Bauland

Nach Ja zu umstrittener Umzonung: Pro Natura legt Beschwerde gegen Oberwil-Lieli ein

Johannes Jenny wird wegen  der Umzonung Beschwerde einlegen.

Johannes Jenny wird wegen der Umzonung Beschwerde einlegen.

Das Dorf Oberwil-Lieli hiess am Wochenende eine sehr umstrittene Umzonung gut. Bereits Monate zuvor hatte sich Pro Natura Aargau gegen die Pläne geäussert. Nun nimmt die Naturschutzorganisation Stellung dazu.

Die Umweltorganisation Pro Natura Aargau mit Geschäftsführer Johannes Jenny hat in den vergangenen Monaten mehrfach öffentlich über die umstrittene Bauland-Umzonung in Oberwil-Lieli mitdiskutiert und auch eine Einwendung eingereicht.

«Streitpunkt war die Einzonung einer Fläche von 12700 Quadratmetern für lediglich acht Villen», wie es Jenny in einer Medienmitteilung zusammenfasst. Nun nimmt er Stellung zum Abstimmungsresultat vom Wochenende.

«Normalerweise werden BNO-Revisionen mit erdrückenden Ja-Stimmenanteilen angenommen. Lediglich 55% der Stimmbürger mochten sich jedoch im Fall von Oberwil-Lieli für ein Ja zur Bau- und Nutzungsplanungsrevision durchringen», schreibt er. Pro Natura Aargau sei davon überzeugt, dass sowohl Befürworter als auch Gegner grundsätzlich eine raumplanungsrechtskonforme Nutzungsplanung anstreben.

Wurde Raumplanungsrecht eingehalten?

Pro Natura Aargau werde den Regierungsrat in einer Beschwerde bitten, zu prüfen, ob vorliegend in Oberwil-Lieli die Regeln des Raumplanungsrechts eingehalten wurden. «Unsere Sache ist weder der unschöne Streit im ‹Aargauer Glarnerland›, welcher zum Klassenkampf hochstilisiert wurde, noch hat Pro Natura Aargau etwas gegen die Auszonungen, zu welchen sie die Gemeinde explizit beglückwünscht», hält Jenny fest. «Es geht uns schlicht um die Umsetzung des Gebots im geltenden Raumplanungsgesetz, mit dem Boden haushälterisch umzugehen.»

Er erinnert an die Zustimmung von 63 %, mit der die Schweizer vor sieben Jahren «ein deutliches Zeichen gegen die Zersiedlung unseres Landes» gesetzt haben. Jenny ist überzeugt: «Oberwil-Lieli schert hier aus.» Die Gemeinde sei extrem gewachsen. Trotzdem stehe sie hinter Geltwil auf Platz zwei der Steuerparadiese im Aargau.

«Wachstum bedeutet also nicht zwingend einen tieferen Steuerfuss. Auch wenn der Versuch, durch grosse Einfamilienhausparzellen vermögende Steuerzahler anzulocken, ein legitimes, verständliches, aber kommunales Anliegen ist, bleiben das nationale Interesse am haushälterischen Umgang mit dem Boden sowie der Schutz der Fruchtfolgeflächen übergeordnet und müssen auch dann eingehalten werden, wenn Steuermillionen winken, die sonst in eine andere Gemeindekasse fliessen.»

Er hofft, dass die Gegner das Kriegsbeil begraben

«Da die Parzellen, welche aus der Bauzone entlassen werden sollen, der öffentlichen Hand gehören und daher keine langwierige Streiterei um Entschädigungen anstehen», habe das Dorf eine einzigartige Chance zum Wohle seiner Einwohner, der Landschaft, der Landwirtschaft und der Natur, die Bauzone «dem regionalen Pool zur Verfügung zu stellen», findet der Geschäftsführer.

Auf den Flächen, die nicht überbaut würden, könnte die Wohnqualität für die bereits ansässige Bevölkerung erhöht werden, und «unter Vorausnahme des Abstimmungsresultates bereits aufgewertetes Landwirtschaftsland erhalten» werden.

«Damit gönnte sich die Gemeinde nach rasantem Wachstum und dem zum Teil gehässig verlaufenen Abstimmungskampf eine wohltuende Verschnaufpause», ist Jenny überzeugt. Er hoffe, dass die Gegner «nach der Entscheidung das Kriegsbeil begraben, sich die Leute im Dorf wieder freundlich begegnen und das Dorf wieder zu Ruhe kommt – im Rahmen des geltenden Raumplanungsrechtes», schreibt Johannes Jenny zum Schluss.

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