Boswil
Ostern – der Saisonauftakt für Camper

Es herrscht Hochbetrieb bei Urs Egli, der seit zwei Jahren in seiner CamperBusBau GmbH in Boswil individuelle Fahrzeuge ausbaut

Toni Widmer
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Urs Egli (Bildmitte) steht vor einem von ihm ausgebauten Nissan Camper, den man auch mieten kann. Rechts steht sein Mitarbeiter Rolf Bolliger bei der Montage eines Aufstelldaches in einem VW-Bus. Toni Widmer

Urs Egli (Bildmitte) steht vor einem von ihm ausgebauten Nissan Camper, den man auch mieten kann. Rechts steht sein Mitarbeiter Rolf Bolliger bei der Montage eines Aufstelldaches in einem VW-Bus. Toni Widmer

Toni Widmer

Hauptübung – das war früher für die Feuerwehrleute auch Zahltag: Der Fourier verteilte den Sold für die unter dem Jahr besuchten Übungen und geleisteten Einsätze sowie die Entschädigungen für Kaderleute und spezielle Chargen. Ein Freudentag auch für das Service-Personal in den Dorfbeizen. Nicht selten wurde der erhaltene Sold zu einem ansehnlichen Teil noch in der gleichen Nacht auf den Putz, beziehungsweise die Bartheke, gehauen.

Nicht von Urs Egli. Der heute 56-jährige Sarmenstorfer hat 26 Jahre lang Feuerwehrdienst geleistet und sich bis zum Offizier weitergebildet. Den Sold Ende Jahr hat er jeweils nicht in Alkohol umgesetzt, sondern Werkzeug und Maschinen gekauft. Das steht jetzt in seiner Werkstatt in Boswil. Der gelernte Carrosseriespengler hat sich 2017 selbstständig gemacht und baut in seiner CamperBusBau GmbH Kastenwagen und Kleinbusse zu Campern aus.

Erfahrung in der Branche

Urs Egli ist ein Camper: «Schon in jungen Jahren habe ich VW-Busse ausgebaut und bin mit ihnen durch Europa getourt. Später habe ich dann auch etwa Kollegen beim Ausbau ihrer Busse geholfen», erzählt er.

Nach seiner Ausbildung war Egli vorerst als Projektleiter im Anlagen- und Apparatebau tätig und hat dann der Campingbranche wertvolle Erfahrungen gesammelt. «Später war ich auch als Produktionsleiter im Fahrzeugbau tätig und habe mir dort vertiefte Kenntnisse über die Verfahren angeeignet, welche für die Homologation und Zulassung von um- und ausgebauten Fahrzeugen nötig sind.» Das so erworbene Know-how hat er umgehend in seiner gut ausgerüsteten Freizeitwerkstatt umgesetzt, wo er nach Feierabend und am Wochenende Kleinbusse zu Campingfahrzeugen umbaute.

Im Frühling 2017 hat Urs Egli schliesslich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt: «Ich habe an der Wohlerstrasse in Boswil die geeigneten Räumlichkeiten gefunden und mir dort eine Werkstatt eingerichtet. Über genügend Aufträge musste ich mich von Anfang an nicht beklagen, die über viele Jahre geknüpften Kontakte zur Camping-Szene waren dabei sehr hilfreich. Ich mache oft auch spezielle Sachen für Händler, die selber nicht über die nötige Einrichtung und/oder Erfahrung verfügen.»

Breites Tätigkeitsgebiet

Egli ist ein technischer Allrounder, der nicht nur Kastenwagen nach den Kundenwünschen zum individuellen Campingfahrzeug ausbaut. Er macht auch Reparaturen und Umbauten, montiert Solaranlagen, Standheizungen, Wasserversorgungen und vor allem Aufstelldächer. «In diesem Bereich bin ich speziell gut ausgerüstet und verfüge über sehr viel Erfahrung. Die entsprechende Umrüstung von Fahrzeugen ist sicher eine meiner Stärken.»

Wie Wohnmobile und Wohnwagen sind auch komplett ausgerüstete Camping-Busse von verschiedenen Anbietern auf dem Markt. Besteht da überhaupt ein Bedarf nach den Produkten von Urs Egli? «Ja», sagt er, «immer mehr. Das Freizeitverhalten hat sich geändert, viele Leute wollen heute nicht mehr ein Fahrzeug ab Stange, sondern eines, das spezifisch auf ihre Aktivitäten zugeschnitten ist. Das kann ich ihnen bieten.»

Zudem profitiere er vom anhaltenden Camping-Boom (Text unter Bild) sowie vom Trend zu kleineren Fahrzeugen: «Immer mehr Camper suchen ein Fahrzeug, das sie im Alltag und in der Freizeit einsetzen können.» Das belege auch die steigende Zahl seiner Mitbewerber auf dem Markt. Doch die, sagt Urs Egli, störe ihn nicht: «In diesem Bereich gibt es für alle genug zu tun.»

Camping boomt europaweit seit Jahren und liegt auch in der Schweiz stark im Trend

Die konkreten Zahlen von 2018 liegen derzeit noch nicht vor, sie dürften aber ähnlich sein wie jene von 2017. Damals sind in der Schweiz rund 3,1 Millionen Logiernächte auf Campingplätzen verzeichnet worden. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Zuwachs von knapp 14%. Mit 66% oder rund 2,1 Millionen waren dabei die Einheimischen deutlich am stärksten vertreten. Der Zuwachs der Schweizer Campinggäste belief sich dabei auf über 20%. Mit rund 400 000 Logiernächten waren Urlauber aus Deutschland die zweitstärkste Gruppe, gefolgt von den Holländern mit 218 000 Logiernächten.

«Camping liegt auch in der Schweiz stark im Trend und ist mittlerweile ein bedeutender Wirtschaftsfaktor», sagt Theo Strebel vom Strewo-Campershop in Waltenschwil. Strebel ist seit 40 Jahren im Geschäft und gehört mittlerweile schweizweit zu den grössten Anbietern von Campingfahrzeugen und Zubehör.

Leider, hält der erfahrene Brancheninsider fest, werde Camping von offizieller Seite nach wie vor unterschätzt: «Während in unseren Nachbarländern massiv in den Aus- und Neubau von Campingplätzen investiert wird, passiert in der Schweiz kaum etwas. Im Gegenteil: Mehrere Campingplätze sind aus Naturschutz- oder anderen Gründen sogar in Gefahr, aufgehoben zu werden.» Der anhaltende Aufwärtstrend lässt sich mit Zahlen belegen: Am Caravan-Salon, der grossen Schweizer Camping-Messe in Bern, wurden im letzten Herbst rund 10 % mehr Besucher verzeichnet. Auch die Verkaufszahlen sind eindrücklich: Wurden 1990 schweizweit noch 3738 Campingfahrzeuge verkauft, waren es 2018 bereits über 6000.

Dabei gab es laut Strebel allerdings eine Trendumkehr: «1990 lag der Anteil Wohnwagen noch bei rund zwei Dritteln. Mittlerweile ist er mit 27% auf unter ein Drittel gesunken: Der Anteil Wohnmobile ist hingegen von 34% im Jahr 1990 auf rund 73% im Jahr 2018 gestiegen.» Bei seinen Kunden, erklärt Strebel weiter, seien die eher kleineren Fahrzeuge in der Beliebtheitsskala gestiegen: «Wir reden da aber nicht von Kastenwagen und Bussen, sondern von Wohnmobilen mit einer Gesamtlänge von 6 bis 7 Metern. Auf der anderen Seite gibt es aber auch einen leichten Trend hin zu den ganz grossen, luxuriösen Fahrzeugen.»