So hell war der kleine Bahnhof Benzenschwil noch nie. Das stösst nicht überall auf Gegenliebe. Anwohner beklagen sich aber nicht in erster Linie wegen der Helligkeit, «bei der man auf einem ganzen Landstreifen südwestlich der Lärmschutzwand problemlos Zeitung lesen könnte», sondern darüber, dass das Licht die ganze Nacht durch brennt. Oli Dischoe, Mediensprecher der SBB AG, bestätigt, dass in diesen Wochen der Ersatz der Beleuchtung am Bahnhof Benzenschwil läuft. Und verspricht, dass «in sehr absehbarer Zeit» das Licht nicht mehr die ganze Nacht brennen werde.

Die letzte S-Bahn erreicht Benzenschwil um 0.19 Uhr, die erste fährt jeweils um 5.33 Uhr. Anwohner verstehen, dass aus Sicherheitsgründen die Gehwege während des Bahnbetriebs beleuchtet sein müssen, haben aber mit Blick auf Lichtverschmutzung und Energieverschwendung wenig Verständnis, dass die Beleuchtung durchgehend eingeschaltet ist.

Nur vorübergehend

Das wird sie in Zukunft auch nicht sein, wie Oli Dischoe von den SBB festhält. «Die Beleuchtung von Perrons, Unterführung und Wartekabine erfolgt neu mittels LED-Leuchten, die nicht nur die Qualität der Beleuchtung erhöhen, sondern zugleich weniger Energie benötigen.» Projektspezifisch könne es sein, dass die Beleuchtung in der aktuellen Phase vorübergehend auch nach Bahnbetriebsschluss noch in Betrieb sei.

«Im Normalbetrieb, also in sehr absehbarer Zeit, wird auch die Beleuchtung am Bahnhof Benzenschwil wieder 30 Minuten nach dem letzten Zugshalt abgestellt und 30 Minuten vor dem ersten Zug am Morgen wieder eingeschaltet.» Kundenreaktionen hätten die SBB im Fall von Benzenschwil übrigens keine erhalten.

Künstliches Licht in der Umwelt wird von der Öffentlichkeit als neue Umweltbelastung wahrgenommen, die es zu begrenzen gilt. Das hält das Bundesamt für Umwelt (Bafu) fest. Hilfestellung bietet es mit einer Vollzugsempfehlung zur Vermeidung von Lichtemissionen. Diese enthält allgemeine planerische und technische Grundsätze.

Die Auswirkungen von zu viel Licht in der Nacht sind bekannt: Die natürliche Nachtlandschaft verschwindet und führt beispielsweise zum Verlust des sichtbaren Sternenhimmels, biologische Aspekte sprechen gegen zu viel Licht rund um die Uhr, der Lebensraum nachtaktiver Tiere wird beeinträchtigt und Menschen werden gestört.

Hinzu kommt eine unnötige Energieverschwendung. Das Bafu gibt entsprechende Empfehlungen ab. «In vielen Fällen kann die Notwendigkeit einer Aussenleuchte hinterfragt werden», hält es in einer entsprechenden Publikation fest. Dies gelte insbesondere dann, wenn sie zu einer Doppelbeleuchtung führt. «Bei baulichen Veränderungen sollten unnötig gewordene Beleuchtungen rückgebaut werden.»

Leuchtkörper sollten so abgeschirmt werden, dass das Licht nur dorthin gelangt, wo es einem Beleuchtungszweck dient. Erreicht werde dies durch Abschirmungen und optische Einrichtungen in den Leuchtengehäusen wie Spiegel und Reflektoren. Wünschenswert seien vor allem Leuchten mit einem begrenzten Abstrahlwinkel. Objekte sollten nur so stark wie wirklich nötig beleuchtet werden. Mit einer gedämpften Beleuchtung lasse sich oft eine bessere Wirkung erzielen.

Zudem sollten Leuchtkörper verwendet werden, die einen möglichst geringen Anteil an kurzwelligem Licht aussenden. Jede Leuchte sollte grundsätzlich zum Boden gerichtet sein. Vor allem Strassenleuchten müssen so platziert werden, dass sie nicht in die Umgebung oder in ökologisch sensible Räume strahlen. Beim umweltgerechten Betrieb von Beleuchtungen seien Zeitschaltungen gefragt. Damit könne zu bestimmten Nachtzeiten (in Analogie zum Lärmschutz, wo zwischen 22 und 6 Uhr tiefere Grenzwerte gelten) die Beleuchtungsstärke zumindest gedrosselt werden.