Bremgarten

Keine Angst, wenn Sie doppelt sehen: In Bremgarten treffen sich die Zwillinge

Die Zwillingsschwestern Sabrina Vollenweider und Nadja Fässler gehen zum ersten Mal an ein Schweizerisches Zwillingstreffen, während Beatrice Lätt-Zoller und Hélène Feller (von links) erst ein Treffen von den 44 bisherigen verpasst haben.

Die Zwillingsschwestern Sabrina Vollenweider und Nadja Fässler gehen zum ersten Mal an ein Schweizerisches Zwillingstreffen, während Beatrice Lätt-Zoller und Hélène Feller (von links) erst ein Treffen von den 44 bisherigen verpasst haben.

Zwei Freiämter Schwesternpaare freuen sich besonders auf den Anlass. Sie betonen: «Einen Zwilling lässt man nie allein.»

«Krass, die sind genau gleich.» So tönt es, wenn Sabrina Vollenweider und Nadja Fässler mit dem Velo durch Bremgarten fahren. Und so könnte es auch am kommenden Wochenende in der Altstadt an der Reuss tönen. Wer dann durch das Städtchen schlendert und plötzlich alles doppelt sieht, dem spielen aber nicht etwa die Augen einen bösen Streich.

Nein, wer in den schmalen Gassen oder in den Schlauchbooten auf der Reuss auf einmal alle Menschen zweimal entdeckt, ist mitten in das 44. Treffen des schweizerischen Zwillingsvereins geraten.

Einmal im Jahr kommen Zwillingspaare aus dem ganzen Land zusammen, um ihre Einzigartigkeit zu feiern. In diesem Jahr werden sich rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Schale werfen – natürlich pro Paar die gleiche – und in Bremgarten zusammenkommen.

Nur ein einziges von 44 Zwillingstreffen verpasst

Auch Sabrina und Nadja werden in diesem Jahr dabei sein. Für die beiden eineiigen Zwillingsschwestern aus Zufikon ist es das erste Treffen dieser Art. «Wir finden beide cool, was der Verein an diesem Tag bietet», erzählen die 39-Jährigen.

Die Zwillinge Hélène Feller und Beatrice Lätt-Zoller gratulieren den beiden: «Ihr könnt euch freuen. Es wird auch nicht lange gehen, bis ihr im Verein seid.» Sie sprechen beide aus Erfahrung, denn für die 63-jährigen ist es bereits das 43. Treffen.

«Das ist immer unser Wochenende. Wir freuen uns bereits einen Monat zuvor darauf», erzählt Hélène und strahlt. Auch wenn sich die Schwestern auf den Moment freuen, wenn alle Zwillinge am Wochenende gemeinsam durch Bremgarten gehen und das Publikum begeistern: Zwilling sein ist viel mehr als bloss gleich auszusehen.

«Zwilling zu sein ist einzigartig. Man kann es nicht studieren oder kaufen», so Beatrice. «Es ist das Grösste überhaupt», pflichtet ihre Schwester ihr bei und Sabrina und Nadja bestätigen: «Man hat immer eine Freundin an seiner Seite. Man ist nie allein.»

Dass die Zwillinge immer zu zweit unterwegs sind, mussten auch ihre Ehemänner zuerst lernen. Nadja erzählt: «Früher haben wir beide in Oberlunkhofen gelebt. Sabrina ist dann mit ihrem Mann nach Zufikon gezogen.» Als dann auch bei Nadja und ihrem Partner ein Umzug anstand, war für die Schwestern klar, wohin: «Das war die Bedingung an meinen Mann: Wir ziehen ebenfalls nach Zufikon.»

Die Schwestern lachen und Sabrina erzählt weiter: «Nadjas Mann hat dann tatsächlich eine Wohnung direkt gegenüber von meiner gefunden.»

Eine Situation, die Beatrice und Hélène nur zu gut nachvollziehen können. «Auch unsere Männer wissen: Einen Zwilling lässt man nie allein.» Keine der beiden Zwillingspaare leben heute noch Tür an Tür, trotzdem stehen sie sich sehr nahe. «Wir sehen uns jeden Tag und wenn nicht, dann telefonieren wir über Facetime», erzählt Sabrina.

Gleiche Interessen und gleicher Beruf

Die Schwestern aus Zufikon teilen sich nicht nur den Wohnort, sondern auch den Beruf – und das seit der Schule. Gleich nach der Oberstufe haben sie beide ein Jahr im Welschland als Au-pair verbracht. Danach haben sie die Kaufmännische Lehre absolviert und heute arbeiten sie in einer Spielgruppe.

«Zum Glück in der gleichen, dann können wir gegenseitig auf unsere Kinder aufpassen, wenn eine von uns arbeiten muss.» Dass heute auch ihre Ehemänner beide als Postautochauffeure arbeiten, hätten sie jedoch nicht geplant, betonen die beiden lachend.

Auch Hélène und Beatrice waren nach der Schule beide ein Jahr im Welschen bei einer Familie und bei der Berufswahl interessierten sich beide für ein kreatives Handwerk. «Ich habe mich dann für eine Lehre als Coiffeuse entscheiden», erzählt Beatrice, «und ich habe Handbuchbinderin gelernt», beendet Hélène den Satz.

Auch wenn beide Zwillingspaare viele Klischees erfüllen, Streiche wie man sie vom doppelten Lottchen kennt, haben sie eher selten gespielt. «Dafür waren wir viel zu schüchtern» geben Sabrina und Nadja zu. Hélène erinnert sich vor allem an eine Geschichte von ihrem Examen:

«Beatrice hat ein Muttermal im Gesicht. Meine Mutter hat mir damals das gleiche aufgemalt und dann haben wir immer auf beide Namen gehört.» Beim Gedanken daran, wie verwirrt ihr Lehrer damals war, müssen die beiden Schwestern noch heute herzhaft lachen.

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