Bremgarten

Leidenschaft Berge: Die Hochzeitsreise ging aufs Matterhorn

1959: Fritz und Susi Knöpfel bestiegen auf ihrer Hochzeitsreise erst das Matterhorn, wo dieses Foto entstand, und danach drei weitere 4000er.

1959: Fritz und Susi Knöpfel bestiegen auf ihrer Hochzeitsreise erst das Matterhorn, wo dieses Foto entstand, und danach drei weitere 4000er.

Der Bremgarter Fritz Knöpfel (85) wurde für 65 Jahre im SAC geehrt – seine Frau Susi (84) war fast immer mit ihm z’Berg.

Die Berge waren schon immer seine Leidenschaft. Dabei war Fritz Knöpfel, der in Bremgarten geboren wurde und noch heute hier wohnt, ein Bub aus dem Mittelland. Auch seine Eltern waren keine Berggänger. Nein, seine Faszination für die Alpen ist in ihm von ganz alleine gewachsen. «Ich war im Turnverein, und jedes Jahr gab es eine Bergturnfahrt, zum Beispiel auf den Düssistock», erinnert sich der 85-jährige pensionierte Elektrotechniker. «Da habe ich gemerkt, wie sehr mir doch diese Berge gefallen.» Damals war er noch ein Teenager. Doch schon 1953 hat er sich bei der Sektion Lindenberg des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) angemeldet und wurde auch aufgenommen. Das war vor 65 Jahren. Heute ist er Ehrenmitglied – und hat die tollsten Geschichten zu erzählen.

Vier 4000er zur Hochzeit

Auch seine Frau Susi war nicht von Haus aus Berggängerin. «Das habe ich von ihm», erzählt sie, während ihre getigerte Katze auf ihrem Schoss wohlig schnurrt. Susi Knöpfel kommt ursprünglich ebenfalls aus dem Reussstädtchen, wohnte in ihrer Kindheit aber in Villmergen und kam erst als Jugendliche zurück nach Bremgarten. «Dort, über die Gasse, haben wir uns kennen gelernt. Da hat er mich einfach in die Berge mitgenommen», erzählt sie. Lachend ergänzt ihr Mann: «Aber wir haben ihr von Anfang an gesagt, ihren Rucksack und die Ski müsse sie dann also selber tragen.»

2018: Fritz und Susi Knöpfel sitzen in ihrem Bremgarter Wohnzimmer und erzählen gerne von ihren unzähligen Bergtouren.

2018: Fritz und Susi Knöpfel sitzen in ihrem Bremgarter Wohnzimmer und erzählen gerne von ihren unzähligen Bergtouren.

So verbrachte das Paar bereits als 17- oder 18-Jährige eine Winterwoche allein auf der Monte-Rosa-Hütte. «Wir hatten riesige Rucksäcke dabei, die Vierpfünder-Brote banden wir aussen dran», weiss Fritz Knöpfel noch. Und sogar ihre Hochzeitsreise 1959 verbrachten sie z’Berg. «Wir legten die Hochzeit extra auf ein Datum, das günstig war für die Besteigung des Matterhorns», berichten sie in Erinnerungen versunken.

Am 22. August fand die Hochzeit statt, und schon am nächsten Tag fuhren sie los über den Grimsel nach Niklausen, wo sie ihr Zelt aufstellten und zur Hörnlihütte aufbrachen. «Ich hatte schon vom dortigen Hüttenwart gehört und extra eine Flasche Cognac mitgebracht», erzählt Fritz Knöpfel schmunzelnd. «Er hat uns dann sogar sein eigenes Zimmer angeboten und uns am Morgen zum Frühstück geweckt.» So stieg das frisch vermählte Paar aufs Matterhorn – es war ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Innert 14 Tagen folgten mit dem Dom, dem Weissmies und dem Laquinhorn drei weitere 4000er. «Es war eine wunderbare Hochzeitsreise», bestätigt Susi Knöpfel.

