Im Steinbruch in Hendschiken ist viel los. Hämmern und Sägen sind zu hören. Steinstaub wird vom Wind weggetragen. Die Grube ist voll mit verarbeiteten, aber auch mit rohen Felsstücken. Hier ist der Steinmetz Max Kohli aus Dottikon, bei der Emil Fischer AG, im vierten Lehrjahr. Vergangene Woche nahm er an den zentralen Berufsmeisterschaften SwissSkills in Bern teil. Mit 76,92 Punkten holte er sich den ersten Platz unter den Steinmetzen.

Neben ihm wetteiferten nur zwei Konkurrenten, beide aus dem Kanton Schwyz. So war Kohli von Anfang an klar, dass er einen Podestplatz erreichen würde. «Das ich Erster werde, habe ich aber trotzdem nicht gedacht», sagt er. Die Teilnehmerin auf dem zweiten Platz hatte 17,63 Punkte Abstand.

Max Kohli gewinnt in Bern Steinmetz-Gold:

Steinmetz: Gold für Max Kohli aus Dottikon

Nur nichts kaputtmachen

Am ersten Tag der Meisterschaften war Kohli mit seiner Leistung nicht zufrieden, doch: «Der zweite Tag lief gut.» Er erzählt, dass er auch etwas Herzklopfen vor den Meisterschaften hatte, auch wenn es dazu offensichtlich keinen Grund gab. «Das Schwierigste war, das Zeitlimit einzuhalten und nichts kaputtzumachen», erzählt er. Effektiv vorbereitet hat sich der Schweizer Meister vier Tage lang. «Eigentlich habe ich mich ja schon meine ganze Lehre lang auf die Aufgaben vorbereitet», meint er dazu.

In dem Wettkampf mussten ein Bogenanfänger und eine Volute angefertigt werden. Beides Dinge, die im Alltag eines Steinmetzes häufig vorkommen: «Jeder macht das einmal im Verlauf seiner Arbeitszeit», erzählt Kohli. Im Steinbruch in Hendschiken werden vom Abbau der Steine bis zu den kleinsten Verarbeitungen, alle Arbeiten erledigt. Das ist eher ungewöhnlich, denn die meisten Steinmetz-Werkstätten sind Ein-Mann-Betriebe.

Ein aussterbendes Gewerbe

Ein Steinmetz erledigt in seinem Alltag viele Reparations- und Sanierungsarbeiten, neue Stücke werden heutzutage nur wenige angefertigt. «Es ist ein aussterbendes Gewerbe», erklärt Kohli «deswegen werden die Arbeiten immer teurer.» Trotzdem sieht der junge Berufsmann für sich eine Zukunft in diesem Beruf. Ihm gefällt vor allem das Hauen geometrischer Stücke, auch wenn er, vor allem am Anfang der Ausbildung, schon einige Male seine Daumen getroffen hat.

Als er vor der Berufswahl stand, schnupperte er in vielen verschiedenen Berufen: Hochbauzeichner, Informatiker oder doch lieber Koch? Aber mit keiner dieser Professionen konnte er sich richtig anfreunden. «Ich wollte etwas mit den Händen machen, das bleibt, und so meinen Fussabdruck hinterlassen.» Das sah Kohli mit diesen Berufen nicht verwirklicht. So schnupperte er als Steinmetz und war begeistert. Er fand die Verarbeitung der Steine faszinierend, und ihm gefiel der künstlerische Aspekt.

Als Steinmetz glücklich werden

«Jeder, der interessiert und motiviert ist, kann mit diesem Beruf glücklich werden», antwortet er auf die Frage, wem er die Steinmetz-Lehre empfehlen würde. «Findet man Gefallen daran, gibt es viele Vorteile. Beispielsweise lernt man räumliches Denken.» Man merkt, dass Max Kohli für seinen Beruf geschaffen wurde und seine Arbeit schätzt: «Der Stein schenkt einem nichts», erklärt er. Ist sein Alltag nicht körperlich sehr anstrengend? Darauf antwortet der 19-Jährige gelassen: «Es geht eigentlich.»

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