Drei Männer, drei Schulzentren, ein Ziel: Jedes schulpflichtige Kind in Wohlen soll einen Platz finden im Bünzmatt-, Halden- oder Junkholzschulhaus respektive in einem der zwölf Kindergärten, die auf Wohler Boden stehen. 1974 Schülerinnen und Schüler besuchen dieses Jahr die Regelklassen der Wohler Schulen. Noch hat jedes Kind seinen Platz.

Wie sieht das aber in 2, 5, 10 oder 15 Jahren aus? Mit dieser Frage beschäftigen sich in Wohlen die beiden Gemeinderäte Paul Huwiler, Ressort Gesellschaft, Soziales & Bildung, sowie Thomas Burkard, Ressort Liegenschaften & Anlagen. Unterstützt werden sie bei dieser Aufgabe schon seit mehreren Jahren vom Raumplaner Markus Pfyl von der Eckhaus AG in Zürich.

Markus Pfyl, Paul Huwiler und Thomas Burkard (von links) erläutern die Prognosen für die Schulraumplanung der nächsten 15 Jahre. Die Grafik (rechts) zeigt die Entwicklung der Bevölkerungs- und Geburtenzahlen der vergange

Markus Pfyl, Paul Huwiler und Thomas Burkard (von links) erläutern die Prognosen für die Schulraumplanung der nächsten 15 Jahre. Die Grafik (rechts) zeigt die Entwicklung der Bevölkerungs- und Geburtenzahlen der vergange

Dieses Planungskleeblatt stellte gestern die aktualisierte Prognose 2018 vor. Paul Huwiler, der bei dieser Gelegenheit auch gleich bekannt gab, dass künftig nicht mehr er, sondern Thomas Burkard den Vorsitz in der Kommission Schulraumplanung innehabe, betonte gleich zu Anfang, wie komplex diese Aufgabe sei und wie viele Faktoren es dabei zu berücksichtigen gelte: «Was wir hier machen, ist eigentlich die Quadratur des Kreises.»

Offensichtlich gelingt es dem Trio aber sehr gut, die Entwicklungen und somit auch Bedürfnisse der Schule Wohlen zu werten und daraus die Prognosen für die Zukunft abzuleiten. So errechneten sie 2012 für das aktuelle Schuljahr 116 Klassen. 2014 korrigierte man die Zahl auf 114. Heute zeigt die Statistik, dass sie mit ihrer ersten Prognose vollkommen richtig lagen.

Alle zwei Jahre neue Prognose

Markus Pfyl fasste in diesem Zusammenhang seine Erfahrungen aus den letzten 15 Jahren Schulraumplanung in den Satz: «Wir haben keine Ahnung, aber wir können damit umgehen.» Seine anschliessenden Erläuterungen machten dann aber schnell klar, dass er und seine beiden Mitstreiter durchaus wissen, wovon sie sprechen.

Als Grundlage für die Prognosen dienen ihnen die Bevölkerungs- und Geburtenentwicklung der vergangenen Jahre sowie Wohnungsbestand und -belegung in Wohlen und den angeschlossenen Gemeinden. Auch ein Blick auf die Wohnbautätigkeit lässt Rückschlüsse auf die mögliche Entwicklung zu. «Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass wir die Prognosen alle zwei Jahre neu erstellen müssen», erklärte Huwiler, «und im Jahr dazwischen müssen sie aktualisiert werden.»

Das sei die Lehre aus der Überraschung, welche die Schulraumplaner im März dieses Jahres erlebt hätten: «In der Prognose 2014 rechneten wir noch mit Schulraum für maximal 120 Abteilungen für die nächsten 15 Jahre. Dann kam der März 2018 ...» Bei der Auswertung der oben erwähnten Faktoren trat zutage, dass durch die rege Bautätigkeit in und um Wohlen und durch die permanent gestiegenen Geburtsraten in den vergangenen acht Jahren mit einer Zunahme der Abteilungen auf total 126 gerechnet werden muss.

Viertes Schulzentrum als Lösung

Mit der geplanten Sanierung und dem Teilneubau des Haldenschulhauses wird es zwar möglich sein, diesen erhöhten Raumbedarf abzudecken, doch «es bleibt uns keine Möglichkeit mehr, bei weiter steigenden Schülerzahlen, die bestehenden Schulhäuser auszubauen», sagt Thomas Burkard. Kommissionskollege Huwiler ergänzt: «Hätte man das Schulhausprojekt an der Pilatusstrasse damals angenommen, wären wir jetzt aus dem Schneider.»

Er sieht zwar noch eine Chance, allenfalls auf dem Bünzmattareal noch etwas Schulraum gewinnen zu können, aber ansonsten wäre der nächste Schritt dann der Bau eines vierten Schulzentrums in Wohlen. Viele Landreserven habe die Gemeinde zwar nicht mehr, meint Huwiler, aber eine gute Möglichkeit dazu böte sich im neuen Bahnhofsquartier im Farn, wo viel neuer Wohnraum mit Platz für junge Familien entstehe.

«Aber über den Projektierungskredit für das vierte Schulzentrum werden wir beide nicht mehr während unserer Amtszeit verhandeln», scherzte Burkard abschliessend. Für Raumplaner Pfyl hingegen ist es klar, dass man gleich bei der Planung eines neuen Schulbaus allfällige Erweiterungsbauten mit im Hinterkopf haben sollte. «Wenn ich den Villmergern 2010 gesagt hätte, dass sich ihre Geburtenrate in den nächsten acht Jahren verdoppeln würde, dann hätten die mich ausgelacht», sagt Pfyl. Für die Planung der Bezirksschulklassen sind es aber gerade die Villmerger und die Niederwiler, die durch ihre freie Bezirksschulwahl mitbestimmen, wie viele Abteilungen es künftig braucht.

Die Prognose 2018 rechnet daher mit zwei Extremszenarien: einem Minimum von 119 und einem Maximum von 142 Abteilungen bis ins Schuljahr 2032/2033.