Frauen waren gern gesehen

Dass Knöpfels für solche Touren nie einen Bergführer brauchten, hing mit Fritz’ Armeezeit zusammen. «Nach der Rekrutenschule konnte ich die Gebirgskurse und das Hochgebirgsabzeichen machen und wurde später sogar Klassenlehrer in den Gebirgskursen.» Frauen waren zu Beginn im SAC noch nicht erlaubt, aber auf seine Touren hat er gern Frauen mitgenommen. «Man hat mich anfangs belächelt und gesagt, ich gehe wieder mit dem Kindergarten auf Bergtour. Aber eigentlich hatte sie jeder gern dabei», erzählt er.

Susi Knöpfel war ursprünglich Mitglied im Frauen-Alpen-Club Zürich, weil sie dadurch Vergünstigungen in den SAC-Hütten bekam. «Aber als wir verheiratet waren, trat ich aus, da bekam ich die Reduktion durch meinen Mann.» Selber wollte sie nie in den SAC. «Diese wöchentlichen Zusammenkünfte waren seine Sache, ich fand, er soll ruhig auch etwas haben, wo ich nicht dabei bin.»

Salbithütte – die zweite Heimat

1962 trat der alte Tourenchef des SAC Lindenberg zurück. «Der Vorstand wählte mich zu seinem Nachfolger. Fortan war ich also für das Tourenprogramm verantwortlich.» 18 Jahre lang tat er das. «Es stimmt schon: Alles, was ich gemacht habe, habe ich lange gemacht. Ich war auch 46 Jahre beim gleichen Arbeitgeber und 35 Jahre in der Feuerwehr», erzählt er lachend. Als nach 18 Jahren ein anderer militärisch gut ausgebildeter Tourenleiter zum SAC kam, gab er seinen Posten gerne weiter.

Mittlerweile hatte er bei verschiedenen Bauvorhaben der Salbithütte im Urnerland, der SAC-Hütte der Sektion, in der Baukommission mitgearbeitet und auch persönlich Hand angelegt. Als 1986 ein neuer Hüttenchef – nicht Hüttenwart – gesucht wurde, übernahm Knöpfel diesen Posten gern. Diese Aufgabe führte er 16 Jahre lang aus. So wurde die Salbithütte zu seinem zweiten Daheim. «Auf der Salbitnadel oben haben wir uns seinerzeit auch verlobt», erzählt er. «Zum Abschied schenkte mir der bisherige Hüttenwart letzten September einen Helikopterflug zur Salbitbrücke. Das war ein schönes Erlebnis.» Dummerweise stürzte am selben Tag ein Armeehelikopter im Gotthardgebiet ab – «meine Tochter hatte sich schon Sorgen gemacht, es könnte mein Helikopter gewesen sein».

Verletzter auf dem Dachträger

Von seinen Touren hat das Paar viele lustige und spannende, aber auch traurige Geschichten zu erzählen. Sie waren dabei, als ein Bergfreund in den Tod stürzte. Aber sie konnten auch erste Hilfe leisten: Bei der Abfahrt von der Rotondo-Hütte brach sich ein Kollege das Bein, also holte Fritz Knöpfel den Rettungsschlitten aus der Hütte und brachte den Verletzten hinunter nach Realp. «Dort wartete unser VW Käfer mit Dachträger. Also schnallten wir den Verletzten samt Rettungsschlitten aufs Dach und fuhren ganz langsam und vorsichtig hinunter nach Andermatt ins Spital. Dort wurden wir sogar gelobt, dass wir das Bein so gut geschient hätten», berichtet der Pensionär. Auf den Gran Paradiso haben sie einmal die Post aus dem Dorf mit hinaufgebracht. «Man musste sich damals vorher per Brief oben anmelden. Aber das hat bei uns nichts genützt, denn unsere Anmeldung war in dem Stapel Post, den wir mit hinauf nahmen.»

Als Susi Knöpfel krankheitsbedingt keine Bergtouren mehr machen konnte, kaufte sich das Paar in den 90er-Jahren einen Wohnwagen, mit dem sie durch ganz Europa reisten. «Wir waren neunmal in Norwegen, sechsmal am Nordkap, zweimal in Schottland und auch in Irland, Tschechien, Finnland, Spanien und so weiter», zählt Susi Knöpfel auf. «Heute geht das mit meinen Beinen nicht mehr. Aber man soll nicht daran denken, was man nicht mehr kann, sondern daran, was noch geht. Ich finde, wir haben wirklich nichts versäumt.» So sieht es auch Fritz Knöpfel.

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