Bremgarten/Wohlen

Nigerianer muss zuerst hinter Gitter und dann ausreisen

In der Asylunterkunft Wohlen wohnte der Nigerianer, der nun zu einer Gefängnisstrafe von einem halben Jahr verurteilt wurde.

In der Asylunterkunft Wohlen wohnte der Nigerianer, der nun zu einer Gefängnisstrafe von einem halben Jahr verurteilt wurde.

Ein Nigerianer muss wegen unerlaubten Aufenthalts in der Schweiz zuerst sechs Monate ins Gefängnis – und dann das Land verlassen. Das Bezirksgericht Bremgarten ging mit seinem Urteil über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus.

Vor einem halben Jahr hätte der 48-jährige Asylbewerber aus Nigeria die Schweiz verlassen sollen. Doch er ist noch immer da, obwohl das Bundesamt für Migration auf sein Asylgesuch nicht eingetreten ist.

Seit 14 Monaten befindet er sich in der Schweiz, in der Asylbewerberunterkunft in Wohlen. Sein Verhalten lässt mehr als zu wünschen übrig. Er sass in dieser Zeit drei Monate im Gefängnis. Das Strafregister reicht vom Drogendelikt bis zum Diebstahl.

Urteil: Sechs Monate unbedingt

Dazu kommt nun eine weitere Vorstrafe: Der Bremgarter Bezirksgerichtspräsident Lukas Trost hat den Nigerianer wegen unerlaubten Aufenthaltes in der Schweiz zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt.

Auf die Frage, weshalb er die Schweiz noch nicht verlassen habe, meinte der Nigerianer: «Ich habe die Reisepapiere noch nicht erhalten. Ich lebe hier von der Nothilfe, von 7.50 Franken im Tag. Das ist zu wenig, um damit mein Essen kaufen zu können. Laut der UNO steht mir ein Reisegeld von 7000 Franken zu. Mir wurden aber nur 3500 Franken zugesichert. Ich stehe als armer Mann vor dem Richter - und Sie schauen weg», erklärte er. «Ich habe nichts falsch gemacht.»

Die Staatsanwaltschaft beantragte, den illegalen Aufenthalt des Nigerianers mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 90 Tagen zu sanktionieren. Mit seinen Vorstrafen erfülle er die Voraussetzungen für einen bedingten Strafvollzug nicht.

Der Nigerianer, der ohne Anwalt und Polizeibegleitung zur Gerichtsverhandlung erschien, zog den Strafbefehl an das Bezirksgericht Bremgarten weiter, weshalb die Strafsache auf dem Pult des Gerichtspräsidenten Lukas Trost landete. Trost verdoppelte die von der Staatsanwaltschaft geforderte Freiheitsstrafe auf ein halbes Jahr.

Er warf dem Beschuldigten vor, dass er die Schweizer Behörden angelogen habe. Der Nigerianer hatte vorgegeben, er stamme aus Eritrea, was sich als falsch herausstellte. Weit schwerer fiel für Trost ins Gericht, dass der Beschuldigte in der Schweiz fünfmal gegen das Gesetz verstiess.

«Sie haben gestohlen, mit Drogen zu tun gehabt und Anweisungen der Behörden nicht befolgt», meinte er. «Sie haben unseren Staat enttäuscht, der Menschen Asyl gewährt, die unsere Hilfe verdienen. Unter solchen Menschen, wie Sie einer sind, müssen andere Asylbewerber leiden.»

Mit Behörden zusammenarbeiten

Offenbar hätten die drei Monate, die der Nigerianer im Gefängnis absitzen musste, nichts genützt, sagte Trost. Ihm sei schon klar, «dass es für einen Nigerianer schwieriger ist, in sein Heimatland zurückzukehren als für einen Italiener». Von einer Zwangsausschaffung sprach Trost indessen nicht.

Aber als illegaler Asylbewerber müsse der Nigerianer mit den Behörden zusammenarbeiten, um die Ausreise aus der Schweiz selber sicherzustellen. «Wenn Sie jetzt nicht gehorchen, dann wird die nächste Strafe noch viel härter ausfallen.» Die Migrationsämter werden über das Urteil informiert.

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