Widen

Pension nach 33 Jahren als Gemeindeschreiber: «Zurückzuschauen, bringt doch nichts»

Mit diesem Plakat an allen Dorfeingängen hat Widen seinen Gemeindeschreiber überrascht und sehr gerührt.

Mit diesem Plakat an allen Dorfeingängen hat Widen seinen Gemeindeschreiber überrascht und sehr gerührt.

Widens Gemeindeschreiber, Felix Irniger, feiert heute seinen 65. Geburtstag und am Freitag, nach 33 Jahren im Amt, seine Pensionierung.

Noch drei Arbeitstage trennen Felix Irniger von seinem nächsten grossen Ziel, der Pensionierung. Aber schon heute darf der Gemeindeschreiber von Widen feiern, denn heute vor 65 Jahren erblickte er in Niederrohrdorf das Licht der Welt. Dass er später einmal eine Lichtgestalt für die Gemeinde Widen werden würde, konnte damals noch niemand erahnen. Aber schon während seiner Lehre auf der Gemeindeverwaltung in Fislisbach zeigte sich sein Geschick im Umgang mit Menschen – und mit den Gemeindegeschäften.

Sein weiterer Weg führte ihn über das Grundbuchamt in Brugg nach Villmergen, wo er bereits als Stellvertreter des Gemeindeschreibers fungierte und viele Erfahrungen sammeln konnte für die nächste Herausforderung, das Amt des Gemeindeschreibers von Widen. «In Brugg hatte ich noch darüber nachgedacht, vielleicht doch Notar zu werden», erzählt der Wahl-Wider rückblickend, «aber in Villmergen habe ich gemerkt, dass das hier mein Weg ist.» Darum lockte ihn auch die Stelle als Gemeindeschreiber in Widen, als es sie im April 1986 ausgeschrieben sah. Der Gemeinderat sprach dem jungen Verwaltungsangestellten, der im Vorjahr mit seiner Frau und den beiden Kindern nach Widen gezogen war, sein Vertrauen aus, und am 1. September 1986 trat Irniger, gerade mal 32 Jahre alt, seine verantwortungsvolle Stelle an.

«Angefangen habe ich noch im ‹blaue Hus› auf der Schulanlage. Das muss man sich mal vorstellen: Die ganze Gemeindeverwaltung war in diesem engen Raum untergebracht.» Kein Vergleich zum grosszügigen Gemeindehaus, in dem Politik und Verwaltung heute arbeiten dürfen. Als neuer Gemeindeschreiber war Irniger wesentlich an der Planung und Realisierung des neuen Gemeindehauses beteiligt. «Dieses Projekt ist sicher eines der Highlights meiner Arbeit hier», sagt der engagierte Macher, dessen Devise es ist, «nicht einfach nur predigen, sondern ein Vorbild sein.»

Auch das zweite grosse Bauprojekt, das Sportzentrum Burkertsmatt, gehört zu den schönen Erinnerungen des scheidenden Gemeindeschreibers: «Das Zentrum lebt und funktioniert. Das ist eine grosse Freude für mich nach all dem Auf und Ab, bis es endlich so weit war.»

Als würde er gleich den nächsten Grundstein legen

Überhaupt sind es schöne Erinnerungen, die Irniger mit seinen 33 Jahren als Gemeindeschreiber verbindet. «Natürlich gab es auch weniger erfreuliche Ereignisse. Aber da sage ich mir: Zurückzuschauen, bringt doch nichts. Das reisst nur alte Wunden auf. Ich schaue lieber nach vorne – und das Positive überwiegt sowieso.» Dann schwärmt der überzeugte Familienmensch, wie er sich selber bezeichnet, von den gut 210 Trauungen, die er als Zivilstandbeamter noch durchführen durfte. Er erzählt von den Seniorenausflügen, die ihm immer viel Freude bereitet haben und vom Wachstum Widens, das mit den noch geplanten Bauten sicher weitergehen werde. «Es heisst doch: Stillstand bedeutet Rückschritt», betont Irniger mit leuchtenden Augen, sodass man meinen könnte, er kremple gleich die Ärmel hoch und gehe raus, um den nächsten Grundstein zu legen.

Ruhe und Ausgleich findet er im Sport und in Splügen

Nein, Felix Irniger wird es im Ruhestand nicht langweilig werden. Dafür ist er viel zu sportlich. Der ehemalige Militärradfahrer tritt, zusammen mit seiner Frau, auch heute noch gern in die Pedalen. Er fährt Ski, ist Hobbyschütze und pflegt seine vielen Freundschaften, die aus seinem Engagement für den Schützen- und Turnverein, für den Fussballclub, fürs Militär und natürlich als Gemeindeschreiber mit all seinen regionalen und überregionalen Verbindungen entstanden sind.

Wenn er dann wirklich einmal Ruhe braucht, dann zieht er sich nach Splügen in die Mietwohnung der Familie zurück. «Von da ist es ein Katzensprung nach Italien. Auf der Piazza in Chiavenna sitzen und das Leben geniessen, das ist herrlich.» Der Sport und Splügen haben Irniger auch in hektischen Zeiten immer wieder geerdet und für den nötigen Ausgleich gesorgt. Ausserdem liebt und sucht er den Kontakt zu Menschen. «Das hat mir an meinem Beruf auch so gefallen: Jedes Geschäft hatte immer mit Menschen zu tun. Mein Ziel war es, sie immer optimal zu beraten und alle gleich zu behandeln, egal wer oder was sie waren.» Die Dankestafeln der Gemeinde an allen Dorfeinfahrten zeigen wohl deutlich, dass ihm das in all den Jahren gut gelungen ist.

Autor

Christian Breitschmid

Meistgesehen

Artboard 1