Bezirksgericht Bremgarten
Marihuana, Kokain, Anabolika: Freiämter IV-Rentner wegen Drogenhandel vor Gericht

Freiämter IV-Rentner soll Drogen im Wert von 185'000 Franken verkauft haben. Vier Jahre Gefängnis drohen ihm.

Pascal Bruhin
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Das Bezirksgericht Bremgarten.

Das Bezirksgericht Bremgarten.

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Eigentlich scheint der Beschuldigte ein gmögiger Typ zu sein. Einer, mit dem man sich gerne auf ein Bierchen trifft und über Gott und die Welt philosophiert. Doch dieser Eindruck des 55-Jährigen täuscht, glaubt man der 13-seitigen Anklageschrift der Oberstaatsanwaltschaft Aargau. In seinem Keller soll er über Jahre hinweg eine Indoor-Marihuanaanlage mit rund 600 Pflanzen betrieben haben. Den Strom dafür zapfte er illegal ab. Doch das ist längst nicht alles.

Es war bereits der dritte Anlauf zu einer Verhandlung am Bremgarter Bezirksgericht letzte Woche, nachdem der erste Prozess infolge erneuter Delinquenz des Beschuldigten und der zweite aufgrund eines Coronaverdachts des Beschuldigten verschoben werden mussten. Zehn Stunden Verhandlungszeit wurden für den Fall angesetzt.

Mit seiner Ernte betrieb er gewerbsmässigen Handel

Die Oberstaatsanwaltschaft, die den Fall wegen Kapazitätsengpässen von der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten übernahm, warf dem Angeklagten vor, seit 2013 im Keller seines Einfamilienhauses in der Umgebung von Wohlen eine professionelle Hanf-Indooranlage aufgebaut und mit seiner Ernte ­gewerbsmässigen Handel betrieben zu haben.

Rund 35 Kilo Cannabis im Wert von rund 175'000 Franken soll er produziert und so bis zur Festnahme im Mai 2016 laut Hochrechnungen einen Umsatz von knapp 130'000 Franken gemacht und dabei einen Reingewinn von über 70'000 Franken erzielt haben. Aufgrund des grossen Umsatzes warf ihm die Staatsanwaltschaft deshalb eine qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz vor. Es war nicht die einzige.

2018, während des hängigen Verfahrens wegen der Drogenhanf-Anlage notabene, stieg der Beschuldigte offenbar in den Kokainhandel ein. Bewiesen werden konnte ihm dies durch Scheinkäufe von verdeckt ermittelnden Polizisten der Kantonspolizei. Der Handel von 127,1 Gramm Kokain mit Reinheitsgraden von 43 bis 56 Prozent konnten dem IV-Rentner so und durch die Aussagen eines seiner Kunden nachgewiesen werden. Gesamtwert: rund 10000 Franken. Dass der Beschuldigte selbst Kokain und daneben auch Ecstasy konsumierte, beweist eine Haaranalyse.

Im Gefängnis soll er einen Mithäftling bedroht haben

Doch damit nicht genug der Delikte. Bei einer erneuten Hausdurchsuchung im Oktober 2018 wurde in der Waschküche des Beschuldigten eine Sporttasche voller Anabolika sichergestellt. Trenbolone, Boldebal, Decabol in einer Menge, die einem Hobbysportler über Monate hinweg reichen würde. Allein der Besitz dieser Substanzen ist strafbar, vom Handel damit ganz zu schweigen.

Des Weiteren soll der Beschuldigte in der Untersuchungshaft im Bezirksgefängnis Baden, nach seiner Verhaftung in der Marihuana-Sache 2016, einem Mithäftling mit dem Tod gedroht haben.

So happig die Vorwürfe, so hoch die geforderte Strafe. Oberstaatsanwältin Carmen Laffranchi beantragte dem Bremgarter Bezirksgericht eine unbedingte Freiheitsstrafe von vier Jahren und eine Busse von 600 Franken.

Doch was sagte der Beschuldigte zu den Vorwürfen? «Ja, es stimmt», meinte er kurz und knapp zu der Marihuana-Plantage. «Aber ich bin dazu gezwungen worden.» Er hätte bei einer albanischen Bande einen Kredit aufgenommen und diesen nicht zurückzahlen können. Ein gewisser Hassan solle der Kopf der Truppe sein. Mehr wisse er nicht. «Er hat mich gezwungen, für ihn Drogenhanf anzubauen», meinte der Beschuldigte vor Gericht.

Kokainhandel gibt der Angeklagte nur teilweise zu

Auch den Vorwurf des Kokainkonsums und -verkaufs gab der gelernte Maler zu. «Aber es waren allerhöchstens zehn Gramm, die ich verkauft habe.» Den Rest müsse sein Kunde wohl von einem anderen Dealer gekauft haben. Die Tasche mit den Anabolika will er auf dem Parkplatz einer Wohler Bar gefunden und «aus reiner Neugierde» mitgenommen haben.

Angesprochen auf die vermeintliche Drohung im Bezirksgefängnis, musste der Beschuldigte schmunzeln. «Ich habe erst bei der Einvernahme erfahren, wer der andere überhaupt ist.» Dem Mann gedroht zu haben, bestritt er vehement.

Freispruch forderte denn auch Verteidiger Urs Oswald in diesem Punkt. Es stehe Aussage gegen Aussage. Den Besitz der Anabolika sah er als Bagatelle und forderte deshalb ebenfalls einen Freispruch. Für die restlichen Delikte, die sich nicht abstreiten liessen, sah er eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 26 Monaten und eine Busse von 600 Franken für angemessen.

Coronabedingt wurde die Verhandlung nach den Plädoyers von Staatsanwältin und Verteidiger beendet. Das Urteil wird schriftlich verkündet.