Eggenwil

Nächster grosser Regen darf kommen – Hochwasserschutz nach zwölf Jahren abgeschlossen

Bauleiter Patrick Blétry erklärt direkt am renaturierten Ibisguetbach die ausgeführten Hochwasserschutzmassnahmen.

Die Hochwasserschutzmassnahmen der Gemeinde sind nach zwölf Jahren nun erfolgreich abgeschlossen.

Feierlaune herrschte gestern Nachmittag vor der Waldhütte Eggenwil. Nach zwölf langen und von unablässigen Querelen begleiteten Jahren konnte die Gemeinde nun endlich ihre umfassenden Hochwasserschutzmassnahmen abschliessen. Die Um- und Offenlegung, inklusive Renaturierung des Ibisguetbachs war dabei das letzte von insgesamt vier Teilprojekten, die in Zukunft dafür sorgen werden, dass die Eggenwiler auch bei sintflutartigen Regenfällen ruhig schlafen können.

«Dieses Projekt wird vielleicht einmal zum Schulbeispiel für unsere Politik und unser Rechtssystem», sagte Gemeindeammann Roger Hausherr, den diese Aufgabe durch seine ganze bisherige Laufbahn als Mitglied und Vorsteher des Gemeinderates begleitet hat. Gemeindeschreiber Walter Bürgi doppelte in seinem Dank an alle Beteiligten nach: «Wir wurden bei diesem Projekt geprüft, aber dadurch haben wir auch viel gelernt.» Fasziniert habe ihn dabei, dass die Gemeinde genau das, was auf der Gefahrenkarte Hochwasser des Kantons verzeichnet sei, auch tatsächlich erlebt habe.

Nicht nur finanzielle Folgen

Die Hochwasserereignisse in den Jahren 1999 und 2007 hatten in Eggenwil zu massiven Elementarschäden an Gebäuden und Infrastrukturanlagen geführt. Die Ursachen dafür wurden in den Kapazitätsdefiziten der drei Bäche Ibisguet-, Kreuzweid- und Junebach geortet. «Bei Wasserschäden reden wir immer zuerst von den finanziellen Folgen», erinnerte Bürgi an die damalige Überschwemmung der Mehrzweckhalle, «aber wenn man daran denkt, wie viele Vereine und Privathaushalte dabei Dinge verlieren, die man mit Geld nicht wiederbeschaffen kann, dann weiss man, was solche Schutzmassnahmen wert sind.»

VW Käfer im Sekundentakt

Bei der gestrigen Schlussabnahme der Arbeiten am Ibisguetbach erklärte Bauleiter Patrick Blétry von der Porta AG, wie der vorher weitgehend eingedolte Bach entlang der Rütistrasse und der Alten Badenstrasse offengelegt und im letzten Teilstück, zum Junebach, durch ein neues, grösseres Rohr geführt wurde. Bei der Berechnung der Dimensionen hat man sich am sogenannten Jahrhunderthochwasser, oder kurz: HQ100 orientiert. Das ist die Pegelhöhe oder Abflussmenge eines Gewässers, die im statistischen Mittel einmal alle 100 Jahre erreicht oder überschritten wird.

Wer den aktuell sehr geringen Wasserstand im renaturierten Bachbett anschaut, käme nie auf den Gedanken, dass aus diesem, von den Eggenwiler Schulkindern mit hunderten von einheimischen Pflanzen veredelten, Naturidyll in kürzester Zeit ein reissender Fluss werden kann, der Wassermengen in den Ausmassen eines VW Käfers im Sekundentakt in Richtung Dorf schickt. Dank der Um- und Offenlegung des Baches sollte das neue Flussbett ein solches Ereignis künftig schlucken können. Damit sind die Grundaufgaben der kantonalen Sektion Wasserbau erfüllt: Hochwasserschutz und Revitalisierung.

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Autor

Christian Breitschmid

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