Pfarreizentrum Chappelehof. 52 Jahre lang gehörten die beiden Wörter zusammen, wurden häufig gemeinsam genannt und geschrieben. Jetzt jedoch zeichnet sich die Scheidung ab. Aus dem Pfarreizentrum Chappelehof soll das Begegnungszentrum Chappelehof werden.

Zumindest ist dies der Wunsch des Vereins St. Leonhard, wie dessen Präsident Paul Huwiler an der Generalversammlung berichtete. Man werde versuchen, das Wort Pfarreizentrum aus den Dokumenten zu entfernen. Und Huwiler sagte: «Der Begriff wird langsam einschlafen.» Dies darum, weil die Kirchgemeinde den Chappelehof zukünftig viel weniger intensiv benützen wird.

Nur noch 100 m2 will die Kirchgemeinde fix im Gebäude mieten. Dies entspricht zwei Räumen. Zusätzlich dazu kommen Kellerräume für Blauring, Jungwacht und den Samichlaus. Den bisherigen Pfarreisaal mietet die Kirchgemeinde zudem zukünftig nach Bedarf. Auch hier soll der Wortteil Pfarrei gestrichen werden.

Wichtige Fragen sind nun geklärt

Wer jetzt an das endgültige Zerwürfnis zwischen Kirchenpflege und Verein St. Leonhard denkt, sieht sich getäuscht. Es ist das Gegenteil davon. Der Befreiungsschlag im Zwist, der in den letzten Jahren immer wieder aufflackerte. Immer dann, wenn es um die Zukunft des Chappelehofs ging. Um die Frage, ob Sanierung oder Neubau. Um die Frage, wer sich wie stark finanziell beteiligen soll. Diese Fragen sind nun geklärt. Dank dem, dass man sich im letzten Jahr traf, sich zusammen an einen Tisch setze und diskutierte. Das Resultat dieser Mediation stellte Huwiler den Vereinsmitgliedern vor.

Man sei sich einig, dass der Chappelehof eine wichtige Institution sei. Ein Begegnungsort für Jung und Alt, für verschiedene Kulturen. «Und wir hängen beide am Chappelehof», sagte Huwiler.

Die Zukunft des Pfarreizentrums Chappelehof ist nach wie vor offen. Archiv/az

Die Zukunft des Pfarreizentrums Chappelehof ist nach wie vor offen. Archiv/az

Es sei die klare Meinung von Kirchgemeinde und Verein, dass der Entscheid, ob das Gebäude saniert wird und wie, Sache des Vereins sei.

Die Kirchgemeinde ist bereit, die Frage einer Abtretung des Grundstücks an den Verein zu prüfen. Zudem strebt der Verein eine rechtliche Entflechtung zur Kirchgemeinde an. Diese darf derzeit drei Vorstandsmitglieder im Verein stellen.

«Die Kirchgemeinde ist der Ansicht, dass der Verein die Finanzierung der Sanierung sicherstellen muss», berichtete Huwiler weiter. Wenn aber noch eine Finanzierungslücke bestehe, könne sich die Kirchgemeinde vorstellen, den Verein zu unterstützen.

Unsichere Finanzierung

«Die Kirchgemeinde ist nicht mehr der Fifty-Fifty-Partner von früher», hielt Huwiler nach der Auflistung fest. Und: «Wir sind heute am Punkt, an dem wir uns geeinigt haben. Jetzt möchten wir endlich in die Phase kommen, in der wir ein Stückchen vorwärtsgehen.» Für den Verein St. Leonhard stellt sich vor allem eine Frage: Wie will man die Sanierung ohne die Kirche finanzieren? War doch einst vorgesehen, dass sich die Kirchgemeinde mit rund 7 Mio. Franken beteiligt, sprich die Hälfte der Kosten übernimmt.

Investoren schliesst der Vorstand aus, da der Chappelehof kein Renditeobjekt sei, sondern für günstigen Wohnraum stehe und die Gemeinnützigkeit im Vordergrund sei. Daher hofft der Verein auf kleine und grosse Sponsoren und auf Personen, welche ein zinsloses Darlehen offerieren. Oder, wie es ein Votant während der Versammlung ausdrückte: «Wir hätten gern ein paar Millionen auf der Seite. Aber die haben wir nicht, die müssen wir erbetteln.»

Passend dazu bat Vorstandsmitglied Andrea Fuchs die anwesenden Medienvertreter, in ihrer Zeitung eine Box mit der IBAN-Nummer des Chappelehofs zu platzieren. «Wir können bereits jetzt eine Motivationsspritze brauchen», sagte Fuchs. Denn die eigentliche Suche nach Geldgebern lanciert der Verein erst nach Abschluss des Vorprojekts, wozu die Vereinsmitglieder am Dienstagabend einen Kredit von 170 000 Franken bewilligten. Dieses Geld braucht der Verein, um das Sanierungsprojekt aus dem Jahr 2012 zu überarbeiten und an die neuen Gegebenheiten anzupassen. So hat der Verein durch den teilweisen Rückzug der Kirchgemeinde mehr Platz, den es zu nutzen gilt oder der vermietet werden kann.

Nebst der Sanierung wurde an der Generalversammlung die Rechnung des letzten Jahres präsentiert. Diese schloss ab mit einem Gewinn von 8471 Franken.