Allein sein, nur die eigenen vier Wände anstarren. Besonders bei älteren Leuten kommt das nicht selten vor. Dieser Vereinsamung möchte der neugegründete Verein Nachbarschaftshilfe Kelleramt entgegenwirken. Drei engagierte Frauen ermöglichen damit persönliche Begegnungen und kleine Freuden im Alltag.

Seit bald drei Jahre hat Myriam Bürgisser (62), aus Oberlunkhofen diese Idee mit sich herumgetragen. Dann war es Zeit zu handeln. Der neue Verein wurde im Mai 2018 ins Leben gerufen. Bürgisser ist schon lange als Ortsvertreterin für die Pro Senectute Bezirk Bremgarten tätig. «Bei den jährlichen Herbstsammlungen, bei denen man von Tür zu Tür geht und Geld für Bedürftige sammelt, wurde mir bewusst, wie viele alleinstehende Menschen es hier gibt. Ich wollte etwas machen, um das Miteinander zu fördern.»

Sie hörte sich um, auch bei Versicherungen, und erhielt wertvolle Tipps. So wurde am 24. Mai der Verein Nachbarschaftshilfe Kelleramt gegründet. Zusammen mit den Vorstandskolleginnen Mariette Baumann (Oberlunkhofen, Finanzen) und Nelly Stutz-Jakob (Unterlunkhofen, Aktuarin) möchte Präsidentin Bürgisser den einsamen Menschen wieder Struktur und Abwechslung in den tristen Alltag bringen.

Den Einsamen Zeit schenken

«Wir nehmen uns Zeit, gehen mit den Leuten spazieren, einkaufen, zu Arztbesuchen, trinken mit ihnen Kaffee, machen Gesellschaftsspiele oder helfen ihnen auch mal, einen Brief zu schreiben. Es ist mir aber wichtig, festzuhalten, dass wir sicher nicht mit anderen Institutionen konkurrieren wollen», unterstreicht die engagierte Seniorin, die auch den Seniorenmittagstisch leitet.

Die Gemeinden Jonen, Islisberg, Arni, Rottenschwil, Oberlunkhofen und Unterlunkhofen sind der Nachbarschaftshilfe Kelleramt angeschlossen. Seit seiner Gründung wurde das Angebot bereits in Anspruch genommen. «Das Projekt befindet sich in der Anlaufphase und braucht Zeit, um bekannt zu werden. Wenn sich jemand bei uns meldet, nehmen wir auf, welche Unterstützung genau gewünscht wird und wie regelmässig. Nach dieser Bedarfsabklärung sehen wir uns nach einem freiwilligen Vereinsmitglied um, das diese Hilfe anbieten möchte», erklärt Bürgisser.

Der Verein basiert auf unentgeltlicher Freiwilligenarbeit, trotzdem entstehen auch Kosten. Es müssen Prospekte gedruckt und versandt und Telefonate geführt werden. Die Nachbarschaftshilfe wird von den beiden Landeskirchen mit Beiträgen unterstützt sowie von den angeschlossenen Gemeinden. Auch private Spenden bilden das finanzielle Fundament der Nachbarschaftshilfe Kelleramt.