Starkstrom

Neue Strommasten im Reusstal: Gemeinden wehren sich

Die Starkstromleitung über Niederwil soll durch eine noch stärkere Leitung ersetzt werden – die Gemeinden wehren sich.

Die Starkstromleitung über Niederwil soll durch eine noch stärkere Leitung ersetzt werden – die Gemeinden wehren sich.

Bremgarten, Niederwil und Besenbüren stellen sich klar gegen die geplante Freileitung. Fischbach-Göslikon hingegen ist damit einverstanden.

Die heutige Hochspannungsleitung zwischen Niederwil und Obfelden soll weg. Dieser Plan des Bundesamts für Energie und der Stromnetzbetreiberin Swissgrid sorgt im Reusstal aber keinesfalls für Freude. Denn die Strommasten sollen nicht verschwinden, sondern einfach durch noch viel höhere ersetzt werden. Die heutige 17 Kilometer lange 220-Kilovolt-Leitung soll einer 380-Kilovolt-Leitung weichen.

Ein Plan, der bereits seit den 90er-Jahren existiert und seit jeher auf viel Widerstand gestossen ist. Zuletzt wehrten sich die Gemeinden 2012 erfolgreich gegen die neue Freileitung über den Wagenrain. Die damalige Forderung der meisten Gemeinden: eine Erdverkabelung.

Ein Anliegen, das auch in den neuesten Plänen nicht berücksichtigt wurde. Weiterhin ist auf der Strecke zwischen Niederwil und Obfelden in erster Linie eine Freileitung vorgesehen. Einzig beim Weiler Werd soll die Leitung verkabelt, also in den Boden verlegt werden. Bis am 29. Februar können beim Bundesamt für Energie Stellungnahmen gegen die neuesten Pläne eingereicht werden.

«Schutz der Bevölkerung nicht berücksichtigt»

Davon machen die betroffenen Gemeinden Gebrauch. Wie Bremgarten, dessen Ortsteil Hermetschwil-Staffeln besonders betroffen wäre. Der Planungskorridor sieht vor, dass die Stromleitung bis zu 60 Meter an die Häuser herankommen dürfte. Der Stadtrat stellt sich klar dagegen. Die Leitungsführung erfolge nach wie vor unmittelbar entlang dem Wohngebiet Hermetschwil-Staffelns, bemängelt er in der Stellungnahme: «Die Landschaft im Wagenrain wird durch die Freileitung massiv gestört.»

Und: «Der Schutz der Bevölkerung, vor allem im Ortsteil Hermetschwil-Staffeln, wird überhaupt nicht berücksichtigt.» Die Stadt setzt sich für eine vollständige Erdverkabelung ein, gegen die es gemäss Stadtrat keine stichhaltigen rechtlichen Argumente gibt.

Niederwiler Ammann nennt das Diktatur

Auch der Gemeinderat Besenbürens wehrt sich gegen die Freileitung und argumentiert, dass der Richtplan des Kantons fordere, dass Übergangsleitungen grundsätzlich unterirdisch anzulegen seien. Zudem erlaube das Elektrizitätsgesetz, dass eine 380-Kilovolt-Leitung als Freileitung oder Erdkabel angelegt werden könne. «Wir werden den Eindruck nicht los, dass bei der vorgeschlagenen Variante vor allem finanzielle Aspekte den Ausschlag gegeben haben.»

Die Stellungnahme aus Niederwil liegt noch nicht vor, doch die Meinung des dortigen Gemeinderats ist klar. Nach Bekanntgabe der neuesten Pläne sagte Gemeindeammann Walter Koch: «Dieser Entscheid ist absolut unverständlich. Das Ergebnis der Vernehmlassung ist nicht berücksichtigt worden. Dem sage ich Diktatur. So wird die Demokratie ausgehebelt und das gurkt mich an.»

Nur Fischbach-Göslikon wehrt sich nicht

Die Gemeinden finden klare Worte und sind sich einig. Einzig eine Gemeinde schert aus: Fischbach-Göslikon. Nach sorgfältiger Abwägung sei man zum Schluss gekommen, gegen den aufliegenden Korridor keine Eingabe einzureichen, teilt der Gemeinderat schriftlich mit. Der Planungskorridor verlaufe auf Fischbach-Gösliker Boden weit ab von der Siedlungsgrenze und mehrheitlich über Waldgebiet. «Natürlich hat diese Korridorwahl erhebliche Nachteile», wiegt der Gemeinderat ab, und erwähnt, dass durch die Leitung das Naherholungsgebiet Wald eingeschränkt wird und sich das Landschaftsbild verändern wird. Er sagt, auch eine Kabelverlegung unter Landwirtschaftsland hätte negative Folgen.

Dort werden grossflächige Umspannungswerke nötig, es wird kubikmeterweise Beton vergraben und es müssen erhebliche technische Hürden überwunden werden, die zum Teil noch nicht erforscht sind.»
Der Gemeinderat erkenne an, dass das Projekt nur mit Kompromissen beider Seiten realisiert werden könne. «Auch zu werten ist, dass diese Freileitung zum Ausbau des Stromnetzes nötig ist.»

Mit dieser Meinung steht Fischbach-Göslikon im Reusstal alleine. Sich dem wohl bewusst, schliesst das Schreiben solidarisch: «Der Gemeinderat hat aber auch Verständnis für die Begehren direkt betroffener Gemeinden.» Als Beispiel nennt er Hermetschwil-Staffeln und auch Niederwil, wo «einige Höfe je nach Leitungsverlauf erheblich betroffen sein könnten». Darum appelliert Fischbach-Göslikon an die verantwortlichen Planer, «diesen Umständen im Rahmen der technischen Möglichkeiten Rechnung zu tragen und die Begehren der Direktbetroffenen ernst zu nehmen».

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Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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