Wohlen

Mehr Stress in den Schulleitungen: Das Schuljahr 20/21 wird mit dem neuen Lehrplan eine Knacknuss

Ernesto Hitz, Franco Corsiglia und Rolf Stadler (von links) beraten über die nächsten Schritte der Schule Wohlen. Es gilt, den Stand zu halten.

Ernesto Hitz, Franco Corsiglia und Rolf Stadler (von links) beraten über die nächsten Schritte der Schule Wohlen. Es gilt, den Stand zu halten.

Lehrplan21 und Ressourcensteuerung sind grosse Herausforderungen für die Wohler Schulbehörde – es braucht dringend mehr Personal.

Die drei Herren, die zum Informationsanlass der Wohler Schulbehörde eingeladen haben, lächeln unter Sorgenfalten.

Schulpflegepräsident Franco Corsiglia eröffnet die Gesprächsrunde mit der Information, dass zwei Schulleiter von Wohlen ihre Kündigung eingereicht haben: Caroline Bruggisser, Primarschule Halde, und Timothy Schaerer, Primarschule Bünzmatt/ Anglikon.

Das ist, angesichts der bekannt hohen Fluktuation in diesem Beruf, nichts Besonderes. Und dennoch betont Corsiglia, dass die Schule Wohlen mit Tim Schaerer nicht nur einen sehr guten Schulleiter verliert, sondern auch noch den Supporter der gesamten Schulinformatik mit über 1000 Geräten.

Für beide Abgänge gibt es gute Erklärungen: Wohnortwechsel, Neuorientierung, gesundheitliche Gründe und bessere Angebote.

Vor allem die letzten beiden Aspekte lassen Schulpflege und -verwaltung aber aufhorchen, denn in naher Zukunft werden der Lehrplan 21 und die Ressourcensteuerung für erhöhten Aufwand und damit auch für mehr Stress in den Schulleitungen sorgen.

Kommt hinzu, dass es Schulen gibt, die gute Schulleiter abwerben können mit Entlastungen im administrativen Bereich und besserer Infrastruktur als in Wohlen.

«Da müssen wir uns nichts vormachen», sagt Corsiglia, «die Arbeitsplatzanalyse unserer Schulleiter hat ergeben, dass jede und jeder von ihnen pro Jahr 300 bis 350 Überstunden leistet. Natürlich kann man jetzt sagen, das sei normal für eine Kaderstelle, aber mein Ziel als Schulpflegepräsident ist es, dass ich nie den Vorwurf hören muss: Warum hast du nichts gesagt?»

Informatik verlangt Profis

Im Zusatzbericht zum Jahresbericht der Schule Wohlen 2016/2017 haben Corsiglia und der Präsident der Schulleitungskonferenz, Rolf Stadler, schon festgehalten, dass eine Stellenerhöhung im Bereich Schulinformatik um 100 % unabdingbar sei.

«Der Vorschlag von Expertenseite lautet: 1 Stellenprozent pro PC», erklärt Corsiglia. Da ist die Rechnung bei mehr als 1000 Geräten schnell gemacht. «Die Entwicklungen in der Informatik sind so schnell, dass man nach sechs bis sieben Jahren wieder alles erneuern muss», weiss Stadler.

«Dazu braucht es einen Profi, das kann kein Schulleiter noch so nebenbei leisten.» Umso mehr, als die neun Schulleiter der Wohler Schulzentren Halde, Junkholz und Bünzmatt aktuell noch ein ganzes Viertel ihres Arbeitspensums für administrative Belange einsetzen müssen und darum nur durch die erwähnten Überstunden ihre eigentlichen Leitungsaufgaben abarbeiten können.

Basierend auf einer Berechnung des Kantons aus dem Jahr 2006, müsste Wohlen für die Schuladministration 525 Stellenprozente zur Verfügung stellen. Seit der Einführung des Schulleitungsmodells, 2003, wurden die damals verfügten 335 Stellenprozente nicht erhöht.

Anträge sind gestellt

Mit dem Lehrplan 21 und der Ressourcensteuerung kommen per Schuljahr 20/21 zwei echte administrative Knacknüsse auf die Schule Wohlen zu. Darum ist der Antrag für die Pensenerhöhung um 190 % bereits beim Gemeinderat eingereicht, zusammen mit dem Antrag für die Informatikstelle.

«Wohlgemerkt», betont Stadler, «damit wollen wir nichts Neues bekommen, sondern den guten Zustand unserer Schule erhalten.» Das ist wichtig, denn die Ressourcensteuerung, die zukünftig nach einem vom Kanton vorgegebenen Schlüssel den Schulen, entsprechend ihrer Schülerzahlen, fixe Lektionen zuteilt, wird in den kommenden Jahren nicht nur für mehr Administrationsaufwand, sondern vor allem auch für viele Verunsicherungen sorgen.

Meistgesehen

Artboard 1