Sie haben mit Sandro Müller zwar einen Chef, aber das Sagen haben alle. Brässkalation, die junge zehnköpfige Freiämter Band, lebt von der Gemeinschaft und vom Teamgeist. Was gespielt wird und wie es gespielt wird, bestimmt nicht einer allein. «Logisch gibt vorab jener Musiker den Ton an, der das Arrangement bringt. Aber bis das Gesamtkunstwerk letztlich bühnentauglich ist, fliessen meist von allen ein paar Anregungen ein», erklärt Müller.

Vielleicht das Grundrezept dafür, dass Brässkalation so verdammt geil tönt. Egal, ob die neun Musiker zusammen mit ihrem Schlagzeuger Stevie Wonders «Sir Duke» mit dem prägnanten Bläsersatz intonieren, Trompeten, Posaunen, Bass und Saxofone die Gitarrenriffs von «I want you back» der Jackson Five imitieren oder Patent Ochsners legendäre «Venus», das bluesige «Just a Closer» und den rappigen «Thrift Shop» intonieren – es macht stets ganz gewaltig Musik und reisst das Publikum von den Sitzen.

Miteinander aufgewachsen

Vielleicht liegt der tolle Sound auch daran, dass die meisten Mitglieder der Band musikalisch gemeinsam gross geworden sind: «Sieben von uns haben zusammen in den Jugendblasorchestern Brass Hoppers und Crazy Hoppers von Musiklehrer Hansruedi Probst gespielt. Als wir der Musikschule entwachsen waren, haben wir beschlossen, selber etwas zu machen», erzählt der Bandleader. Ziel der Formation sei es, auf einem professionellen Niveau coole Konzerte zu geben und gemeinsam Spass zu haben.

Den haben sie mittlerweile seit vier Jahren und sich bereits einen sehr guten Ruf erarbeitet. 2017 beispielsweise wurden sie in der Ostschweiz zur besten Schweizer Street Band gekürt. Am damaligen Contest in Weinfelden traten zwar lediglich drei Formationen gegeneinander an, in der Vorqualifikation hatten die Freiämter allerdings bereits rund fünf Dutzend Mitbewerber hinter sich gelassen.

Coverversionen im Bläsersound

Musikalisch sind die zehn Jungs ziemlich breit orientiert. Sie könnten es sich einfach machen und sich auf alte Jazz- und Swingnummern konzentrieren. Dazu gäbe es zumeist auch fertige Arrangements. Doch Brässkalation hat einen anderen Weg eingeschlagen: «Wir suchen Melodien aus, die uns gefallen, und arrangieren sie unseren instrumentalen Möglichkeiten entsprechend. Was entsteht, sind Coverversionen, die den Charakter des ursprünglichen Stücks zwar nicht verfälschen, aber dennoch ganz speziell tönen», erklären die Musiker.

Brässkalation spielt ohne Noten und meist ohne Verstärker. «Das macht uns sehr flexibel, und so ist es auch einfacher, Showelemente einzufügen», sagt Sandro Müller. Anderseits verlange diese Spielweise von allen Mitglieder auch äusserste Konzentration und sehr viel Disziplin: «Man muss jeden Ton so bringen, wie man ihn eingeübt hat, sonst stimmt das Gesamt-Arrangement nicht mehr. Improvisieren liegt lediglich in den Solos drin.»

Wer sich bei einem Auftritt nicht hinter Noten verstecken muss, kann besser auf das Publikum eingehen. Das ist denn auch eine Spezialität von Brässkalation – die Band bringt den Sound stets sofort über den Bühnenrand. Die Musikalität und Spielfreude der zehn Jungs trägt weiter dazu bei, dass der berühmte Funke meist nach wenigen Sekunden springt.

«Schauen, wer wegen uns kommt»

«Wir haben in den vergangenen vier Jahren rund 70 Gigs gespielt. Unsere Auftritte waren dabei stets in irgendeinen Anlass eingebettet. Die Leute waren also nicht wegen uns da, sondern wir wegen ihnen. Jetzt wollen wir das Ganze mal umkehren und an unserem ersten Konzert schauen, ob auch jemand nur wegen uns an einen Anlass kommt», begründet Sandro Müller das Konzert vom Samstag, 9. März, im Boswiler Chillout.

Das sei schon was, so ein eigenes Konzert, erklären die übrigen Bandmitglieder: «Wir müssen alles selber machen: Werbung, Einladungen, Vorverkauf, Abendkasse – hoffentlich klappt alles.» Und man sei natürlich sehr gespannt, ob man schon so viele Fans habe, dass der Laden so richtig schön voll werde. Wetten, dass?