Mit fast 103 Jahren verstorben
Ein einfaches und überaus glückliches Leben geführt – die älteste Wohlerin ist am Sonntag gestorben

Am Sonntag starb Trudi Vock-Lüthy im hohen Alter von 102 Jahren im Wohn-und Pflegezentrum Bifang in Wohlen. Ihre Nichte Hildegard Studhalter erinnert sich an die Tante, die ihre Beine stets mit Franzbranntwein einstrich, das Wandern liebte und mit 95 Jahren noch das Jassen erlernte.

Nathalie Wolgensinger
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Zum 100. Geburtstag wurde Trudi Vock-Lüthy von Fuhrhalter Hansruedi Meier mit der Kutsche zu einer Geburtstagsfahrt eingeladen.

Zum 100. Geburtstag wurde Trudi Vock-Lüthy von Fuhrhalter Hansruedi Meier mit der Kutsche zu einer Geburtstagsfahrt eingeladen.



Walter Christen (23. Juni 2018)

Das Gefühl von Glück und Zufriedenheit, so erfährt man von ihrer Nichte, Hildegard Studhalter, prägten das Leben der ältesten Wohlerin. Studhalter erzählt:

«Meine Tante lebte ein einfaches aber gutes Leben und war immer zuversichtlich.»

Für Trudi Vock-Lüthy waren es das Wandern und das Zusammensein mit Freunden, die sie erfüllten.

Ihre heitere und positive Lebenseinstellung trug die älteste Wohlerin 102 Jahre lang durchs Leben und bescherten ihr viele Freundschaften und wohl auch unzählige schöne Erinnerungen.

Dem Arbeitgeber 26 Jahre lang die Treue gehalten

Geboren wurde Trudy Vock-Lüthy am 29. Juni 1918 in Wohlen. Gemeinsam mit zwei Geschwistern wuchs sie an der Steingasse, im sogenannten Säckelmeisterhaus auf. 1941 musste die Familie einen herben Schicksalsschlag hinnehmen, als der Vater unerwartet starb. Die Familie verliess das altehrwürdige Haus und zog an den Mythenweg, wo Trudi Vock-Lüthy ihre Mutter bis 1968 pflegte.

Trudy Vock-Lüthy arbeitete während 26 Jahren bei August Webers Söhne am Chilegässli, anschliessend noch einige Jahre bei der Bäckerei Bachmann. Sie habe sich immer auf die Osterzeit in der Bäckerei gefreut, erzählt ihre Nichte. Dann durfte sie nämlich die kunstvollen Maschen für die Osterhasen basteln.

Für damalige Verhältnisse spät, nämlich mit 34 Jahren, heiratete sie Fritz Vock und bezog mit ihm ein Eigenheim an der Wilerzelgstrasse. Das Ehepaar ergänzte sich ideal. Während Fritz den Garten genoss, zog es sie in die Berge, auf ausgedehnte Wanderungen mit ihren Freundinnen. Dieses Hobby pflegte sie bis ins hohe Alter.

Auch nach dem Tod ihres Mannes blieb sie im Eigenheim wohnen. Ihre Nichte erzählt:

«Sie pflegte eine schöne Freundschaft mit Nachbarn. Sie trafen sich täglich zum Mittagessen, unternahmen Reisen und meine Tante lernte von ihnen noch das Jassen.»

Fit hielt sie sich aber auch mit regelmässigen Stretching an der Teppichstange im Garten und dem täglichen Einmassieren von Franzbranntwein. An ihrem 95. Geburtstag geschah dann das Malheur: Trudi Vock-Lüthy brach sich den Oberschenkelhals. Eine Rückkehr in ihr Eigenheim war dann nicht mehr möglich.

Nun zog sie, wie zuvor ihre Mutter schon, ins Wohn- und Pflegezentrum Bifang. Ihre Nichte erzählt:

«Sie fühlte sich sehr wohl im Bifang, es war für sie ein zweites Daheim.»

Die stets gutgelaunte Bewohnerin war eine beliebte Gesprächspartnerin im Bifang und wurde von Bewohnern und Mitarbeitern sehr geschätzt. Zu ihrem 100. Geburtstag überraschte sie Fuhrhalter Hansruedi Meier mit einer Kutschenfahrt. Bis im Herbst des vergangenen Jahres sei ihre Tante körperlich und geistig in einer sehr guten Verfassung gewesen, erzählt Studhalter. Im Winter dann aber sei sie immer schwächer geworden und in den letzten Monaten schwanden ihre Kräfte zusehends. Sie schlief in den frühen Stunden des vergangenen Sonntagmorgen sanft ein.

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