Muri

Mit Bier und Spülmittel für Qualitätswein gesorgt: Die erste «Wümmet» in diesem Jahr ist Geschichte

Gelesen wurden die weissen Riesling-Silvaner Trauben der Ortsbürgergemeinde Muri. Zwanzig Helferinnen und Helfer standen am Dienstag am Rebberg der Ortsbürger bereit.

Es ist Dienstagmorgen, 9.45 Uhr. Die Sonne brennt bereits auf die Murianer Rebberge und kündet einen warmen Herbsttag an. Heute findet der erste «Wümmet» dieses Jahres statt. Gelesen werden die weissen Riesling-Silvaner Trauben der Ortsbürgergemeinde Muri.

20 Helferinnen und Helfer stehen am Fusse des Rebbergs, ausgerüstet mit gelben Kisten und frischgeölten Scheren. Den Ersten stehen schon Schweissperlen auf der Stirn. «Wir haben die Arbeit auf den Morgen verlegt. Am Nachmittag wäre es einfach zu heiss», erklärt Hanspeter Frey, Präsident der Ortsbürgerkommission, den frühen Start.

«Der Rebberg war damals auch mein Kind»

Frey ist froh, dass sich auch in diesem Jahr wieder so viele Freiwillige bereit erklärt haben, den Ortsbürgern und dem Rebbergteam beim «Wümmet» zu helfen. «Die meisten sind pensioniert und haben zuvor selbst einmal mit der Gemeinde oder der Ortsbürgerkommission zu tun gehabt», sagt Frey.

Einer von ihnen ist Ruedi Laubacher. Vor Hanspeter Frey war er für viele Jahre Präsident der Ortsbürgerkommission. «Der Rebberg war damals auch mein Kind», erzählt Laubacher. Jetzt sei er in jedem Jahr beim «Wümmet» dabei: «Das gehört dazu.»

Wümmet in Muri 2020

Wümmet in Muri 2020

 

Bevor die Arbeit an den Rebstöcken beginnen kann, hat Präsident Frey noch eine kleine Überraschung. Feierlich übergibt er den drei von vier anwesenden Mitgliedern des Rebbergteams, die das ganze Jahr für die Pflanzen sorgen, ein Gold-Diplom. Eine gerahmte Urkunde für den «Stiefeli Ryter», der zum besten Ortsbürgerweisswein 2019 gekürt wurde. Der Stolz waren Rolf Stöckli, Charlie Frey und Bruno Jenni ins Gesicht geschrieben.

Die Ortsbürger und ihre Helfer hoffen auch in diesem Jahr auf eine qualitativ gute Ernte. Das Klima der vergangenen Monate stimmt sie zuversichtlich. «Wir hatten einen sehr guten Sommer. Es hat immer mal wieder geregnet und dann war es ein paar Tage trocken, das ist ideal», zeigte sich Hanspeter Frey zufrieden. Die trockenen Tage hätten den Trauben nicht geschadet. Denn die Wurzeln der Rebstöcke können bis sieben Meter in die Tiefe gehen und so für lange Zeit genügend Feuchtigkeit aufnehmen. Auch vom Hagel im vergangenen Frühling wurden die meisten Früchte verschont.

Einzig die vielen Wespen in diesem Jahr waren gnadenlos. Doch die Profis wussten sich zu helfen. «Wir haben Wespenfallen gebastelt», sagt Frey und zeigt auf ein paar PET-Flaschen, die zwischen den grünen Trauben hängen. «Die haben wir mit Bier und etwas Spülmittel gefüllt.»

Frühe «Wümmet» mit 2796 Kilogramm Trauben

Weil das Wetter so gut war, fand der «Wümmet» in diesem Herbst etwa eine bis anderthalb Wochen früher statt, als in den Jahren zuvor.

Die Rotweintrauben – für den Murianer «Klosterfelder» werden Blauburgunder- und für den «Tribus» Gamaret-Trauben verwendet – werden spätestens in zwei bis drei Wochen gelesen. «Thomas Lindenmann berät uns dabei und keltert die Trauben anschliessend in seinem Betrieb in Seengen», sagt Frey. 2796 Kilogramm Trauben mit einem Oechslegrad von 82 wurden gestern geerntet.

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