Bremgarten
Mehr als nur Wägen und Messen: Das Bild der Mütter- und Väterberatung hat sich gewandelt

Die Beruftstätigkeit der Mütter- und Väterberaterinnen des Bezirks Bremgarten ist in den letzten Jahren überaus vielschichtig geworden – und es warten täglich neue Herausforderungen.

WALTER CHRISTEN
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Die Mütter- und Väterberaterinnen tun viel mehr, als nur Babys zu wägen und zu messen.

Die Mütter- und Väterberaterinnen tun viel mehr, als nur Babys zu wägen und zu messen.

Getty Images/iStockphoto

787 Geburten verzeichneten im Jahr 2017 die Gemeinden des Bezirks Bremgarten. Im Vorjahr waren es 760 Mädchen und Knaben, die zur Welt kamen. Die Eltern dieser Kinder werden auf Wunsch von der Mütter- und Väterberatung (MVB) des Bezirks betreut. Das Team der sechs Beraterinnen machte voriges Jahr 450 Hausbesuche, erteilte 755 telefonische Auskünfte, gab rund 500 Tipps per E-Mail und registrierte insgesamt 3871 Beratungen (2016 waren es deren 3635).

In ihren Gedanken zum zurückliegenden Jahr hielt Teamleiterin Brigitte Koller im Geschäftsbericht 2017 fest, dass ganz viele Faktoren dazu beitragen, damit die Kinder gut aufwachsen und sich gesund entwickeln können. «Häufig helfen eine oder mehrere Beratungen, um gemeinsam einen Weg zu finden und Ideen für die Eltern zu erarbeiten.»

Beratungstätigkeit ist vielschichtig

Zwar ist der Glaube noch immer verbreitet, dass die Beraterinnen vor allem Neugeborene wägen und messen. Doch das Bild der Mütter- und Väterberatung hat sich in den letzten Jahren stark geändert.

Die Beratungstätigkeit ist überaus vielschichtig geworden und wird oft unterschätzt. Zur Kernaufgabe zählen die Gespräche mit den Eltern von Kleinkindern, doch dazu gehört mittlerweile auch die Entwicklungs-, Erziehungs- und Ernährungsberatung. Veränderte Familiensysteme, Patchwork- oder Regenbogenfamilien mit gleichgeschlechtlichen Eltern sowie Familien mit Migrationshintergrund fordern die Beraterinnen täglich aufs Neue.

Das vielfältige und professionelle Leistungsangebot der Mütter- und Väterberatung ist im kantonalen Gesundheitsgesetz verankert. Alle Gemeinden im Aargau sind deshalb verpflichtet, eine MVB anzubieten. Im Bezirk Bremgarten erfolgt die Beratung auf Vereinsbasis, das heisst, die Bezirksgemeinden bilden den Trägerverein. Dieser wird seit 18 Jahren von Ursula Gehrig präsidiert. Sie gehört dem Vereinsvorstand seit insgesamt 20 Jahren an, war bis Ende 2017 Vizeammann in Oberwil-Lieli und verfügt über eine ausgeprägte soziale Ader.

Erste Anlaufstelle für Eltern

Die Präsidentin, die im Hinblick auf die bevorstehende Generalversammlung vom 30. Mai in Villmergen ihren Rücktritt erklärt hat, hielt im Gespräch mit der AZ fest: «Während meiner Vorstands- und Präsidialzeit hat sich in der MVB viel verändert. Das allgemeine Verständnis für dieses Angebot hat sich gewandelt, zumal heute die Beratungen sehr professionell ausgerichtet sind und über die gesundheitlichen Belange der zu betreuenden Kinder hinausgeht. Und nicht zu vergessen ist, dass die MVB einer der ersten Beratungsdienste ist, mit dem eine Familie in Kontakt kommt. Darum gewinnt die MVB, deren Stützpunkt sich an der Spiegelgasse 2 in Bremgarten befindet, im Zusammenhang mit dem persönlichen Kontakt bei der Beratung an Bedeutung.»

Die Mütter- und Väterberatung des Bezirks Bremgarten steht übrigens finanziell so gut da, dass der Vorstand der kommenden Generalversammlung beantragt, das Vereinsvermögen erstmals durch eine Rückzahlung von 50 000 Franken an die Trägerschaft (Gemeinden) auf 150 000 Franken zu reduzieren.