Merenschwand
Fehlende Bewilligung oder Pfusch? Warum die Baustelle der Landi Freiamt fast drei Monate lang stillstand

Das Interesse an den zukünftigen Wohnungen der Genossenschaft Landi Freiamt in Merenschwand ist ungewöhnlich gross. Auch das Volg-Provisorium läuft besser als erwartet. Das konnte auch ein ungeplanter Baustopp aufgrund von Flussablagerungen nicht mindern.

Melanie Burgener
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Mit fast drei Monaten Verzögerung gehen die Bauarbeiten in Merenschwand wieder weiter. Grund sind aber nicht eine fehlende Baubewilligung oder schlampige Arbeit, sondern überraschende Flussablagerungen auf dem Baugrund.

Mit fast drei Monaten Verzögerung gehen die Bauarbeiten in Merenschwand wieder weiter. Grund sind aber nicht eine fehlende Baubewilligung oder schlampige Arbeit, sondern überraschende Flussablagerungen auf dem Baugrund.

Melanie Burgener

Als die Maschinen in Merenschwand plötzlich stillstanden und wochenlang niemand auf der Baustelle arbeitete, waren sich einige im Dorf sicher: Da geht etwas nicht mit rechten Dingen zu. Die Bauherrschaft habe gar keine Bewilligung, erzählte man sich. Oder: Die Bauarbeiter hätten aus Versehen die Grube zu wenig tief ausgehoben – bemerkt worden sei das erst, als der Beton bereits eingefüllt war.

Letzteres stimmte zwar beinahe. Tatsächlich mussten in der Baugrube der Genossenschaft Landi Freiamt in den letzten Wochen rund 2000 Kubikmeter Geröllbeton entfernt werden. Das war aber nur zum Teil das Verschulden von Menschenhänden, wie der Geschäftsführer der Landi Freiamt, Daniel Strebel, nun aufklärt.

«Es hat sich herausgestellt, dass der Baugrund anspruchsvoller ist, als ursprünglich angenommen. Es gibt hier starke Flussablagerungen, der Boden hat alle paar Meter eine andere Struktur.» Weil die Aushubverantwortlichen zuerst probiert hätten, diese Unebenheiten mit Beton auszubessern, musste dieser anschliessend wieder entfernt werden.

Damit für das Bodenproblem eine bessere Lösung gefunden werden konnte, mussten die Arbeiten Ende vergangenes Jahr gestoppt und neue Berechnungen angestellt werden. Dass deshalb verschiedene Geschichten die Runde gemacht haben, kann Strebel verstehen. «Die Baustelle befindet sich mitten im Dorf, das interessiert die Leute. Und so wird auch geredet», sagt er. Nun kann er die Bevölkerung aber beruhigen, denn unterdessen konnte der Betrieb auf der Baustelle wieder aufgenommen werden.

«Es geht nicht darum, einen Schuldigen zu suchen»

Dass der Grund unter dem ehemaligen Postgebäude nicht optimal sein wird, damit haben die Verantwortlichen des Grossprojektes bereits gerechnet. «Wir haben natürlich Vorsondierungen gemacht und wussten deshalb, dass es in diesem Bereich viele Schwemmablagerungen gibt», erzählt Strebel. Dass diese aber so stark ausgeprägt und der Boden so uneben sein würden, habe sie dennoch überrascht.

Vor einem Jahr thronte im Zentrum von Merenschwand noch das Gebäude der ehemaligen Post samt Volg-Filiale.

Vor einem Jahr thronte im Zentrum von Merenschwand noch das Gebäude der ehemaligen Post samt Volg-Filiale.

Melanie Burgener (19.1.2021)

In einem solchen Fall könne man nicht einfach mehr Beton verwenden oder weniger tief graben. «Das würde dem Gewicht des Gebäudes nicht standhalten. Es würde sich absenken.» So habe man sich nun für eine Flachfundation entschieden, die mit speziellem Vlies und Geröll gemacht wird. «Sie ist günstiger und in Merenschwand auch sicherer als eine Pfahlfundation», erklärt Strebel. Bei den vielen Gewölbekellern in der Umgebung wollte man kein Risiko eingehen und hat deshalb vom vibrationsstarken Einbau von Pfählen abgesehen.

Fast drei Monate wurden die Bauarbeiten verzögert. «Natürlich kann man sich jetzt fragen, wieso nicht von Anfang an mehr Sondierungen gemacht wurden. Aber es geht nicht darum, einen Schuldigen zu suchen – im Nachhinein ist man immer schlauer», so Strebel pragmatisch.

Interesse am neuen Wohn- und Gewerberaum ist ungewöhnlich gross

Deutlich erfreulicher als die vergangenen Monate auf der Baustelle war das Geschäft auf der anderen Strassenseite in der ausgelagerten Volg-Filiale. «Das Provisorium läuft sensationell. Wir hatten dasselbe in Jonen im Einsatz», sagt Strebel. «Bereits da waren wir überrascht, wie gut das funktioniert. Eigentlich müssten wir gar nicht ins neue Gebäude umziehen», ergänzt er lachend.

Positiv überrascht sei er auch über das grosse Interesse am zukünftigen Wohn- und Gewerberaum. «Eigentumswohnungen kann man teilweise bereits verkaufen, wenn sie sich noch im Rohbau befinden. Bei Mietwohnungen, wie wir sie hier haben, ist das eher ungewöhnlich.» Trotzdem hätten sich bereits einige Interessierte gemeldet – auch für die Gewerberäume, die entstehen. «Sie liegen an einer guten Lage mitten im Zentrum», vermutet Strebel den Grund für das Interesse.

So sah das ehemalige Gebäude vor einem Jahr aus. Der Volg und die Metzgerei werden auch im neuen Gebäude wieder anzutreffen sein. Zusätzlich realisiert die Landi Freiamt in Merenschwand eine Tankstelle, Wohnungen und Gewerberäume samt Tiefgarage.

So sah das ehemalige Gebäude vor einem Jahr aus. Der Volg und die Metzgerei werden auch im neuen Gebäude wieder anzutreffen sein. Zusätzlich realisiert die Landi Freiamt in Merenschwand eine Tankstelle, Wohnungen und Gewerberäume samt Tiefgarage.

Melanie Burgener (19.1.2021)

Er hofft, dass die Arbeiten nun «Schlag auf Schlag» weitergehen können und die Wohnungen spätestens im Frühling 2024 bezugsbereit sind.

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