Tägerig

Parteien teilen im Wahlkampf zur zweiten Runde kräftig aus

In Tägerig geben sich Politiker gegenseitig auf den Kopf.

In Tägerig geben sich Politiker gegenseitig auf den Kopf.

Die SVP Tägerig bezeichnet Gemeinderatskandidat Patrick Oldani als nicht wählbar. Dessen Gegenkandidatin Daniela Zehnder wird derweil von der CVP-Präsidentin des Dorfes kritisch hinterfragt. Zehnder sei eine SVP-Sympathisantin, verpackt als Parteilose.

Wer zieht in Tägerig neu in den Gemeinderat ein? Dass diese Frage am vergangenen Sonntag noch nicht geklärt wurde, sorgt im Dorf im Reusstal für Unruhe. CVP, GLP und SP hatten auf eine problemlose Wahl ihres Favoriten Patrick Oldani (CVP) gehofft, doch Daniela Zehnder (parteilos), schnitt so gut ab, dass ein zweiter Wahlgang nötig wird.

In vorderster Front regt sich Helena Zimmermann auf, die Präsidentin der CVP Tägerig. Im Fokus ihres Ärgers: die starke SVP des Dorfes, die derzeit drei von fünf Gemeinderäten stellt. Diese liess sich im Vorfeld der Wahl im «Reussbote» wie folgt zitieren: «Wir möchten im Sinne einer ausgewogenen Zusammenarbeit den anderen Ortsparteien oder parteilosen Kandidaten den Vortritt überlassen.»

Die Kandidatur von Zehnder lasse aber Zweifel an dieser Aussage aufkommen, kritisierte Zimmermann. «Daniela Zehnder kandidiert als Parteilose, ist aber ganz klar im Umfeld der SVP Tägerig angesiedelt», schrieb sie am Dienstag in einem Mail an die Ortsparteipräsidenten. Zimmermann fordert darin, dass die SVP klar Stellung bezieht: Entweder eine Wahlempfehlung für Daniela Zehnder abgibt, Stimmfreigabe erteilt oder Patrick Oldani unterstützt.

Patrick Oldani ist aus Sicht der SVP nicht wählbar

«Nach wie vor stellen wir keine Kandidatin oder Kandidaten unserer Partei», antwortete ihr Matthias Moser, ehemaliger Gemeindeammann und heutiger Aktuar der SVP Tägerig im Namen des Vorstands. Er hielt im Schreiben fest: «Dass sich nun aus privater Seite Daniela Zehnder bereit erklärt hat, zu kandidieren, begrüssen wir sehr.»

Patrick Oldani hingegen sei aus Sicht des SVP Vorstands nicht wählbar. Der Grund: Die Partei traut ihm nicht zu, konstruktiv und als Teamplayer im Gemeinderat mitzuwirken. Dies stösst Helena Zimmermann sauer auf: «Dass man Patrick Oldani als unwählbar darstellt und gleich auf den Mann schiesst, finde ich ganz schlimm und trägt eben nicht zum Dorffrieden bei», schreibt die CVP-Politikerin verschiedenen Regionalmedien.

Matthias Moser zeigt sich erstaunt darüber, dass «Zimmermann mit Mutmassungen zu den Medien rennt und damit genau für Aufruhr im Dorf sorgt». Er betont aber im Gespräch mit der AZ nochmals, dass Oldani für die SVP nicht wählbar sei. «Wir trauen ihm nicht zu, dass er sachlich und objektiv im Gemeinderat mitarbeiten kann.» Oldani mache regelmässig Stimmung, und werde dabei oft persönlich, begründet Moser.

Noch nicht sicher, ob Oldani im zweiten Wahlgang antritt

Patrick Oldani hat den Gemeinderat in den vergangenen Jahren einige Male kritisch hinterfragt und sich dabei für eine stabile finanzielle Lage der Gemeinde eingesetzt. Dies zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Sportplatz-Projekt, bei dem er im Referendumskomitee sass.

«Für Matthias Moser bin ich sicher nicht der einfachste, ich habe mich ja getraut, ihn einige Male kritisch zu hinterfragen», sagt Oldani. «Doch wir haben jetzt den Sportplatz und können aus meiner Sicht nach vorne schauen. Ich bin fähig und gewillt, konstruktiv und anständig im Gemeinderat mitzuarbeiten», betont Oldani. «Das habe ich als Mitglied der Finanzkommission auch schon bewiesen.»

Klar sei man ab und zu nicht einer Meinung. «Doch wir gehen anständig miteinander um.» Auch die SP traut Oldani die konstruktive Mitarbeit im Gemeinderat zu und wird ihn im allfälligen zweiten Wahlgang unterstützen, wie Heinz Oppliger, Präsident der SP Tägerig sagt. Ob Oldani aber antritt, hat er noch nicht entschieden.

Daniela Zehnder ist bereit für den zweiten Wahlgang

Auf jeden Fall noch dabei ist Daniela Zehnder. Sie ist bereit für den zweiten Wahlgang. Zur Unterstellung, sie sei eine SVP-Sympathisantin, sagt sie: «Alles Quatsch.» Ja, ihr Ehemann sei in der SVP. Doch: «Mein Mann ist mein Mann und ich bin ich. Ich vertrete meine Meinung.» Mit einer Partei könne sie sich nicht identifizieren.

Eine plötzliche SVP-Mitgliedschaft schliesst sie aus. Genau das ist im Dorf schon einmal vorgekommen. Der heutige Vize-Ammann Thomas Widmer trat 2011 als Parteiloser zur Wahl in den Gemeinderat an. Heute ist er der Präsident der SVP Tägerig.

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Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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