Wohlen

Nach 13 Jahren: Am Geburtstag hat er seinen letzten Arbeitstag

Urs Spillmann in seinem ehemaligen Büro.

Urs Spillmann in seinem ehemaligen Büro.

Urs Spillmann, Leiter der Sozialen Dienste der Gemeinde Wohlen, geht am Mittwoch vorzeitig in Pension. Seit eineinhalb Monaten wird sein Nachfolger eingearbeitet.

An der Rückseite der Türe im Büro klebt ein Zettel mit einem Foto eines Wegweisers, der in verschiedene Richtungen weist. Daneben steht der Spruch: «Wer nicht will, findet Gründe. Wer will, findet Wege.» Es ist eines der Mottos, das sich Urs Spillmann in den letzten 13 Jahren bei seiner Tätigkeit immer vor Augen führte.

Nun geht der Leiter der Abteilung Soziale Dienste der Gemeinde Wohlen frühzeitig in Pension. Seinen letzten Arbeitstag hat Spillmann – der Zufall will es so – an seinem 63. Geburtstag am 26. August. Seinen Nachfolger Magnus Hoffmann arbeitet er seit eineinhalb Monaten ein.

Spillmanns Arbeitsbereich gehört zu den anspruchsvollsten auf einer Verwaltung. Er blickt dennoch zufrieden zurück. «Mir war es wohl hier, man liess mich arbeiten. Die Arbeitsbelastung war zwar angesichts der knappen personellen Ressourcen gross. Doch unser fünfköpfiges Sozialarbeiter-Team und das vorgelagerte Sekretariat sind eingespielt und effizient», sagt Spillmann. Wichtig sei ihm immer gewesen, die jüngeren Mitarbeitenden zu fördern und zu fordern.

Manchmal auch gehässige Reaktionen erlebt

Eine Devise, die er auch im Umgang mit den Klientinnen und Klienten auf dem Sozialamt immer durchzusetzen versuchte. «Ich schätzte den Kontakt mit den Menschen und habe in meiner Zeit viele Familien und Einzelpersonen durch Krisen begleitet», erzählt Spillmann. Manchmal habe es bei Gesprächen auch gehässige negative Reaktionen gegeben, wenn er Vorgaben und Weisungen durchsetzen musste.

«Schön war, wenn mir dann Jahre später Klientinnen und Klienten begegneten, und sagten: «Sie hatten Recht.» Von Drohungen über Beschimpfungen bis zu wütenden Telefonanrufen hat er alles erlebt. «Es waren zwar Einzelfälle, aber wir waren schon froh, dass die Polizei im gleichen Haus ist», bilanziert Spillmann.

Er hat seine Linie stets konsequent durchgesetzt, aber mit Fingerspitzengefühl. Der Abschied fällt drum auch seinen Klienten nicht leicht. «Drei eritreische Familien haben mir unter Tränen ein Abschiedsgeschenk überbracht. Eine Frau sagte sogar zu mir «Sie waren für mich wie Papi», erzählt Spillmann. Auf einer Glückwunschkarte steht: «Wir möchten Danke sagen, weil Sie uns in verschiedensten Situationen geholfen haben.»

Günstiger Wohnraum zieht gewisse Klientel an

Vor seinem Wechsel nach Wohlen war er in Brugg tätig. «Im Vergleich zu dort, stellte ich hier ein grösseres soziales Gefälle fest. Man merkt, dass in Wohlen günstigerer Wohnraum verfügbar ist und ein gewisses Klientel angezogen wird, was sich im Steuersubstrat bemerkbar macht», sagt Spillmann.

Eine Herausforderung war in seiner Karriere die Flüchtlingskrise 2015, wobei er betont, dass Wohlen die kantonalen Vorgaben immer erfüllt habe. Aktuell gibt die Coronakrise zu reden, von der man aber noch keine Auswirkungen spüre. «Noch ist kein Anstieg der Sozialhilfe-Empfänger zu beobachten, obwohl in Wohlen viele Leute im Temporärbereich ihr Einkommen haben. Ich bin dankbar, dass es in den letzten Jahren wirtschaftlich gut lief», sagt Urs Spillmann.

Die Fallzahlen würden noch auf Vorjahresniveau liegen, die Folgen der Coronakrise wohl erst nächstes Jahr aufs Sozialamt durchschlagen. In Wohlen liegt die Quote von Sozialhilfebezügern bei rund 4 Prozent oder rund 800 Personen und damit vergleichsweise im oberen kantonalen Bereich. Die grössten Schwierigkeiten bereiten Kosten fürs Autoleasing, die Krankenkasse oder Konsumkredite. 

Spillmann und sein Team stiessen oft auch an Grenzen. «Wir können nicht immer eine Lösung präsentieren. Manchmal kommen die Leute auch mit zu hohen Ansprüchen und Erwartungen zu uns.»

Trotz vorzeitiger Pension möchte Spillmann den beruflichen Kontakt zu Menschen nicht ganz verlieren. Er kann sich vorstellen, an passenden Orten sein Know-how aushilfsweise einzubringen. Entsprechende Anfragen gäbe es bereits. Und falls Urs Spillmann trotzdem einmal langweilig werden wird, zieht er sich in sein Waldstück in der Region von Brugg zurück.

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