Wohlen
Malen, backen, putzen statt Unterricht: «Alles, was man zu Hause auch machen würde»

Weil der reguläre Schulunterricht ausfällt, müssen die Schulen für die Kinder ein Betreuungsangebot anbieten. Im Freiamt klappt das gut.

Marc Ribolla
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Die Zweitklässlerinnen Eloa (links) und Emma vertreiben sich die Zeit mit Malen.

Die Zweitklässlerinnen Eloa (links) und Emma vertreiben sich die Zeit mit Malen.

Marc Ribolla

Ein perfekter Frühlingstag, doch der Pausenplatz des Wohler Primarschulhauses Halde ist total verwaist. Wo sich im Normalfall rund 400 Kinder in den Pausen tummeln, herrschte am Montagnachmittag gähnende Leere. Wegen der Corona-Virus-Pandemie ist der Schulunterricht mindestens bis Anfang April ausgesetzt. Statt zu unterrichten, muss sich die Lehrerschaft jetzt um die Betreuung der Kinder kümmern. Seit der Ankündigung letzten Freitag verändert sich die Situation laufend. Um alles aufzugleisen, sassen die Schulleiter am Freitag bis nach 21 Uhr zusammen.

Halde-Schulleiter Ueli Frey sagt: «Um 9 Uhr tagten am Montag alle erneut und besprachen, wie die Betreuung im Detail organisiert werden soll.» Nur die Eltern, die keine eigene Betreuung organisieren können, dürfen ihre Sprösslinge in die Schule schicken. «Es gab eine Anfrage, ob man sein Kind auch schicken könne, wenn man selber daheim Zeit zur Betreuung hätte. Das mussten wir ablehnen», sagt Frey.

«Am Morgen haben wir draussen Fangis gespielt»

Ab Dienstag stehen im Halde-Primarschulhaus drei Lehrpersonen zur Verfügung. Die Anzahl Kinder, die betreut werden müssen, schwankt. Für den Montagvormittag meldeten sich rund 15 an, am Nachmittag war es knapp die Hälfte. Beschäftigungen gibt es genügend. «Die Lehrer wissen schon, was sie mit den Kindern unternehmen können. Eine solche Situation haben wir aber noch nie erlebt», sagt der Schulleiter. Im ersten Stock malen die Zweitklässlerinnen Eloa und Emma an der Wandtafel, spielen Mini-Pingpong oder betätigen sich als Putzteufel im Klassenzimmer von Lehrerin Sibylle Scherer. Emma sagt: «Es ist irgendwie komisch, weil wir in der Schule sein müssen und doch nicht lernen können. Am Morgen haben wir draussen Fangis gespielt.» Für die Lehrerin auch ungewohnt. Scherer sagt: «Die Kinder dürfen sich austoben ohne Verpflichtung in der Schule.»

«Alles, was man zu Hause auch machen würde»

Auch in allen anderen Freiämter Schulen gibt die unerwartete Betreuungssituation zu tun. Walter Koch, Schulleiter in Jonen, erklärt: «Alle Schulkinder haben freiwillige Lernaufgaben erhalten, damit sie die Zeit sinnvoll nützen können. Es ist aber in der Kompetenz der Eltern, wie viele Aufträge gemacht werden. Die Kinder, die Betreuung benötigen, werden seit Montagmorgen betreut. Fast alle Lehrpersonen sind während der kommenden drei Wochen für die Betreuung jeweils an einem Halbtag eingeteilt.» In Jonen benötigen 13 Familien mit total 17 Kindern das schulische Betreuungsangebot.

Gut organisiert ist man auch in Auw. Schulleiterin Susanne Portmann sagt: «Das Dorf scheint die Lage sehr ernst zu nehmen und verstanden zu haben. Wir haben allerhöchstens zehn Kinder in der Betreuung, meistens sogar nur ein bis vier Kinder. Bei insgesamt 250 Kindern in der 1. bis 6. Klasse. Es verlief alles sehr unproblematisch und flexibel.» In Auw werden die Kinder täglich von 8 Uhr durchgehend bis 17 Uhr betreut. Das Angebot ist vielfältig. Spielen, Lego bauen, Puzzle machen, draussen rumtoben, musizieren, gärtnern, backen. «Alles, was man zu Hause auch machen würde. Ausser unterrichten», sagt Portmann.