Wetterkapriolen
Nach dem Chaos im weissen Gewand: Schneeräumer sind die Helden des Freiamts

Ohne die Mitarbeiter der Werkhöfe, der Feuerwehren und der Forstbetriebe wäre in der Region am Wochenende gar nichts mehr gegangen.

Andrea Weibel
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Schnee im Freiamt
8 Bilder
Die Bremgarter Promenade muss wegen der Bäume noch gesperrt bleiben.
Bremgarter Werkdienst bei der Arbeit.
Der Bremgarter Werkdienst freute sich auch über solche Kameraden im Städtchen.
Schneeberge im Zwischenlager auf dem Wohler Schützenhausplatz.
Überall sind die Thujahecken vom Schnee zerdrückt worden.
Im Sarmenstorfer Waldrand liegen viele Bäume.
Im Sarmenstorfer Waldrand liegen viele Bäume.

Schnee im Freiamt

Aargauer Zeitung

Oliver Burgunder wurde im wahrsten Sinn des Wortes kalt erwischt. Der neue Leiter des Bremgarter Werkhofs hat sein Amt erst seit dem 1. Januar inne, und schon musste er Bremgarten durchs grösste Schneechaos seit Jahren manövrieren. Doch zusammen mit seinen acht Mitarbeitern samt Lehrling hatte er das im Griff. «Wir waren seit Donnerstag permanent im Einsatz», sagte er gestern Dienstag. «Die Schwierigkeit war, dass wir bald nicht mehr wussten, wohin mit all dem Schnee. Einige Leute fanden es nicht so toll, dass sie vor ihrer Einfahrt eine Schneemade hatten. Aber nachdem wir es ihnen erklärt hatten, stiessen wir bei den meisten auf Verständnis», freut er sich.

Zwischenzeitlich herrschte rund um Bremgarten ein einziges Verkehrschaos. «Wir waren fast eingeschlossen, die Strassen nach Wohlen, Fischbach-Göslikon und Waltenschwil waren gesperrt, da waren auch Forstbetrieb und Feuerwehr im Dauereinsatz», sagt er. «Mittlerweile sind aber alle Strassen wieder offen. Einzig die Reusspromenade bleibt noch einige Tage gesperrt, weil fünf Bäume umgestürzt sind. Die muss der Forstbetrieb erst wegräumen.» Unter den umgestürzten Bäumen sei keiner der schützenswerten.

Muri: «Die Zusammenarbeit lief perfekt»

Herbert Küng, Leiter Werkdienst Muri, meldete gestern stolz: «Bei uns ist alles schwarzgeräumt.» Am Donnerstag waren bis um 10 Uhr nachts vier Fahrzeuge unterwegs: Zwei grosse räumten die Strassen, zwei kleinere die Trottoirs. «Am Freitag ging’s um 2 Uhr morgens schon wieder los», bestätigt er. «Da räumten wir den ganzen Tag bis um 21.45 Uhr Strassen und Parkplätze frei.» Aber natürlich mussten die total neun Werkdienstmitarbeiter samt Lehrling nicht nur die Schneearbeiten, sondern auch ihren täglichen Job erledigen: «Am Freitag wird der Abfall eingesammelt, das konnten wir nicht einfach ausfallen lassen, auch wenn’s halt etwas länger dauerte», so Küng.

«Dazu kam ausgerechnet noch eine Beisetzung, wo wir das Grab ausheben und danach wieder zuschütten mussten. Das gehört halt alles zum Job.» Am Samstag wurden die Postautostrecken als erste vom Schnee befreit. Am Sonntag begannen sie um 3 Uhr morgens, am Montag und gestern Dienstag um 3.30 Uhr. «Ich muss sagen, es lief wirklich sehr gut. Auch die Zusammenarbeit mit Forst und Feuerwehr – perfekt.»

Helden möchte er sich und seine Mitarbeiter nicht nennen: «Das ist unser Job. Alle, auch ältere Leute, haben das Recht, sich so sicher wie möglich draussen bewegen zu können. Das ist unsere Aufgabe.» Auch Küng ist froh, dass die meisten Leute Verständnis hatten, auch wenn er oft erklären musste, wieso einzelne Strassen bevorzugt behandelt wurden, beispielsweise die zum Spital. «Insgesamt ging’s auch mit den Einwohnern sehr gut.» Jetzt bittet er diese: «In die Strasse hängende Äste sollten so schnell wie möglich entfernt werden, sodass Fussgänger und auch der Winterdienst ungefährdet vorbeikommen.»

Wohlen: Externe halfen mit, den Schnee wegzuräumen

«Der Winter ist grundsätzlich schön, wir sind solche Schneemassen in so kurzer Zeit halt einfach nicht gewohnt», hält Urs Mäder, stellvertretender Werkhofleiter Wohlen, fest. «Ich bin seit 30 Jahren dabei, aber solche Massen habe ich noch selten gesehen.» Seine neun Mitarbeiter samt Lehrling hatten die Strassen jedoch schnell im Griff. Auch ihr Arbeitstag begann teilweise um 2 Uhr früh. «Vor allem für die Trottoirs und den Abtransport des Schnees hatten wir aber noch externe Hilfe», ist er froh. Der Schnee lagert nun auf dem Schützenhausplatz. «Es war streng, aber mit dem Gröbsten sind wir durch», sagt Mäder zufrieden.