Wohlen
Kommunikations-Beraterin gibt Einblicke in die Kunst der Vermittlung

Am Wirtschaftstreffen in Wohlen führte die renommierte Kommunikationsexpertin Beatrice Tschanz vor, was gute Kommunikation ausmacht und erklärte dies mit interessanten Anekdoten aus ihrem Berufsleben.

Dominic Kobelt
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Beatrice Tschanz erzählte am Wohler Wirtschaftstreffen aus ihrer Berufserfahrung und gab den Zuhörern wertvolle Tipps. kob

Beatrice Tschanz erzählte am Wohler Wirtschaftstreffen aus ihrer Berufserfahrung und gab den Zuhörern wertvolle Tipps. kob

«Oswald Grübel hatte das Auftreten einer Schildkröte, und man hat ihm trotzdem zugehört.» Das sagt eine, die es wissen muss: Beatrice Tschanz ist Kommunikationsberaterin und hat schon viele schwierige Situationen gemeistert. Internationale Bekanntheit hat sie nach dem Absturz einer MD11 in Halifax erlangt; sie war damals Leiterin der Kommunikation bei der Swissair.

Tschanz hat am Wohler Wirtschaftstreffen zum Thema «Gute Kommunikation ist keine Kunst» referiert und wollte den Zuhörern mit dem Beispiel Oswald Grübel eines klarmachen: «Darstellung wird heute manchmal mehr gewertet als der Inhalt, aber das ist falsch: Hauptsache, Sie sind sich selbst.» Der Inhalt sei so entscheidend, weil er sich auf die Glaubwürdigkeit auswirke, und die sei das höchste Gut. «Sie lügen nur zwei Mal. Das erste und das letzte Mal.»

Echt schweizerischer Kompromiss

Interessantes wusste Tschanz auch aus ihrem Berufsalltag zu berichten. So hatte sie Sulzer Medica beraten, als sich die Firma mit verschmutzten Hüftgelenken konfrontiert sah und mit millionenschweren Klagen in den USA rechnen musste.

«Erst mal habe ich mich informiert, wie viele Gelenke betroffen waren. Ich überzeugte dann die Verantwortlichen, diese Zahl publik zu machen und auch von entsprechend vielen potenziellen Patienten auszugehen.» Laut Beatrice Tschanz habe das einige Überzeugungsarbeit erfordert, gross war die Angst vor einem Einbruch des Aktienkurses. «Es ist aber besser, reinen Tisch zu machen als jeden Tag wieder von weiteren betroffenen Patienten zu sprechen.»

Bei den Klagen in den USA hatte das Unternehmen Glück, dass die Richterin ein Gehör für Tschanz hatte. «In den Staaten ist es so, dass diejenigen Kläger mit einem guten Anwalt meistens mehr bekommen. Ich habe die Richterin überzeugt, dass es nur fair ist, wenn alle gleich viel Geld erhalten.» Schliesslich zahlte das Unternehmen allen betroffenen Patienten 260 000 Dollar Schadenersatz plus eine erneute Operation. «Eine echt schweizerische Lösung», habe die Richterin gesagt.

Kommunikation ist Handwerk

Tschanz machte aber auch klar, dass der Wert der Kommunikation zwar hoch sei, aber häufig überschätzt würde: «Es ist keine Wunderdroge, sondern ein Handwerk. Man kann damit keine Fakten aus der Welt schaffen.» Manche Firmen würden den Fehler machen, dass sie in schwierigen Situationen versuchten, Zeit zu schinden. «Schweigen müssen Sie sich aber leisten können.» Oft sehe man auch eine Verteidigungshaltung. «Man will seine Schokoladenseite präsentieren. Das funktioniert in einer Krise aber nicht.»

Tschanz brachte das Erfolgsrezept auf einen einfachen Nenner: «Offen, ehrlich und transparent kommunizieren.» Das hat die Kommunikationsexpertin in ihrem Vortrag auch vorgelebt und dafür lobende Worte von den Zuhörern erhalten.

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