Vorfälle im Wallis sei alles nochmals schwieriger geworden, denn man werfe alle Fahrende in einen Topf. Den Fahrenden in Besenbüren vertraute Marie Huber bald vollkommen. «Ihr Tagesablauf ist friedlich und stabil. Wir haben sie eingeladen, an den Dorfmarkt zu kommen, was sie auch taten. Im Nachbardorf haben einige Frauen am Lottomatch teilgenommen. In den umliegenden Läden haben sie eingekauft und für die Körperreinigung bei der Badi in Muri geduscht.»

Kehricht sauber entsorgt

Innert dreier Tage seien alle Leute und Fahrzeuge weg gewesen, in den Jura, nach Schwyz, St. Gallen oder Ravensburg. «Kein Unrat ist in der Wiese oder im Wald liegen geblieben. Der gut gefüllte Kehrichtcontainer ist Zeuge einer sauberen Gesellschaft geblieben», schliesst Marie Huber ihre Erfahrung mit den Fahrenden in Besenbüren.

Für ihren Text hat Marie Huber viel Anerkennung erhalten. «Offenbar haben auch andere die Fahrenden so wahrgenommen wie ich.» Jemand hat ihr nach dem Erscheinen des Artikels sogar ein Päckchen vor die Tür gelegt. «Es lag mir einfach am Herzen, diese positiven Erlebnisse niederzuschreiben.»

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