Es war ein Riesen-Theater, veranstaltet von einem unzufriedenen Sozialhilfebezüger in Villmergen. Er hatte bei seinem Vermieter Schulden in fünfstelliger Höhe, weil er über Monate den Zins nicht bezahlt hatte und wurde deshalb nach einem längeren Verfahren per Gerichtsbeschluss aus seiner Wohnung gewiesen.

Damit die siebenköpfige Familie nicht auf der Strasse stand, stellte ihm die Gemeinde Villmergen eine Notwohnung zur Verfügung. Darin sollte er wohnen können, bis er eine neue Bleibe gefunden hatte. Den Mietvertrag für sechs Monate hat der Mann unterschrieben und im Abnahmeprotokoll keinerlei Mängel vermerkt. 

Von solchen berichtete er aber der Boulevardzeitung Blick sowie in Social-Media-Kanälen umso ausführlicher. In der Folge wurde dem Gemeinderat in mehreren Blick-Artikeln sowie in Social-Media-Kommentaren vorgeworfen, er wolle eine arme Familie in einer verschimmelten, stinkenden Wohnung unterbringen, die zudem lediglich mit kleinen Elektroöfen beheizt werden könne. 

Die Aargauer Zeitung konnte sich davon überzeugen, dass die Vorwürfe in weiten Teilen nicht stimmten. Weder ist die besagte Notwohnung verschimmelt, noch stinkt es dort und für die nötige behagliche Wärme sorgt eine Holz-Zentralheizung. Diese kann aber nur in Betrieb genommen werden, wenn jemand dort wohnt. Deshalb wurde übergangsweise mit Elektroöfen geheizt. 

Richtig ist hingegen, dass es sich bei der Notwohnung um eine Altbauwohnung handelt, die weder luxuriös noch in allen Teilen perfekt ist. Der Gemeinderat Villmergen hat dem Sozialhilfebezüger bei Übergabe der Wohnung zugesichert, dass die nötigsten Instandstellungs- und Reparaturarbeiten umgehend an die Hand genommen würden, was auch geschehen ist. Es wurden – unter anderem – Wände gestrichen, in einem Zimmer ein neuer Teppich verlegt und der Kochherd repariert. 

Dem Sozialhilfebezüger war das offenbar nicht gut genug. Er hat eine «bessere» Wohnung im Kanton Zürich gefunden und ist jetzt mit seiner Frau und den fünf Kindern dorthin gezogen. Die erste Monatsmiete für seine neue Bleibe muss laut Gesetz das Sozialamt Villmergen zahlen – aus Steuergeldern.