Pandemie
Deutliche Übersterblichkeit: 2020 starben 12,3 Prozent mehr Freiämter als im Vorjahr

Die Pandemie sorgt auch im Freiamt für höhere Todeszahlen. Aber nicht überall. Die Unterschiede in den beiden Bezirken und den einzelnen Gemeinden sind zum Teil sehr gross.

Pascal Bruhin
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Die Coronapandemie macht sich bemerkbar: 833 Freiämterinnen und Freiämter sind 2020 verstorben, 91 mehr als noch 2019.

Die Coronapandemie macht sich bemerkbar: 833 Freiämterinnen und Freiämter sind 2020 verstorben, 91 mehr als noch 2019.

Anthony Anex / KEYSTONE

610 Aargauerinnen und Aargauer (Stand vom 4.2.2021) sind seit Ausbruch der Pandemie an oder mit dem Coronavirus verstorben. Wie viele Freiämter unter den Opfern zu beklagen sind, bleibt ungewiss. Angaben zu den Wohnorten der Verstorbenen macht das Kantonale Departement Gesundheit und Soziales auch auf Anfrage der «Aargauer Zeitung» keine.

91 Freiämterinnen und Freiämter sind 2020 mehr gestorben

Dass die Pandemie aber auch in den Bezirken Bremgarten und Muri zu einer deutlichen Übersterblichkeit führt, zeigen die Zahlen sämtlicher Einwohnerkontrollen der Gemeinden, die der «Aargauer Zeitung» vorliegen.

Waren es 2019 noch 742 Todesfälle, belief sich diese Zahl per Ende des Coronajahrs auf 833. 2020 sind folglich 91 Freiämter mehr gestorben als im Vorjahr. Dies entspricht einer Zunahme von 12,26 Prozent. Zugenommen hat in dieser Zeit allerdings auch die Bevölkerungszahl. So waren im Bezirk Bremgarten Ende 2020 1,42 Prozent mehr Personen wohnhaft. Im Bezirk Muri waren es 1,35 Prozent mehr, gesamthaft 1,40 Prozent.

Sterblichkeit lag im Bezirk Muri deutlich höher als in Bremgarten

Stellt man diese Zahl der Anzahl Todesfälle gegenüber, beträgt die Übersterblichkeit im Freiamt im Jahr 2020 gegenüber 2019 noch 10,9 Prozent. Auffällig dabei ist der grosse Unterschied der beiden Bezirke: Während im bevölkerungsreicheren Bezirk Bremgarten 9,8 Prozent mehr Todesfälle zu verzeichnen waren, waren es im weitläufigen und ländlich geprägten Bezirk Muri 18,3 Prozent mehr, also fast doppelt so viele.

Auch in den Gemeinden sind die Unterschiede teilweise sehr gross. So starben in Oberrüti 2020 350 Prozent mehr Menschen, im wenige Kilometer entfernten Dörfchen Mühlau 77,8 Prozent weniger. Corona sei allerdings nicht dafür verantwortlich, bekräftigen Franziska Baggenstos, Frau Gemeindeammann von Oberrüti, und der Mühlauer Gemeindeammann Martin Heller auf Anfrage.

Keines der neun Todesopfer in der Gemeinde sei dem Virus erlegen, sagt Baggenstos. Die hohe Abweichung zu den Zahlen des letzten Jahres lägen daran, dass 2019 ausserordentlich wenige Oberrüter verstorben sind. Die Zahlen der Vorjahre lagen jeweils nur wenig tiefer als jene von 2020. Martin Heller ist zwar erfreut über die Abnahme der Todesfälle in Mühlau, meint aber: «Wir hatten vermutlich einfach Glück.»

Gemeinde Bünzen ist erstaunt über die deutlich weniger Todesfälle

Auch Bünzen verzeichnete 2020 deutlich weniger Todesfälle. «Wir waren schon etwas erstaunt», sagt Frau Gemeindeammann Marlise Müller-Dietrich. «Wir haben nie sehr viele Todesfälle und Schwankungen gab es auch in den vergangenen Jahren, aber 2020 waren es wirklich aussergewöhnlich wenige Todesfälle.» Auch Merenschwand, das mehr als doppelt so viele Tote zu verzeichnen hatte, macht die natürlichen Schwankungen dafür verantwortlich. Gemeindeammann Hannes Küng sagt: «Ich gehe davon aus, dass es Zufall war. Es sind mir keine Coronatoten aus unserer Gemeinde bekannt.»

Im Bezirk Bremgarten fallen die Zahlen der Nachbargemeinden Hägglingen und Tägerig auf. Während Hägglingen mehr als doppelt so viele Todesfälle verzeichnete, nahm diese Zahl in Tägerig um mehr als die Hälfte ab. Interessant ist auch ein Blick auf die Zahlen von Waltenschwil, wo sich die Zahlen exakt verdoppelt haben.

Ganz im Gegensatz zur Nachbargemeinde Wohlen. Mit bald 17'000 Einwohnern die weitaus grösste Gemeinde im Freiamt verzeichnet Wohlen 2020 lediglich einen einzigen Todesfall mehr als 2019. Bemerkenswert sind diese Zahlen auch im Hinblick auf die beiden weiteren Freiämter Zentrumsgemeinden Bremgarten (+43,8%) und Muri (+26,6%), wo deutlich mehr Menschen verstorben sind.

Wohler Sterbezahlen blieben auch im Pandemiejahr stabil

Diese Zahl sei schon seit rund vier Jahren relativ stabil, sagt der Wohler Gemeindeammann Arsène Perroud. Dass die Zahlen auch in der Coronakrise nicht gestiegen sind, erstaunt ihn aber dennoch. «Eigentlich würde es auf der Hand liegen, dass mehr Todesfälle zu verzeichnen sind. Zumal auch die Bevölkerung Wohlens stetig wächst.»

Das Jahr 2020 sei aber insofern speziell gewesen, als dass im Frühjahr weniger Bestattungen als üblich vollzogen wurden, die verzeichneten 138 Todesopfer somit eher im zweiten Halbjahr verstorben sind. Dass in Wohlen wenig Opfer zu verzeichnen sind, könne daran liegen, dass vor allem junge Menschen zuziehen, mutmasst Perroud.

Die Zahl der tatsächlichen Coronatoten in den Bezirken Bremgarten und Muri bleibt auch in den Statistiken der Gemeinden unersichtlich. Fakt bleibt, dass 2020 12,26 Prozent mehr Menschen im Freiamt verstorben sind als 2019. Für das Jahr 2021 deuten die ersten Zahlen im Bezirk Bremgarten eine leichte Entspannung an. So lagen die Sterbezahlen für den Januar rund 21 Prozent tiefer als jene im Dezember 2020. Im Bezirk Muri hingegen stieg diese Zahl erneut um 16 Prozent an.

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