Büttikon

Nach 45 Jahren: «Christel von der Post» zieht sich zurück – was aus der Beiz wird, ist noch offen

Christina Liembd, die «Christel von der Post», in ihrem Reich, der Schankstube des Restaurants Post.

Christina Liembd, die «Christel von der Post», in ihrem Reich, der Schankstube des Restaurants Post.

45 Jahre lange hat Christina Liembd im Restaurant Post in Büttikon gewirtet. Vor Weihnachten ist Austrinkete.

Am Samstag, 21. Dezember, ab 17 Uhr ist Austrinkete im Büttiker «Pöstli». Ein letztes Mal wird Wirtin Christina Liembd an diesem Abend ihre Gäste bedienen, mit ihnen plaudern und dafür sorgen, dass es ihnen rundum wohl ist. So, wie sie es in den vergangenen 45 Jahren immer getan hat – mit Engagement und Liebe zum Beruf: «Ich war gerne Wirtin. Der Kontakt mit den Leuten hat mir immer gefallen. Ich hatte gern viel Betrieb in meinem Restaurant und es hat mich immer gefreut, wenn es ihnen bei mir wohl war», sagt sie.

Doch jetzt ist Schluss. Christina Liembd, die in der Region auch als die «Christel von der Post» bestens bekannt ist, zieht sich aus ihrem langen Arbeitsleben zurück. Das Restaurant hat sie verkauft, was daraus wird, ist noch offen.

Die Post befand sich früher gleich hinter der gleichnamigen Beiz

Mit dem Büttiker «Pöstli» verschwindet eine weitere legendäre Freiämter Beiz. Schon Christinas Grossvater, Kasimir Koch, hat dort einst gewirtet, als Nebenerwerb zu seinem Landwirtschaftsbetrieb. In der zweiten Generation wurden Hof und Beiz getrennt. Christinas Vater, Alfred Koch, übernahm das Restaurant, Onkel Kasimir den Landwirtschaftsbetrieb. Gewirtet hat Mutter Josefine, eine geborene Kretz. Vater Alfred war vor allem Posthalter und Briefträger. Die Büttiker Post befand sich früher gleich hinter der gleichnamigen Beiz. Es sei viel Betrieb gewesen damals, erinnert sich Christina Liembd, in der Wirtschaft und auch im Haus: «Wir waren sechs Kinder, und bei uns lebten auch noch die Grossmutter und eine Tante.»

Christina lernte früh anpacken. Sie half dem Vater beim Postaustragen und der Mutter beim Servieren. Und sie blieb auch nach der Schulzeit der «doppelten Post» treu: «Ich habe jeweils am Morgen Schalterdienst gemacht und Post ausgetragen. Über Mittag habe ich der Mutter in der Wirtschaft geholfen, am Nachmittag war ich wieder mit der Post unterwegs und am Abend wieder im Service.» Es sei viel Arbeit gewesen und die Nächte gelegentlich kurz: «Oft ist nicht viel Zeit verstrichen zwischen dem Schliessen der einen und dem Öffnen der anderen Post», lacht die 71-Jährige.

1975 übernahm Christina Liembd die «Post» und ist seither dort die Wirtin: «Mein Mann war mit einem kleinen Unternehmen selbstständig, die Wirtschaft habe immer ich geführt», erzählt sie. In den ersten zehn Jahren hat sie noch eine Serviertochter beschäftigt, in den letzten 35 Jahren aber meist alles alleine gemacht – serviert, gekocht, eingekauft, geputzt. «Es war nicht immer einfach, vor allem, weil ich ja auch noch zwei Kinder zu betreuen hatte.» Die «Post» sei nie ein Speiserestaurant gewesen: «Klar habe ich gekocht, früher auch regelmässig Mittagsmenüs, stets auch am Abend und selbstverständlich auch für die Vereine, wenn sie bei mir ihre Generalversammlungen abgehalten haben. Verhungert ist bei mir nie jemand», schmunzelt Christina Liembd.

Über Weihnachten hatte die «Post» früher meistens geöffnet

Bei all der vielen Arbeit sei sie all die Jahre glücklich gewesen in und mit ihrer kleinen Beiz: «Ich mag es gemütlich und darum durfte es bei mir halt manchmal auch etwas später werden. Wir haben hier viele schöne Festli gefeiert und ich habe immer viele treue und vor allem durchweg sehr anständige Gäste gehabt», sagt sie. Vor allem auch an der Fasnacht sei es früher im Büttiker Pöstli jeweils hoch zu- und hergegangen. Und über die Weihnachtstage hatte die Post früher auch meistens geöffnet.

Ferien und freie Tage hat es für Christina Liembd in den vergangenen 45 Jahren nicht viele gegeben: «Am Ruhetag musste ich meistens einkaufen gehen, administrative Arbeiten erledigen und putzen. So alle zwei Jahre habe ich mir aber jeweils Ferien gegönnt und das Restaurant für zwei Wochen geschlossen.» Jetzt will es die Wirtin aber noch «echli schön ha und s’Läbe gnüsse.» Es sei eine gute Zeit gewesen im Pöstli, sagt sie. Dennoch freue sie sich nun sehr auf ihren neuen Lebensabschnitt.

Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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