Sarmenstorf

Nach 108 Jahren ist der Kirchenchor Geschichte

Der Sarmenstorfer Kirchenchor wurde aufgelöst

Der Sarmenstorfer Kirchenchor wurde aufgelöst

Am Ende waren sie noch neun Sängerinnen und Sänger, der Kirchenchor sah keine Möglichkeit mehr. An der Generalversammlung vom 6. März beschlossen die Mitglieder des Sarmenstorfer Kirchenchors einstimmig dessen Auflösung.

Die Wehmut ist Heidy Ott deutlich anzuhören. Sie war Aktuarin des Sarmenstorfer Kirchenchores, erzählt, wie es zur Auflösung kam, und gibt Einblick in dessen Geschichte.

„Vier oder fünf Jahre waren wir auf der Suche nach neuen Sängerinnen und Sängern. Leider haben wir niemanden gefunden“, erzählt sie am Telefon. „Wir waren zuletzt elf oder zwölf Mitglieder, davon haben zwei mitgeteilt, dass sie aufhören werden. Neun Personen sind einfach zu wenig.“ So könne der Kirchenchor einfach keine Qualität mehr gewährleisten.

108 Jahre Freude am Gesang

Einmal pro Woche habe der Chor geprobt, vor hohen Festtagen auch häufiger. „Gerade die Wochen vor Ostern sind intensiv, das ist einigen vielleicht ein zu grosser Aufwand“, sagt die Aktuarin, „dazu kommt, dass wir als Kirchenchor ja immer an den Feiertagen wie Pfingsten, Ostern und Weihnachten aufgetreten sind. Diese Tage gehen bei vielen nicht.“

Der Kirchenchor habe immer viel gemacht und gute Auftritte gehabt. Mit Stolz blicken die Sängerinnen und Sänger auf Orchestermessen mit Soloauftritten zurück. Ott stellt fest: „Das war schon anspruchsvoll und verlangte Zeit.“ Sehr gern erinnert sie sich an Mozarts „Spatzenmesse“. „Ja, das war spannend“, wieder klingt sie wehmütig.

Damals keine verheirateten Frauen

Immerhin ist der Sarmenstorfer Kirchenchor 108 Jahre alt geworden. „2012 haben wir unser 100-Jahr-Jubiläum hier im Ort in der Mehrzweckhalle gefeiert, da waren wir noch 20 Personen.“ Zu hören gab es damals Joseph Haydens „Vierstimmige Lieder“, ein Stück aus Carl Maria von Webers „Freischütz“, und einiges mehr. Schon damals war der Chor auf der Suche nach Verstärkung, wie ein Blick in das Programm zeigt.

„Für das Jubiläum habe ich in den Protokollbüchern etwas nachgelesen. Leider wurde meistens nur festgehalten, was im Jahr passiert ist. Sehr aufschlussreich war das nicht“, bedauert Heidy Ott, dass sie keine speziellen Ereignisse in der Chronik vermerken konnte. Ein Punkt ist aus heutiger Sicht eventuell doch interessant: 1938 verlor der Chor einige eifrige weibliche Mitglieder. Der Grund ist laut Chronik folgender: „Sie haben alle geheiratet, und verheiratete Frauen durften nicht mehr im Kirchenchor mitsingen.“  Erst ab 1962 war es verheirateten Frauen erlaubt, im Kirchenchor Mitglied zu sein.

Doch nicht nur das ist erinnerungswürdig. Ott führt aus: „Unser Kirchenchor hat bis zum Jahr 2000 alle zwei Jahre ein Theaterstück aufgeführt.“ Zu der Zeit habe der Chor noch genügend Leute für solche aufwendigen Vorhaben gehabt.

Rapider Mitgliederschwund

Seit dem 100-Jahr-Jubiläum sei die Mitgliederzahl rapide gesunken. „Das hat natürlich auch Altersgründe. Nur leider lassen sich anscheinend keine jungen Leute mehr für einen Kirchenchor gewinnen“, stellt die Schriftführerin fest. Bereits 2019 sei dem Chor klar gewesen, dass es mit so wenigen Personen nicht weitergehen könne. „An der letzten GV, am 6. März 2020, gab es auch keine Diskussionen mehr, die Auflösung wurde einstimmig beschlossen.“

Trotzdem hatte es noch schöne Momente, für 15 Jahre Zugehörigkeit wurden Rita Döbeli, Alois Stalder und Sonja Baur geehrt. Vreni Gutzwiler hielt dem Chor 40 Jahre die Treue und Andreas Saxer war sogar 50 Jahre Sänger im Kirchenchor.

Die Auflösung sei mit Würde vonstatten gegangen, bis zum Schluss fanden die Proben statt. „Viele werden die Gewohnheit der Chorproben am Donnerstag vermissen“, heisst es im Protokoll der letzten GV. Heidy Ott erzählt: „Einige gehen vielleicht in einen anderen Chor, aber bis jetzt hat sich noch niemand entschieden.“ Am 8. März trat der Kirchenchor ein letztes Mal in der Sarmenstorfer Kirche auf und umrahmte mit seinem Gesang den Gottesdienst.

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