Wohlen

Krav-Maga-Training nur ohne Vorstrafe – doch der Trainer selbst wurde wegen einer Tätlichkeit verurteilt

Ramon Pfister beim Aufwärmen fürs Krav Maga.

Ramon Pfister beim Aufwärmen fürs Krav Maga.

Krav-Maga-Trainer Ramon Pfister nimmt keine Leute mit Verbrechen im Vorstrafenregister in seinen Trainings in Wohlen und Aarau auf. Nach dem Artikel über ihn erhielt die AZ aber Akten über seine eigene Verurteilung wegen Tätlichkeit. Er nimmt offen Stellung dazu.

Vor einer Woche schrieb die «Aargauer Zeitung» über Ramon Pfister als den Mann, der seinen Traum wahr gemacht hat und jetzt Krav-Maga-Kurse gibt. Unterdessen liegen dieser Zeitung Akten vor, die zeigen, dass der 45-Jährige, der seit 18 Jahren für Polizei und Sicherheitsfirmen tätig ist, wegen Tätlichkeit verurteilt wurde. 2016 habe er einen Jugendlichen auf dem Oberstufenareal Stetten angegriffen.

Laut Akte war Pfister, damals Jugendsachbearbeiter bei der Regionalpolizei Rohrdorferberg, mit dem Velo unterwegs zur Arbeit. Ohne Uniform und Dienstausweis. Pfister habe gesehen, wie der Jugendliche einen Joint baute, ihn angesprochen und kontrolliert. Er sei davon ausgegangen, dass man ihn auch ohne Uniform erkenne, da er sich in der Schule in Uniform vorgestellt hatte. Der Jugendliche wollte ihm seinen Rucksack nicht geben, da er in ihm einen Fremden sah. Es kam zum Handgemenge.

Wörtlich steht im Strafbefehl: «Gemäss Aussagen des Privatklägers geriet er dabei kurzzeitig ‹schwitzkastenähnlich› unter den Arm des Beschuldigten und erlitt dabei einen Schlag in die Bauchgegend, worauf er gegen ein Geländer fiel.» Vier Jugendliche bestätigten die Aussage des Klägers. So wurde Pfister am 3. Juli 2018 zu einer Busse von 800 Franken plus Strafbefehlsgebühr von 700 Franken verurteilt.

«Meine Aussage hatte keine Chance»

Auf Anfrage stellt Ramon Pfister mehrere Punkte klar. «Der Jugendliche war polizeilich bekannt, weil er oft in einer Gruppe war, die im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln stand. Bei ihm hatte man immer nur Utensilien und Marihuana-Reste gefunden. Ich sah ihn, wie er im Begriff war, einen Joint zu drehen. Darum wollte ich ihn kontrollieren.»

Der Jugendliche habe ihn sehr wohl erkannt und sich dennoch zur Wehr gesetzt. «Nach Ansprache und Aufforderung, mir das Material herauszugeben, verweigerte er dies, was zum Handgemenge führte. Ich hielt ihn an der Jacke und griff nach der Dose, in der ich Marihuana vermutete. Ich hätte ihn aber nie in den Schwitzkasten genommen oder geschlagen. Ausserdem hat er ausgesagt, er sei durch die Luft ans Treppengeländer geflogen. Das ist vom Ablauf her völlig unlogisch. Wie kann jemand durch die Luft fliegen, wenn ich ihn festhalte? Zweitens hätte ich als Kampfsportler andere Möglichkeiten gehabt, aber das war gar nicht nötig.»

Später auf dem Polizeiposten habe der Jugendliche klar gezeigt, dass er Pfister erkannt hatte. «Bei der Anklage wollte er davon nichts mehr wissen. Zudem sagten seine Freunde für ihn aus», stellt Pfister seine Sicht der Dinge klar. «Ich habe akzeptiert, dass meine Aussage gegen die von fünf Jugendlichen keine Chance hatte. Darum akzeptierte ich auch die Verurteilung und zog meine Einsprache zurück.»

«Ich will in meinem Training keine Feinde ausbilden»

Zum Punkt, dass er in seinen Trainings keine Leute mit Verbrechen oder Vergehen im Strafregister zulässt, selber aber wegen Tätlichkeit verurteilt worden ist, sagt er: «Eine Tätlichkeit ist weder ein Verbrechen noch ein Vergehen. Festhalten, schupsen, jemanden anspucken, das sind Tätlichkeiten.

Hätte ich ihn richtig geschlagen, wäre ich wegen leichter Körperverletzung verurteilt worden. Es hat auch keinen Strafregistereintrag zur Folge. Daher würde ich, auch wenn ich einen Strafregisterauszug verlangen würde, eine Tätlichkeit nicht feststellen können. Mir ist es wichtig, dass ich in meinem Training keine Feinde ausbilde. Darum gilt diese Regel.»

Vor gut einem Jahr hat Ramon Pfister die Regionalpolizei Rohrdorferberg verlassen, um seine Krav-Maga-Kurse aufzubauen. «Das hatte nichts mit dieser Sache zu tun», ist ihm wichtig. Seit Juli 2020 ist er nun wieder bei einer Regionalpolizei im Raum Aarau tätig. Er betont: «Hätte ich Vorstrafen, wäre für mich eine Anstellung bei der Polizei gar nicht mehr möglich.»

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