Muri

Nach Fehlern radikal zurück auf Feld eins: Gemeinderat will mehr Kontrolle über das Projekt «Zentrum Bahnhof»

Nicht alles für den Kübel im Bahnhofareal Muri, aber vieles muss überdenkt werden.

Nicht alles für den Kübel im Bahnhofareal Muri, aber vieles muss überdenkt werden.

Der Gemeinderat Muri will die Entwicklung des städtebaulichen Gebiets selber in den Fingern haben und finanzieren. Auf diese Weise soll für das Bahnhofareal Muri eine solide Basis geschaffen werden. Gleichzeitig will man die Bedürfnisse der Gemeinde stillen.

Nach zehn Jahren Planung zurück zum Start: Der Gemeinderat Muri macht einen harten Schnitt und fängt beim Projekt «Zentrum Bahnhof» buchstäblich von vorne an. «Nicht jeder Entscheid in der Vergangenheit war glücklich, wir haben Fehler gemacht, der Gemeinderat übernimmt die Verantwortung», sagt Gemeindepräsident Hampi Budmiger. «Im Nach­hinein ist man immer klüger.» Mit dem Neuanfang soll jetzt «eine solide Basis» für eine gute städtebauliche Entwicklung des Bahnhofareals geschaffen werden. Neu will man sich von den bestehenden Baulinien verabschieden und das Areal als Ganzes neu betrachten. Dabei sollen auch der Kanton mit der Aarauerstrasse und die SBB mit dem Bahnhof am Tisch sein.

Geplant, genehmigt – und für untauglich befunden

Die Gemeinde Muri schloss 2010 mit einem Investor einen Vertrag zur städtebaulichen Entwicklung des Bahnhofareals ab. Die auf dem 10000 Quadratmeter grossen Gebiet erarbeitete Gestaltungsplanung wurde 2016/17 von Kanton und Gemeinde genehmigt. Nur: «Das Richtprojekt, das daraus hervorging, liess sich schlicht nicht umsetzen.» Konkret: In die Tief­garage liess sich nicht wirklich einfahren.

2018 übernahm die Leuthard Immobilien AG das Projekt als neue Investorin und versuchte in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde, den Gestaltungsplan so weit abzuändern, dass er realisierbar und auch künftigen Bedürfnissen gerecht würde. Es zeigte sich, «dass dieses Unterfangen für den Gemeinderat nicht zielführend ist». Die Mängel im geänderten Gestaltungsplan seien zu gross. So wurde die Entwicklung des Verkehrs zu wenig berücksichtigt und dem Schutz vor dem Lärm der Bahn und der Aarauerstrasse zu wenig Beachtung geschenkt. Kommt hinzu, dass sich die Sichtweise auf öffentlichen Verkehr, Langsamverkehr und Umweltschutz in den letzten zehn Jahren verändert hat.

«Wir können den gesetzlichen Anforderungen mit dem alten Gestaltungsplan nicht mehr gerecht werden», sagt der grüne Gemeinderat Beat Küng. «Addiert man diese Tatsache zu all den anderen Mängeln, gibt es gar keine vernünftige Alternative zu diesem Entscheid.» War die Planung bisher vor allem darauf ausgerichtet, mit Wohnungen und Gewerbe ein Geschäft zu machen, sollen mit den neuen Schritten erst die Bedürfnisse der Gemeinde gestillt werden. Die Leuthard Immobilien AG mit drei Parzellen ist noch im Boot, 80 Prozent der Fläche sind im Besitz der Gemeinde.

«Bisher investiertes Geld ist nicht verloren»

Für den nun neu zu startenden, dreistufigen Prozess ohne Gestaltungsplan rechnet der Gemeinderat mit einem Zeitaufwand von rund drei Jahren und Kosten von 620000 Franken. Dieser Betrag muss von der Gemeindeversammlung im August 2020 allerdings erst noch gesprochen werden. Mit einem Zeitplan bis zur Realisierung des neuen Bahnhofareals will sich der Gemeinderat nicht auf Äste hinauslassen.

Mit einem wirklich guten Projekt gewinne die Gemeinde nicht bloss an Lebensqualität, «diese Investitionen lassen sich auch wieder einspielen», hält der Gemeinderat fest. In den letzten zehn Jahren hat die Gemeinde Muri rund 150000 Franken in das Projekt Bahnhofareal investiert. Das sei nicht einfach verlorenes Geld, denn die Erkenntnisse, die man während dieser Planungsphase gewonnen habe, würden nun eine solide, faktengestützte Basis für die Neuentwicklung des städtebaulichen Zentrums bilden. Und statt «Flickwerk ein Abbild einer zukunftsorientierten, lebenswerten Gemeinde» werden.

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Autor

Eddy Schambron

Eddy Schambron

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