Wohlen
Ohne Brille und Rückspiegel: Ein Fall für die Jugendanwaltschaft

Die Polizei schaltet die Jugendanwaltschaft ein, weil Roland Büchi ohne Brille Töffli fährt, obwohl er einen entsprechenden Eintrag im Ausweis hat. Sein Vater wirft der Polizei vor, ohne das nötige Fingerspitzengefühl gehandelt zu haben.

Robert Benz
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Roland Büchi ist konsterniert: «Ich wusste nicht einmal, dass dieser Code in meinem Ausweis steht.»

Roland Büchi ist konsterniert: «Ich wusste nicht einmal, dass dieser Code in meinem Ausweis steht.»

Familie Büchi versteht die Welt nicht mehr. Sohn Roland wird in Bremgarten Bibenlos von der mobilen Einsatzpolizei (MEPO) kontrolliert. Der Rückspiegel fehlt, der Hinterreifen ist alt – Roland muss sein «Töffli» stehen lassen.

Zum grossen Erstaunen der Familie hat der Polizist die Jugendanwaltschaft eingeschaltet. Nicht etwa wegen den Mängeln am Material, sondern weil der 15-Jährige eine Brille hätte tragen müssen, wie der Vater berichtet.

«Für mich hat der Polizist weder verhältnismässig, noch mit dem gewissen Fingerspitzengefühl gehandelt. Auch drängt sich mir der Verdacht auf, dass die Polizei den Weg des geringsten Widerstands geht.

Lieber einen Töfflibueb kontrollieren als gewisse Gruppierungen, die unter anderem den Bahnhof Wohlen unsicher machen», findet Vater Roland Büchi, SVP Einwohnerrat und Präsident der Einbürgerungskommission.

Das sei alles halb so wild, meint hingegen der Leiter der Jugendanwaltschaft Aargau Hans Melliger. In diesem Alter gehe es um die Erziehung der Jugendlichen. Bis die Kinder 15 Jahre alt sind, können zudem nicht einmal Ordnungsbussen verteilt werden, ein Jugendstrafverfahren ist die logische Folge.

Wie die Strafe im vorliegenden Fall ausfallen wird, ist noch offen. Melliger hat den Rapport noch nicht einsehen können. Er betont, dass bei einem ersten Vergehen dieser Grössenordnung mit einem Verweis zu rechnen sei, einer Art «gelben Karte». Im Wiederholungsfall kann die Jugendanwaltschaft zum Beispiel Verkehrsunterricht anordnen.